Melancholia (Blu-Ray)

Melancholia, das ist für mich vordergründig nicht das Weltuntergangszenario, sondern das sind Menschen die nicht aus ihrer Haut können. Festgefahren in ihren Denkmustern und Verhaltensweisen verhaften sie in ihrer Art, selbst dann noch, wenn ihr Verhalten völlig deplaziert, unsinnig, kontraproduktiv und verletzend ist.

Die misantrope Brautmutter (Charlotte Rampling), die alle runterzieht. Der promiskuitive Brautvater (John Hurt), der nur an sein sexuelles Vergnügen denkt. Der Wedding Planner (Udo Kier), für den nur die Hochzeitsfeier, nicht das Brautpaar zählt. Der Schwager (Kiefer Sutherland), der rational wissenschaftlich und in Zahlen (Dollar) denkt. Der Agenturchef (Stellan Skarsgård), der nur an seinen Erfolg und Profit denkt und dem Menschen nichts bedeuten. Der Bräutigam (Alexander Skarsgård), der einen Traum heiratet und nicht die psychisch angeschlagene Frau die er bedingungslos zu lieben glaubt. Die Schwester (Charlotte Gainsbourg), die mit ihrem Sohn vor dem Weltuntergang in einem Golfcart fliehen will.

Melancholia: Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg

Und dann ist da die depressive selbstzerstörerische Braut (Kirsten Dunst), die im angesicht des drohenden Untergangs völlig ruhig, womöglich erleichtert ist, da nun auch ihre lebenslanges Leiden ein Ende hat. Ein Ende, dass sie sich herbeisehnt und welches sie geradezu genießt. Sie scheint die einzige zu sein, die das Schicksal einfach akzeptiert. Ihr eigenes, das ihrer Familie, das Schicksal der ganzen Welt.

Melancholia [Blu-ray] hält uns den Spiegel vor. Wir sind oft Kunstprodukte, gefangen in selbst erschaffenen Mustern und Regeln, denen wir uns zeitlebens unterwerfen; den eigenen Erwartungen und denen anderer, dem Ehrgeiz ihnen ohne Wenn und Aber gerecht werden zu wollen, den anderen zum Gefallen, stets den Eindruck wahrend. Wir sind glücklich, weil wir es sein sollten; wir sind erfolgreich, weil es von uns erwartet wird; wir sind dankbar, weil es sich so gehört. Wir spielen das Spiel unserer Rolle entsprechend, eine Maske tragend die uns zweite Haut ist, oft nichtmal mehr wissend, welches Gesicht sich dahinter verbirgt.

Mit dem Untergang schließt der Film mit dem einzigen denkbaren Szenario, vor dem niemand fliehen kann. In dessen Angesicht wir alle unsere Masken verlieren und ihrer Bedeutungslosigkeit gewahr werden. Was erblicken wir dann im Spiegel und was bleibt von unserem Leben, das wirklich von Bedeutung ist?

Zwei Schwestern. Ein Sohn.

Regie: Lars von Trier
FSK: ab 12 Jahren
Spieldauer: 135 Min.
Web: Offizielle Website