Speicherplatzverbrauch von Windows SBS 2011 verringern (Update)

Microsoft und seine Produkte überraschen mich jeden Tag aufs Neue. Gestern Morgen wurde ich im Büro mit der Hiobsbotschaft begrüßt, dass wir keine Mails mehr bekommen. Schnell stellte ich fest, dass die Systempartition C: vollgelaufen war und infolge dessen der Exchange 2010 keine Mails mehr annehmen konnte.

Vor rund zwei Monaten haben wir intern von einem Windows 2003 Server auf den Windows SBS 2011 Standard 64 Bit migriert. Seither lerne ich jeden Tag dazu – ob ich will oder nicht. Ich, der ich hier im Büro am iMac sitze, habe mir mittlerweile einen Namen damit gemacht keine Möglichkeit auszulassen auf Microsoft zu schimpfen. Sie machen es mir aber auch verdammt einfach.. ;-)

Aber von vorne: Unsere Server sind virtualisiert. Die Systempartition unseres SBS ist 150 GB groß und war gestern Morgen wie gesagt komplett voll bis an den Rand. Potentiale Festplattenspeicher auf C: einzusparen bietet das System so einige:

  • Das Löschen der Schattenkopien (VSS) brachte nur wenig Luft. Diese sollte aber auch nur kurzfristig eingeräumt werden, denn Schattenkopien sind sinnvoll und sollten nicht dauerhaft deaktiviert werden.
    So wird’s gemacht: z.B. im Datei-Explorer rechten Mausklick aufs Laufwerk, „Schattenkopien konfigurieren..“, hier dann ggf. nochmal das Laufwerk C: auswählen und die hinterlegten Kopien löschen.
  • Das Verlegen des Swapfiles auf ein anderes Laufwerk (wir haben u.a. noch eine Partition D: von 200 GB auf der unsere Freigaben liegen), wozu das System neu gestartet werden muss. Das psart in unserem Fall rund 16 GB.
    So wird’s gemacht: Systemsteuerung -> System uns Sicherheit -> System -> Einstellungen ändern -> Erweitert -> Leistung / Einstellungen -> Erweitert -> Virtueller Arbeitsspeicher / Ändern und hier die automatische Verwaltung der Auslagerungsdatei deaktivieren und dann manuell für C: deaktiveren und für ein anderes Laufwerk aktivieren. Die Größenverwaltung kann man getrost dem System selbst überlassen. Es weiß am besten was es benötigt.
  • Löschen / aufräumen des Windows Server Update Service (WSUS) Cache. Dieser dient dazu den Clients im Active Directory ihre Updates von Microsoft bereitzustellen und kann recht flugs eine ansehnliche Größe erreichen.
    So wird’s gemacht: In der Windows Server Update Service Konsole unter „Optionen“ den „Assistent für die Serverbereinigung“ aufrufen. In dem folgenden Dialog alle Einträge aktivieren und den Assistenten arbeiten lassen. Vorsicht, der Lauf kann sehr lange dauern! Hier hat der Server tatsächlich 20 Stunden gerödelt um am Ende 698 MB einzusparen. Grundsätzlich sollte man den WSUS aber so konfigurieren, dass er auch nur Updates für im EInsatz befindliche Produkte bezieht und bereitstellt.
  • Deinstallation des WSUS
    Wer keine Richtlinien auf den Clients oder sonstigen Servern im Unternehmen hat, dass der Update Server auf dem SBS zu nutzen ist und / oder wer sich dessen Administration sparen will und nicht übermäßig viele Clients und eine ausreichend schnelle Internetverbindung hat, der kann die WSUS-Rolle im Server-Manager auch deinstallieren. Bei uns, wo der WSUS lediglich Updates für Windows 7, 8 und Server 2008 R2 vorhalten sollte, hat das mal eben 96 GB Platz gespart. Da wir eine 100 Mbps-Leitung haben, können wir auch gut ohne WSUS leben.
  • Den Protokollierungswahn des IIS eindämmen. Wir nutzen hier intern den Internet Information Server auf unserem SBS i Grunde gar nicht. Lediglich ich hänge indirekt über meinen Outlook 2011 für Mac Client an ihm dran (der verbindet sich per HTTP / HTTPS). Hier konnte ich nach nichtmal zwei Monaten priduktivem Betrieb des Servers sage und schreibe 26 GB an Logfiles in den Orkus werfen!
    So wird’s gemacht: Im IIS-Manager links den Server und den Unterpunkt „Sites“ ausklappen. Jede darin befindliche Site der Reihe nach anklicken, den Punkt IIS: Protokollierung öffnen und in den Aktionen auf „Deaktivieren“ gehen. Das geht natürlich nur für Sites, deren Logdateien wir tatsächlich nicht mehr zur Auswertung oder zum Debugging benötigen. Anschließend kann man in C:\inetpub\logs alles löschen.
  • Die Postfachdatenbank verschieben geht auch. Summa summarum kommen wir aktuell auf rund 65 GB Platzbedarf auf der Platte für unsere E-Mail-Datenbank in C:\Programme\Microsoft\Exchange Server\V14\Mailbox.
    So wird’s gemacht: In der Exchange-Verwaltungskonsole hat man unter Organisation -> Postfach die Möglichkeit seine Postfachdatenbanken verschieben zu lassen. Das geht natürlich auch von der Shell aus mittels des Cmdlets Move-DatabasePath. Beachten sollte man, dass während der Verschiebung die Datenbank nicht verfügbar ist, die User also keinen Mailverkehr haben.
  • Die Umlaufprotokollierung für die Postfachdatenbank aktivieren. Standardmäßig protokolliert der Exchange 2010 im Datenbankordner C:\Programme\Microsoft\Exchange Server\V14\Mailbox sämtliche Transaktionen. Jede der Log-Dateien ist 1MB groß und durch das verwendete Namensschema können maximal 2,5 TB an Protokolldateien zusammenkommen. Bei uns hatten sind in über 53.000 Dateien entsprechend über 53 GB angesammelt. Anhand dieser Protokolle kann der Exchange bei Fehlern in der Datenbank diese restaurieren. Wer aber seine Daten sichert (und das sollte man tun), kann womöglich auf diesen Datenwust verzichten. Dafür kann man in den Einstellungen der jeweiligen Datenbank die sog. Umlaufprotokollierung aktivieren, bei der der Exchange dieselbene paar Log-Dateien immer wieder recyclet und damit einen fixen Speicherverbrauch für Protokolle hat.
    So wird’s gemacht: In der Exchange-Verwaltungskonsole hat man unter Organisation -> Postfach seine Postfachdatenbank auswählen und deren Bereitstellung aufheben (sie ist in dieser Zeit nicht verfügbar). Dann in den EIgenschaften die Umlaufprotokllierung aktivieren. Nun in o.g. Ordner alle .log-Dateien löschen und die Datenbank anschließend wieder einbinden – fertig!

