Spiegel Adblocker

Die Crux mit der Werbung, oder: Wann man den Ad-Blocker ausschalten sollte

Der eine oder andere von euch wird die letzten Tage über Webseiten gestolpert sein, die ihn aufgefordert haben, den Ad-Blocker für die jeweilige Seite abzuschalten. MIr fiel es zunächst auf Spiegel.de auf und dann auch auf Golem.de, wo man dem Thema einen eigenen Artikel widmete. Es gibt noch weitere größere Seiten (RPOnline, Zeit.de, FAZ.net, www.sueddeutsche.de) die ähnlich offensiv diejenigen Leser ansprechen, die mit einem aktivierten Ad-Blocker auf ihre Seite kommen.

Der Grund dafür ist ganz klar, dass die derzeit kostenlosen Online-Angebote allesamt durch Werbung finanziert werden. Server, technische Entwicklung, Wartung und Redaktion – das alles kostet viel Geld und wer ein solches Angebot kostenfrei veröffentlichen will, kommt nicht umhin die Kosten über Werbung gegenzufinanzieren. Der gemeine Surfer jedoch landet auch oft auf Seiten, die mit Werbung zugepflastert sind. Unter den Werbeformaten in der freien Wildbahn gibt es die Pop-Ups, die ungefragt vor dem Inhalt aufgehen, die Pop-Under, die ungefragt Fenster mit Werbung im Hintergrund öffnen, Werbung mit Video und Soundeffekten die ungefragt starten (was schon so manche ungeplante Büropause entlarvt hat), u.v.a.m.

Ich bin wie viele genervt von solchen Formaten und irgendwann griff ich zu einem Browser-Plugin, das alle Werbung zuverlässig ausfilterte. Das hilft auch sich auf Inhalte zu konzentrieren. Allerdings ist ein solcher Adblocker standardmäßig dann immer und überall aktiv. Ich habe ihn dann gezielt auf Seiten deaktiviert, an denen ich selbst gearbeitet habe und wo ich die Werbung entsprechend sehen muss. Ganz ehrlich habe ich mir über die vielen anderen Seiten, vor allem die, auf die ich regelmäßig gehe, keine Gedanken gemacht.

Aus meine Interessen und meinem Beruf ergibt sich, dass ich viel auf Technikseiten unterwegs bin. Diese, wie eben auch Golem.de, leiden besonders unter dem Rückgang von Werbeeinblendungen durch Ad-Blocker, da ihr technikaffines Publikum überdurchschnittlich oft Werbung blockt. Da beginnt dann eine Abwärtsspirale, denn ich möchte ja möglich aktuellen und gut recherchierten Inhalt bekommen, erbringe aber nicht die für den Anbieter erforderliche Gegenleistung.

Daher bin ich ganz froh über diese Anregung von Spiegel und Golem (und einigen anderen großen deutschen Websites). Tatsächlich werde ich nun bewusst den Blocker auf den Seiten deaktivieren, die ich regelmäßig besuche. Eine Hand wäscht die andere. Im Gegenzug sind sich die Betreiber mittlerweile bewusst, dass beide Seiten einander brauchen und entsprechend Rücksicht nehmen müssen. Daher verzichten sie auf potenziell nervige und verunstaltende Werbeformate – auch wenn diese häufig am besten bezahlt werden.

Wenn ihr also auch einen Adblocker benutzt (oder nun darüber nachdenkt), denkt auch mal an die andere Seite, von der ihr eine (scheinbar) kostenlos erbrachte Leistung in Anspruch nehmt. Ich möchte kein Web haben, in dem ich nur noch Anreißer finde und allerorten Abos abschließen muss um dort komplette Artikel lesen zu können. Das gibt es teils schon, aber es müsste nicht sein, wenn ein wenig an das Gegenüber denken. Frei nach Peter Lustig: Einfach mal abschalten!

