St. Louis Blues: Die Play-Offs im Visier

Nach 35 Jahren in Folge in den Playoffs ging es bei den Blues zuletzt bergab. Nur einmal in den letzten 6 Jahren spielte man in den Playoffs. Doch dieses Saison kann alles anders werden.

Eigentlich hätte es vergangene Saison schon seweit sein sollen. Nach dem besten Saisonstart in der rund 40jährigen Geschichte des Klubs sah alles danach aus, als würden die Blues nach einigen Jahren in den unteren Tabellengefilden und einer radikalen Verjüngung endlich wieder zum festen Kreis der Playoff-Kandidaten gehören. Doch dann es hat nicht sollen sein. Stürmer David Perron verpasste 72 Saisonspiele mit einer Gehirnerschütterung. Nur vier Spieler spielten wenigstens 80 der 82 Hauptrundenspiele. Zeitweise waren nur zwei Stammverteidiger im Kader, der Rest kam aus dem AHL-Team. Barret Jackman, Roman Polak, Andy MacDonald, Carlo Colaiacovo und T.J. Oshie verpassten allesamt zwischen 14 und 33 Spielen und auch der grandios gestartete Jaroslav Halak im Tor verlor im Saisonverlauf an Schärfe.

So wurde zur Trading Deadline nochmal wegweisens aussortiert. Brad Boyes wurde nach Buffalo abgegeben. Mit 12 Toren in 62 Spielen für St. Louis war er wieder einmal weit davon entfernt der Torjäger von vor wenigen Jahren zu sein, als er nacheinander erst 43 und dann 33 Tore für die Blues schoss.

Defensivstürmer Jay McClement und der ehemalige #1 Draft Pick, Verteidiger Erik Johnson wurden in einem spektakulären Trade nach Colorado abgegeben. Dafür kamen mit Chris Stewart und Kevin Shattenkirk ein Power-Forward wie man ihn zuletzt in Keith Tkachuk hatte und ein offensivstarker Verteidiger mit viel weiterem Entwicklungspotenzial. In 26 Spielen für die Blues erzielte Stewart 15 Tore, während Shattenkirk in derselben Zeit 17 Punkte verbuchte.

Die Änderungen..

Wichtige Änderungen nahmen die Blues bereits zur Trading Deadline unter der letzten Saison vor. Erik Johnson zeigte keine Weiterentwicklung und mit der Leistungsexplosion von Alex Pietrangelo konnte man es verschmerzen ihn an die Avalanche abzugeben. Dafür bekam man mit Shattenkirk einen quirligen Offensivverteidiger und mit Chris Stewart einen Power Forward für die erste Reihe, der sich ähnlich wie David Backes in den Ecken und vor dem Tor durchsetzen und Respekt verschaffen kann und noch dazu einen unbändigen Zug zum Tor hat. Er nahm im Grunde die Sturmpositon ein, die Brad Boyes, ebenfalls zur Deadline getradet, innehatte, aber was die Torausbeute anging schon die dritte Saison in Folge nicht mehr ausfüllte. Dazu wurden im Sommer zunächst Ergänzungsspieler geholt, die keine Superstars sind, aber sinnvolle Ergänzungen in einem Kader, der nur wenig Erfahrung, vor allem Playofferfahrung, hatte.

..im Tor

Mit Brian Elliott (26) kam ein sehr guter Backup-Goalie in den Mix, der klar die Nummer Zwei hinter Jaroslav Halak (24) spielen und den zu den Red Wings abgewanderten Ty Conklin ersetzen wird. Die Verpflichtung Elliotts kam etwas überraschend, nachdem alles so aussah als würde AHL-Stammkeeper Ben Bishop die feste Nummer Zwei werden. Doch möchte man den größten Goalie der NHL Geschichte (2,01m) wohl nicht verheizen und das Glück bzw. Verletzungspech des Teams nicht herausfordern.

..in der Abwehr

Kent Huskins (32) ist ein stabiler defensiver Verteidiger der mit MacDonald in Anaheim den Cup gewann. Mit Roman Polak und Barrett Jackman bildet er die defensiven Parts, während Alex Pietrangelo, Carlo Colaiacovo und Kevon Shattenkirk eher die offensiven Parts übernehmen. Zusätzlich hat sich Nikita Nikitin über die Saison einen Einwegevertrag erspielt. Das sind sieben Verteidiger wie man sie sich nur wünschen kann.