Die Maßnahmen kann man natürlich teils auch präventiv anwenden, d.h. nach der Grundinstallation des Systems. Im Rahmen einer entsprechenden Ressourcenplanung kann man sich so später Ausfallzeiten und Einschränkungen ersparen.

Kommentare (17)

  1. Diese Probleme habe ich mit meinem Windows XP nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass heutzutage Speicher Probleme bereiten, wo diese doch wirklich sehr preiswert geworden sind.

  2. Speicher werden doch fast nachgeworfen, da sollte es nicht soweit kommen das man damit Probleme hat.

  3. Das hängt immer ganz davon ab. Wenn man den SBS nur des Exchange wegen und vllt. für ein wenig Active Directory benötigt, will man sich ja nicht gleich nen neuen Server kaufen und der, den man benutzt, beherbergt womöglich noch diverse andere VMs bzw. hat seine Slots voll und erfordert eine mittelschwere Umbau- und Migrationsaktion, die dann wiederum auch andere darauf laufende VMs betrifft.
    Auch sollte man den Platzbedarf berücksichtigten, um Snapshots seiner VMs anlegen zu können. Man haut sich clevererweise seine Platten nicht komplett mit laufenden Images zu…

  4. Kann mir das in der Heutigen Zeit von den Hardware Preisen auch nicht vorstellen das es hier ein problem geben soll man kann doch auch server problemlos aufrüsten ?!?

  5. Also allein der Gedanke das bei uns mal die Mailserver keine Mails mehr reinschicken dürfen, oh weih … das würde im Super-Gau enden! Aber der Tipp wie man das Problem schnell und effektiv löst ist mal wirklich perfekt. Vielen dank für die Mühe die du dir damit gemacht hast!

  6. Also Speicher Probleme habe ich im Moment dauernd mit meinem GMX Mail Postfach. Ich kann mir also gut vorstellen wie es ist, wenn es zum Mail Stau kommt:-) Leider muss man für mehr Speicher auch mehr bezahlen. Oder man macht sich ans Löschen.

  7. Nun die Speicherplatzproblematik kann ich durchaus nachvollziehen… Aber einen SBS 2011 nur wegen Exchange und AD einsetzen nicht ;-) Es gibt doch schon länger eine Vielzahl von Exchange und AD Ersatz Servern, die a. nicht so resourcenhungrig und b. sich auch besser administrieren lassen. Außerdem ist der SBS so toll gescripted, dass man die Finger von den Einstellungen innerhalb des Systems lassen sollte. Danach funktioniert meistens der Server nicht mehr richtig. Also Änderungen, die man nicht in der SBS Console machen kann, sollte man sich gut überlegen.

