St. Louis Blues 2011/12 – eine kleine Retrospektive

Ärger, Enttäuschung und Frust. Das beschreibt am ehesten was ich bzgl. „meiner“ St. Louis Blues während der zweiten Playoff-Runde gegen die L.A. Kings gefühlt habe. Folgerichtig flogen wir gestern im vierten Spiel mit der vierten Niederlage aus den Playoffs, nachdem wir San Jose in fünf Spielen überzeugend und problemlos ausgeschaltet und eine grandiose Saison gespielt haben.

Noch unter der Saison waren die Blues das defensivstärkste Team der Liga. Die beiden Goalies Jaroslav Halak und Brian Elliott stellten einen Rekord für die meisten Shutouts ein (15), unser zweiter Goalie Elliott führte die Liga mit der besten Fangquote (94,0%) und dem geringsten Gegentoreschnitt (1,56) an, was ihm die Teilnahme am All-Star-Game brachte. Nach dem Trainerwechsel Mitte November verordnete Coach Ken Hitchcock (Stanley Cup Coach der Dallas Stars) den Blues ein modernes und durchaus zuschauerfreundliches Defensivsystem.

Dabei lag der Fokus mehr auf Teamdefense als darauf ein klassisches Abwehrbollwerke zu bilden. Folgerichtig hatten die Blues zwar keine Überscorer im Team, die sie mit einem anderen System durchaus hätten haben können, verfügten aber über eine Truppe die mit allen vier Reihen rollen und mit drei Reihen jederzeit scoren konnte. Der vergleichsweise große Kader erlaubte auch zwischenzeitliche längere Ausfälle (McDonald, Steen, Perron, D’Agostini, Colaiacovo, Arnott, Langenbrunner, Sobotka) und Formschwächen (Halak) problemlos zu kompensieren.

Gegen Saisonende lieferten sich die Blues noch das Duell um die meisten Punkte in der Liga und hatten gegenüber den Rangers immer wieder die Nase vorne. Doch in den letzten Spielen schluderte man und musste man sich in der Conference gar mit Platz 2 zufrieden geben, da auch die Vancouver Canucks noch vorbeizogen.

Eben jene Canucks schalteten die L.A. Kings von Platz 8 in fünf Spielen aus. Mit ihrem Sieg in vier Spielen gegen die Blues sind die Kings das erste Team der NHL-Geschichte, das in derselben Saison den Erst- und Zweitplatzierten aus den Playoffs geworfen hat. Dabei rutschten Die Kings nur gerade so noch in die Playoffs. Lange Zeit hatten sie den schlechtesten Angriff der Liga, feuerten ihren Coach und besserten zur Trading Deadline nochmal namhaft nach. Mit einem beeindruckenden Schlussspurt errangen sie Platz 8 und spielen seither wie aus einem Guss.

Die Blues dagegen bauten zum Saisonende etwas ab, hatten gegen San Jose aber wenig Mühe – die Gegenwehr hielt sich auch in Grenzen. In der zweiten Runde erwarteten alle ein heißes Duell der beiden defensivstärksten und unangenehmsten zu spielenden Teams der Liga. Stattdessen wurde es eine klare Angelegenheit.

L.A. erwies sich in allen Mannschaftsteilen als überlegen. Jonathan Quick im Tor war in jedem Spiel L.A.s bester Mann. Brian Elliott dagegen, seit Spiel 3 der San-Jose-Serie für den verletzten Halak im Tor, leistete sich gerade in Spiel 2 und 3 Aussetzer, die man die ganze Saison nicht von ihm gesehen hatte. Das Forechecking der Kings setzte die Defense der Blues unter immensen Druck. Kaum ein erster Pass kam durch, ständig generierten sie Turnover und daraus resultierende Torchancen. Auf der anderen Seite habe ich bei den Blues zu keiner Zeit ihr berüchtigtes Forechecking sehen können. Die Zone Time der Blues war recht gering, selten konnte man sich mal im Drittel festsetzen. Ständig schossen sich die Blues auch mit uncharakteristischen dummen Strafen selbst in den Fuß.

Daraus konnten die Kings zwar nicht unbedingt direkt selbst Kapital schlagen, aber Unterzahl kostet eben Kraft und lähmt die Offensive. Im Gegenzug schafften die Blues in keiner ihrer 10 Spiele aus Saison und Playoffs gegen die Kings ein Powerplaytor zu erzielen. Dabei hatten sie noch gegen San Jose eine herausragende Erfolgsquote jenseits der 40%.

Was hält nun die Saisonpause für die Blues bereit?

Die Einjahresverträge der Sturm-Veteranen Jamie Langenbrunner und Jason Arnott laufen aus. Arnott war zuletzt nur Zuschauer, da kaum mehr in Erscheinung getreten. Bei beiden halten ich eine Weiterverpflichtung für unwahrscheinlich. Zu reduziertem Bezug könnte ich mir lediglich bei Langenbrunner eine Fortsetzung vorstellen.

