Die Känguru-Chroniken

Wenn der neue Nachbar an deiner Tür klingelt um sich Eier für seine Pfannkuchen zu leihen ist noch alles okay. Wenn er wiederholt klingelt und sich erst Salz, dann Milch, Mehl und Öl und eine Pfanne leiht, wird es dreist. Lädt er sich noch selbst ein um in deiner Küche zu kochen, ist das dreist. Ist dein neuer Nachbar aber ein Känguru, ja in dem Fall liest du besser „Die Känguru Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers“ von Marc-Uwe Kling. Dann weißt du, was dich erwartet..

Wie war das, Marc-Uwe Kling? Den kennst du nicht? Keine Bange, mir war er auch kein Begriff, auch wenn die Süddeutsche Zeitung ihn laut Klappentext als den „neuen Überflieger der deutschen Kabarettszene“ bezeichnet. Nun, zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass mir die Kabarettszene im allgemeinen und die deutsche Kabarettszene im besonderen ziemlich abgeht. Und die SZ lese ich auch nicht.

Cover: Die Känguru Chroniken - Ansichten eines vorlauten Beuteltiers von Marc-Uwe KlingDennoch habe ich mir das 271 Seiten fassende Taschenbuch aus dem ullstein-Verlag gegeben. Vermutlich habe ich es in irgendeiner Bestseller-Liste gesehen und fand den Titel, „Die Känguru-Chroniken“, so herrlich beknackt, dass ich das Buch dann gleich bei Amazon bestellte. Wie dem auch sei, es lässt sich jedenfalls gut lesen.

Als Leser begleitest du das ungleiche Duo, bestehend aus dem Känguru und Marc-Uwe Kling höchstselbst, fortan durch seine gemeinsamen Eskapaden. Bei einer nahezu dreistilligen Anzahl von Kapiteln kannst du auch als schlechter Kopfrechner schnell überschlagen, dass die einzelnen Kapitel recht übersichtlich sind. Über wenige Seiten kommt keines hinaus und so eignet sich das Buch auch bestens als Begleitlektüre.

Mal an der Bushaltestelle, kurz in der S-Bahn, wenn du im Amt ne Nummer gezogen hast oder du im McDrive mal wieder länger warten musst – „Die Känguru-Chroniken“ laden ein sie schnell aus dem Alltagsgepäck zu zerren und ein, zwei Kapitel zu schmökern. Als Leser erwarten dich allerlei Absurditäten wie man sie eben erlebt, wenn man mit einem Känguru zusammen wohnt. Ach herrje, war das eben etwa ein Spoiler?

Egal.

„Die Känguru-Chroniken“ sind ironisch, sarkastisch, bisweilen abstrus, erfrischend anders  und auch – da kommt dann das Kabarett durch – ein wenig politisch. Hauptsächlich links. Konsum, Vietcong und so.

Aber nur ein bischen.

Vordergründig ist es vor allem ein guter unterhaltsamer Zeitvertreib. Für €7,95 bekommste ganz sicher mehr Schmunzler und Lacher geliefert als in einer Kinoklamotte. Außerdem musste da fürs Parken zahlen und fürs Känguru auslegen. Das Geld bekommst du auch garantiert nicht zurück.

Überleg dir deinen nächsten Konsumschritt also sehr sorgfältig!

P.S.:
Mit „Das Känguru-Manifest“ ist bereits der Folgeteil angekündigt und soll am 12. August 2011 in den Handel kommen.