..im Sturm

Im Angriff hat man auf eine Weiterverpflichtung von Rauhbein Cam Janssen verzichtet. Mal ehrlich, seine Fights waren nett, aber spielerisch kann er einem Team einfach nicht weiterhelfen, dumme ENtschiedungen auf dem Eis machten ihn gar zum Risiko und das ist selbst für einen Spieler in einer vierten Reihe zu wenig. Auch Brad Winchester bekam keinen neuen Vertrag und so holte man mit Scott Nichol (36) einen erfahrenen Ergänzungsspieler mit viel Einsatzwillen, dem der Ruf eines Fitnessfanatikers vorauseilt.

Hatte ich mich schon damit abgefunden, dass das Team so in die Saison gehen und ein paar Plätze ggf. noch im Traing Camp vergeben würden, wurden wir überraschend noch alle eines besseren belehrt. Mit Jason Arnott und Jamie Langenbrunner (beide 36) wurde zeitgleich ein Sturmtandem verpflichtet, das sich noch aus gemeinsamer Stanley-Cup-Zeit bei den New Jersey Devils kennt. Beide sind keine jungen Hüpfer mehr, aber tadellose Charaktere und erfahrene Führungsspieler an denen sich die jungen orientieren können. Jeder von ihnen ist offensiv wie defensiv wertvoll und sollte für um die 40 Punkte gut sein.

Bewertung

Die Blues haben ein Torwartduo mit einer dedizierten Nummer Eins Jaroslav Halak, der sich in der Rolle ebenso wohlfühlt wie Brian Elliott in der der Nummer Zwei. Mit Ben Bishop steht ein guter junger Mann parat, der bereits in einigen NHL Spielen gezeigt hat, dass er ein guter ist. Die Verteidigung ist mit sieben Stammverteidigern großzügiger als in den letzten Jahren besetzt. AHL Spieler dürften es schwer haben sich hier in den Mix zu spielen. Da müssten schon zwei Verteidiger gleichzeitig ausfallen. Mit Huskins hat die Defense deutlich an Erfahrung zugelegt, was ihr nur guttun kann. Wenn alles normal läuft dürfte Nichol die neue vierte Reihe führen, die damit an Qualität deutlich zunimmt und endlich auch mal mehr als nur 3-6 Minuten pro Spiel eingesetzt werden können sollte, um die anderen deutlicher entlasten zu können. Arnott und Langebrunner bringen auf einen Schlag reichlich Erfahrung und Siege in ein sonst sehr junges Team. Arnott hat zudem eine gute Bullyquote, auch da haperte es zuletzt und mit Backes und Stewart wird man in den ersten drei Reihen gleich drei physisch sehr präsente Spieler aufbieten können – und dahinter ist dann auch noch ein B.J. Crombeen, der ebenfalls ordentlich austeilen kann.

Ausblick

Die Blues kommen ganz klar in die Playoffs. Das neue Team ist physischer, erfahrener und bietet auf allen Positionen qualitativ und quantitativ mehr als zuletzt. Headcoach Davis Payne wird bei der Reihenzusammenstellung die Qual der Wahl haben, gerade im Powerplay. Mit drei ähnlich starken Reihen wechseln zu können und noch dazu die beste vierte Reihe seit ich-weiß-nicht-wann hat man ein Luxusproblem, wie man es sich nur wünschen kann.

Und das beste kommt noch: Auch wenn er aktuell wegen seiner gehirnerschütterung nur leicht Sport treiben kann und am Trainingcamp nicht wird teilnehmen können, so wird doch hoffentlich David Perron irgendwann wieder fit werden und womöglich zu einer Zeit unter der Saison zum Team stoßen, so dass man auf die Playoffs zugehend nochmal einen ordentlichen Scheit nachlegen kann.

Mein Tipp: Nach Punkten schaffen es die Blues in der Western Conference unter die ersten 3-5 Teams.