Machs gut Steve Jobs und Danke!

Steve war bis wenigstens weit in seine 30er hinein kein einfacher Geselle und viele seiner privaten wie geschäftlichen Entscheidungen (so man den diversen unauthoriserten Biografien glaubt) kann man schwer bis gar nicht nachvollziehen. Kurzum: Er konnte ein ziemliches Arsch sein. Ich traue ihm aber zu über die Jahre dank Zen und „dank“ Erkrankung ruhiger und demütiger geworden zu sein. Man höre ihm nur mal bei seiner 2005er Stanford-Rede zu, Zeugnis einer für mich sehr beeindruckenden und „richtigen“ Lebenseinstellung.

Er hat für seine Ideen und seine Visionen gekämpft und nach seinem Rauswurf bei Apple hat er Pixar und NeXT mit seinem Privatvermögen bis nahe zur eigenen Pleite am Laufen gehalten. Mit seinen NeXT-Ingenieuren hat er Apple, auf die damals keiner mehr einen Pfifferling gab, neues Leben eingehaucht und zu einem der einflussreichsten Unternehmen der Welt gemacht.

Ich hätte gern früher einen Apple besessen, aber Grafikerinnen mit unaufgeräumten Desktops und gesalzene Preise ließen daraus nichts werden. Es began dann eher leise mit dem iPod einer Bekannten. Sie hatte ihn gewonnen und keine Verwendung, ich begann gerade eine Fitness-Studio-Episode und konnte ihn gut gebrauchen. Es folgten ein iMac, ein MacBook, ein iPhone 3G, das iPhone 4.

Apple verströmt in Software und Hardware eine Ästhetik, eine gewisse Leichtigkeit, die Inkarnation des KISS-Prinzips. Es fängt mit der Basis an, Objective-C und die Cocoa-Libs, über das schlichte zeitlose Design der Hardware-Produkte, die Materialwahl (Aluminium-Unibodys, Spezialglas, ..) bis hin zur Integration der Produktpalette in ein eigenes Ökosystem (iTunes, Mobile Me / iCloud, ..). Apple-Produkte können nicht immer alles was vllt. andere Produkte können, aber die vorhandenen Funktionen sind durchdacht, funtionell, stabil und meist mehr als ausreichend. Gewissermaßen dem Paretoprinzip folgend fokussiert Apple auf 80% der Zielgruppe. Manche Entscheidungen haben sich erst in viel späterem Licht als richtig erwiesen, wie die Abkehr von 5,25-Zoll-Disketten, die Entscheidung für HTML5 statt Flash im iOS, etc.

Wie eigentlich alle Unternehmen (nicht nur die großen) gibt es auch bei Apple Licht und Schatten. Erfolg schürt auch Neid. Der Patent-Streit mit Samsung (immerhin ein großer Zulieferer von Apple) und die Arbeitsbedingungen bei Foxconn geistern immer wieder durch die Presse und die Leute bilden sich angesichts der schwindelerrengenden Höhe von Apples Gewinnen so ihre Meinung. Aber wieviel Einfluss hat Apple auf die Arbeitsbedingungen eines Zulieferers? Wieviel Einfluss darf Apple haben? Fragt doch mal im Bekanntenkreis ob sich die Automaobilkonzerne Gedanken um die Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern machen, oder ob es nicht doch einzig um Qualität, Timing und Preis geht… Letzten Endes ist es Foxconns Entscheidung unter welchen Bedingungen sie fertigen. Sie können sich auch vor die Belegschaft stellen und versuchen bessere Konditionen mit Apple auszuhandeln. Ach dann würde Apple woanders hin abwandern? Womöglich. Wahrscheinlich sogar. Aber mal Hand aufs Herz: Meidet ihr E10-Sprit wegen des Preises oder weil er ökologischer Humbug ist? Und warum spricht keiner von Intel, Dell, HP, Nintendo, Microsoft, Sony, .. die auch bei Foxconn fertigen lassen?
Abgesehen davon liegt die Suizidrate unter Foxconn-Mitarbeitern gleichauf mit denen unter chinesischen Studenten, unter dem chinesischen und gar unter dem US-amerikanischen Schnitt.

Apple hat durch eigene Produkte und durch den Innovationsdruck auf die übrigen Branchen maßgeblich viele Entwicklungen der letzten Jahre mitbestimmt. Davon haben wir vermutlich alle auf die eine oder andere Art profitiert, ganz gleich ob wir Apple-Produkte gekauft haben oder die der Mitbewerber. Mir brachte der Welchsel auf den Mac ein bis dahin so nicht gekanntes Wohlfühlen bei der Arbeit, nicht nur direkt durch Apple-Produkte sondern auch indirekt ober die Produkte von Drittanbietern.

Steve Jobs shines above all

Steve Jobs hat getan wovon viele nur träumen – er lebte seinen Traum.Er tat jeden Tag etwas das er liebte, er ersann neue und bessere Produkte zum Nutzen vieler. Am Ende konnten ihm auch Erfolg und Reichtum kein langes Leben schenken. Mit 56 Jahren hat er diese Welt verlassen und hat in dieser Zeit das Leben von Millionen beeinflusst, überwiegend zum Guten wie ich meine. Das ist sein größter Erfolg.

 

Deinem Glauben entsprechend bin ich gespannt auf deine nächste Inkarantion, Steve.

Mach es gut und Danke!