T.J. Oshie und David Perron werden problemlos neue Verträge bekommen. Nach einer enttäuschenden Saison für Chris Stewart dürfte es interessant sein, ob man ihm ein Vertragsangebot über die erforderlichen $3,1 Mio. machen wird. Ich gehe aber trotz der Enttäuschung davon aus, denn er ist jung (24) und hat schon bewiesen was er kann. Traden kann man ihn auch unter der Saison noch, sollte er wieder nicht in Fahrt kommen.

Mit Jaden Schwartz haben die Blues bereits ein Sturm-„Eigengwächs“ mit ersten Erfahrungen in der NHL in den eigenen Reihen. Ihm ist der Sprung als Stammkraft für kommende Saison zuzutrauen. Gleichzeitig stehen die Chancen nicht schlecht, dass der russische Torjäger Vladimir Tarasenko kommende Saison zum Team stößt.

In der Defense laufen die Verträge von Huskins, Colaiacovo und Jackman aus. Huskins dürfte man ziehen lassen, er war eh nur 7. Mann und mit Ian Cole hat man bereits einen jungen defensivstarken Ersatz. Colaiacovo ist verletzungsanfällig und war in den Playoffs nicht wirklich ein Faktor. Ist zu erwarten, dass man auf dem Markt Ersatz findet, bekommt er womöglich keinen neuen Vertrag. An Jackman scheiden sich die Geister. Er ist dienstältester Spieler der Blues, wurde hier einst Rookie des Jahres – hat damals aber wohl auch seine beste Saison gespielt. Offensiv ist er nicht zu gebrauchen und hinten spielt er häufig weit weniger erfahren, als er sollte. Muss man im heutigen Hockey einen solchen Mann, der aktuell $3,625 Mio. im Jahr bekommt unbedingt halten? Ich finde nicht..
Je nachdem welche Verteidiger noch alles zum 1.7. Free Agent werden erwarte ich, dass beide ebenso den Markt austesten, bzw. zuvor keine neuen Angebote erhalten.

Mit Alex Pietrangelo und Kevin Shattenkirk haben die Blues zwei hervorragende junge Allround-Defensemen in ihren Reihen. Kris Russel, zwischenzeitlich aus Columbus geholt, ist ebenfalls jung, schnell und kann offensiv Akzente setzen. Fitness-Weltmeister und „Tier“ Roman Polaks Vertrag wurde unter der Saison um 4 Jahre verlängert. Schon zur Trading Deadline waren die Blues auf der Suche nach erfahrener Ergänzung für die Defense, konnten jedoch nichts passendes finden. Ein guter Zwei-Wege-Mann und ein siebter Mann vom Kaliber Ken Huskins sollte reichen und schon wäre die Verteidigung soweit wieder gut aufgestellt.

Im Tor wird sich nichts ändern, da sowohl Halak und Elliott noch Verträge über die beiden kommenden Spielzeiten verfügen. Das Tandem hat uns nicht nur eine grandiose Saison beschwert, sondern auch durch die Playoffs gebracht. Bei den meisten anderen Teams wäre auch die erste Serie gegen San Jose nochmal sehr eng geworden, nach dem Ausfall der Nummer Eins im Tor. Nashville ohne Rinne? Die Rangers ohne Lundquist? Washington ohne Holdt? Da haben wir mit Halak und Elliott schon einen gewaltigen Luxus.

Personell steht demnach kein Umbruch an. Der ist auch nicht nötig, haben die Blues doch gezeigt, dass sie ein sehr gut eingestelltes Team mit vielen Optionen sind, das über Jugend und die dadurch kommende Perspektive ebenso verfügt wie über Größe, Schnelligkeit, Spielqualitäten und exzellentes Goaltending.

Wenn die Jungs die richtigen Lehren aus diesen Playoffs ziehen und sich erwartungsgemäß ergänzen und weiterentwickeln, sieht die Zukunft weiter rosig aus. Und nach den letzten 10 Jahren muss man klar sagen, dass trotz des Sweeps von L.A. das Positive in dieser Saison um ein Vielfaches überwiegt. Da muss man den eigenen Frust auch mal verdauen können und dasGesamtbild betrachten.

So wie ich die Kings erlebt und die übrigen Playoffs verfolgt habe, ist in L.A. in der gezeigten Form für mich ein klarer Finalkandidat und dort keineswegs Underdog, egal wer im Osten das Rennen machen sollte. Aber erstmal müssen sie gegen die Überraschungsmannschaft aus Phoenix ran, die derzeit 3:1 gegen Nashville vorne liegt und aller Wahrscheinlichkeit das Rennen machen wird.