    Im Groupware Bereich fällt mir spontan Scalix oder Zarafa ein.
    Und wenn man Samba oder den 389 Directory Server einsetzt, hat man zwar keinen kompletten AD ersatz, aber die wichtigsten Merkmale werden unterstützt. Das wird für ein kleines Unternehmen ausreichen

  8. Na ja … wer einen SBS 2011 mit 150 GB aufsetzt, die IIS Logs deaktiviert, WSUS gar deinstallieren will auf einem SBS. Generell gilt auf einem SBS Regel Nr.1 „Nichts deaktivieren undniemals etwas „deinstallieren“! Anfänger Fehler auf einem SBS … schimpfen über Microsoft und am iMac mit Outlook 2011 sitzen – Einfach Unfassbar. Lass bloß die Finger von einem richtigen Windows Server wenn du schon Anfänger Fehler beim SBS machst. PS: Viel Spass beim SharePoint nach deiner WSUS deinstallation. MFG

  9. Der SBS schnurrt wie eine Katze – ohne WSUS und IIS Logs. Letztere werden so wenig benötigt wie Sharepoint.

    Der WSUS läuft problemlos auf einem separaten 2008er Server. Er ist nicht unternehmenskritisch und muss daher nicht unsere NAS vollmüllen, wenn wir von der SBS-VM Snapshots exportieren.

  10. Ich glaube das einfach nicht… kommentieren denn hier nur Kinder?

    „Speicher wird immer billiger und man bekommt ihn in großen Mengen zu geringen Kosten zu kaufen – deshalb kann man sich nicht vorstellen, dass der Platz knapp wird“…..
    Sorry, aber das ist ein Kommentar von typischen Benutzern von 8-18, die meinen, etwas von Computern zu verstehen, weil sie Spiele beherrschen…

    Das ist so ähnlich wie: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das Benzin im Auto knapp wird – die Tanks werden doch immer größer….“

  11. Ach echt? Speicherplatz ist also endlich? Dann ist es ja super wichtig, dass wir bald alternative Speicherformen erfinden, bevor die Speicherplatzspeicher tief unten in der Erde sich dem Ende nähern!

  12. @ Thorsten (und Alex)
    Danke, Du sprichst mir aus der Seele….
    Was mich an Foren am meisten aufregt ist: Daß wenn Du ein Problem hast – oder etwas wissen willst – Du erst 20 Mal gefragt wirst WARUM Du das denn willst – bzw. man Dir schreibt wie wenig Ahnung Du doch davon hast und Du bräuchtest es doch garnicht.
    @ 8-18
    Macht nur blind bei dem ganzen Schwachsinn mit den MS bastellt….
    Ihr habt recht, Speicher kostet kein Geld mehr… Platten auch nicht…. Und die Gelddruckmaschine steht ja auch im Keller ….. Ihr kotzt mich an

  13. Hallo Alexander,
    vielen Dank für die praktischen Tipps!
    Mir ist eben unser SBS2011 zugelaufen, mit 4MB frei auf Systemlaufwerk C:\ ist es leider nicht mehr möglich gewesen, noch ein bedrucktes Blatt aus dem Drucker zu bekommen.
    Konnte mit Deinen Hinweisen innerhalb einer Stunde 37GB freischaufeln, schönen Dank!
    :-)

  14. Hallo Alexander,
    herzlichen Dank für diese ausführliche Beschreibung, die GEANAU meine Probleme behandelt hat ( also die Probleme mit dem Server ;)) )

    viele Grüße
    Christian

  15. Bitte nicht die Umlaufprotokollierung aktivieren!
    „In Exchange 2010 ist die Umlaufprotokollierung standardmäßig deaktiviert. Durch Aktivieren der Umlaufprotokollierung verringern Sie die Anforderungen an den Speicherplatz auf den Laufwerken. Ohne den vollständigen Satz von Transaktionsprotokolldateien können jedoch Daten, die aktueller sind als die letzte vollständige Sicherung, nicht wiederhergestellt werden. In einer normalen Produktionsumgebung wird von der Verwendung der Umlaufprotokollierung abgeraten.“
    https://technet.microsoft.com/de-de/library/bb331958%28v=exchg.141%29.aspx

  16. Vielen Dank, Alexander! Die WSUS und LOG Deaktivierung hat es voll gebracht. 260GB gewonnen! Sinnloser Speicherfresser für 10 -15 Arbeitsplätze in der heutigen Zeit, in der jeder Flat-Rate und hohe Übertragungsraten hat.

  17. Exchange-Umlaufprotokolierung aktivieren – keine gute Idee, auch mit Sicherung nicht!
    Denn die Sicherung benötigt diese Logs im Fehlerfall, um alle neuen Mail SEIT DER LETZTEN SICHERUNG wiederherstellen zu können.
    53GB Logs – dann scheint die tägliche Exchange-Sicherung nicht richtig zu funktionieren, denn sonst würden die Logs vom Vortag nach der Sicherung (in der Nacht) automatisch gelöscht werden!

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