Kommentare (8)

  1. So, um hier mal eine diskussion anzuregen, schmeisse ich mal einen kontra-werbeblocker-abschalt-artikel mit ein;) http://netz10.de/2013/05/14/der-werbeblocker-bleibt-aktiviert/#more-22477

    ich finde dass das eine ganz schwierige sache ist, wie man das halten soll.

    Meine Meinung deckt sich ziemlich mit der von Jochen, eine unabhängige Zeitung, die am Tropf der Bannerwerbung hängt, verliert mit der zeit mein vertrauen als „unabhängige“ zeitung;)

  2. Aber was ist denn eine unabhängige Zeitung? Von irgendwoher muss das Geld ja kommen und die Jungs und Mädels z.B. von Golem.de kommen nicht aus dem Printbereich. Der wiederum hat es wegen der Online-Konkurrenz eh schwer. Wenn der auch noch komplett die Onlinesparte subventioniert, geht es ganz bergab.

    Dann bleiben wirklich nur noch Online-Abo-Modelle, aber eine ausreichend große Bereitschaft sehe ich da derzeit noch nicht.

  3. ja, genau und das stimmt aber auch wieder; deswegen hab ich geschrieben dass es eine sehr knifflige Angelegenheit ist.

    interessant ist für mich, mal die weiterentwicklung von diensten wie flattr weiterzuverfolgen..also kein Pflicht abo, sondern donations abgeben für das, was man wirklich gern ließt.

    wobei da wahrscheinlich trotzdem viele bei der kostenlos-mentalität bleiben würden…

  4. Viele Seiten sind mMn selber Schuld und haben den massiven Einsatz von AdBlockern durch untragbare Werbeformate nahezu erzwungen. Modernes Advertising sollte Mehrwerte für die Nutzer schaffen, nicht mit Klickfallen nerven. Viele Geschäftsmodelle sind mMn einfach nicht wirklich zukunftsfähig. Wenn meine Geschäftsmodell durch ein so simples Konstrukt wie einen AdBlocker bedroht wird, würde ich die Schuld bei meinem Geschäftsmodell suchen, nicht bei den Nutzern…

  5. Mir sind solche Meldungen in der letzten Zeit häufig bei sehr vielen Seiten aufgefallen. Aber ich meine im endeffekt sind se doch selber Schuld. Ich möchte in Ruhe meine Zeitung am Rechner lesen und nicht mit hereingeflogener Werbung vollgespamt werden. Da stimmt wohl das Geschäftsmodell nicht wie Marco hier schon richtig sagt.

  6. Ich mache es mit meinem AdBlocker wie folgt: Grundsätzlich ist mein Adblock Plus auf allen Seiten aktiv. Internetseiten die ich häufiger besuche und auf denen ich merke, dass von den Seitenbetreibern sehr viel Mühe reingesteckt wird, so deaktiviere ich ABP auf der entsprechenden Seite mit nur 2 Klicks.

  7. Ich finde diese Aufforderungen lachhaft, spiegel-online etc pp sind alles Webseiten von großen Unternehmen die Einnahmen haben, warum also muss ich mir den Werbemüll (der auf solchen Seiten gerne mal eingebaut ist um NOCH mehr geld zu machen) antun??? Hallo? Wenn ihnen das geld ausgeht, dann sollen sie mal einen Teil ihrer Schrottproduktionen abstellen … ich finds echt frech fleißig Geld für Klicks einnehmen zu wollen und dann noch zu wimmern wenn on 100 Usern 70 keinen Bock drauf haben

  8. Ich finde da muss man auch unterscheiden. Popups und Werbung mitten im Text sind schon nervig. Aber wenn die Werbung am Rand platziert ist, oder an einer Stelle, an der es nicht stört ist das schon in Ordnung. Ich denke da zb an die Serien, die ich gratis auf myvideo sehen kann oder die kostenlosen Flash Spiele auf vielen Seiten. Das wäre ohne Werbung alles nicht kostenlos.

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