Zu viele Keywords in der URL verderben den Brei

Dieser Tage stolperte ich in einem Forum über eine Frage die den Aufbau von suchmaschinenoptimierten URLs betrifft. Die Idee des Fragestellers war dabei wohl ob es sinnvoll sei in der URL die Menüstruktur der Website mit abzubilden. In klassischen Fällen sind Unterseiten ja in einem Menübaum eingehängt der sich nach unten weiter verzweigt. Bereits rein optisch erinenrn URLs viele direkt an Pfadangaben in einem Dateisystem und das lässt es logisch erscheinen die URL auch ebenso aufbauen zu wollen.

Konkret wurde für den Aufbau einer neuen Website gefragt, wie man mit Drupal 7 folgende beispielhafte Struktur abbildet:

domain.tld/hauptthema/unter_thema/unter_unter_thema/text_titel

 

Grundsätzlich bietet Drupal mit dem Modul Pathauto die Möglichkeit für Inhalte und Strukturen sehr variabel automatisch URLs nach konfigurierbaren Schemas erstellen zu lassen. Hier sollte man sich aber die Frage stellen, wie sinnvoll ein angedachtes URL-Schema tatsächlich ist. Hierzu etwas Theorie:

Der Einfluss von URLs auf SEO

URLs sind zunächst nicht relevant für das Ranking einer Seite zu einem Keyword. Die oftmals gesehene Hervorhebung von gesuchten Begriffen in URLs der Suchergebnisseiten (search engine result pages, kurz SERPs) dient leidglich der Hervorhebung für den Suchenden. Im folgenden Beispiel ergibt die Suche nach „hundefutter“ u.a ein Ergebnis in dem an verschiedenen Stellen das Wort „hundefutter“ optisch hervorgehoben (Fettschrift) ist:

Weniger eindeutig ist der Fall bei sog. Keyword-Domains, d.h. Domains in deren Namen gesuchte Schlüsselwörter auftauchen. Microsofts Bing soll hier etwas mehr Relevanz vergeben, bei Google soll es seit nich allzu langer Zeit auch einen leichten Effekt geben. Die Fachwelt ist sich hier aber nicht immer einig. Zum einen modifizieren die Suchmaschinenbetreiber laufend ihre Bewertungskriterien, zum anderen sind evlt. Effekte oft so marginal, dass sie in der Praxis kaum relevant sind. Darum sollte man sich bei der Optimierung eher auf Tätigkeiten fokussieren die sicher einen Effekt haben.

URLs haben also, abseits vom Domainnamen, direkt keinen Effekt aufs Ranking. Indirekt ergibt sich ein Effekt durch die Angewohnheit von Nutzern URLs etwa in Blog-Kommentaren, Foren-Beiträgen, Facebook-Statusmeldungen und Twitter-Tweets per Copy & Paste einfach mal schnell einzufügen. Die Systeme (Blogs, Foren, Social Community Plattformen, etc.) erkennen selbständig, dass es sich bei dem Text um eine URL handelt und verlinken diese. Dabei wird die URL selbst als verlinkter Text genutzt und das sorgt dafür, dass die Zielseite einen Backlink bekommt, der die in der URL enthaltenen Begriffe als Keywords enthält. Dies ist dann tatsächlich ein Ranking-Faktor.

Wieviel ist zuviel?

Kommen wir zurück zu unserem angedachten URL-Schema. Nachdem wir nun wissen, dass URLs Keywords transportieren und diesen im Falle von Verlinkungen Relevanz für die Seite auf die sie zeigen bringen, scheint es nur logisch, dass man so viele Keywords wie möglich in der URL unterbringen möchte. Dagegen sprechen allerdings einige technische und in der Praxis beobachtete Argumente (die wiederum zurück in die technische Entwicklung von Suchmaschinen fließen können):

  1. Lange URLs wirken spammig. Sie schreien geradezu heraus, dass jemand Keyword-Stuffing betreibt, also versucht auf Gedeih und Verderb möglichst viele Schlüsselwörter in eine URL zu bekommen. Das fällt uns Besuchern ebenso auf wie den Suchmaschinen. In beiden Fällen sorgt es wenigstens für Skepsis, denn oftmals wird versucht mit solchen Mitteln eine Relevanz vorzugaukeln, wo am Ende nur eher minderwertiger Inhalt zu finden ist.
  2. Nach Beobachtungen werden kurze URLs in den SERPs häufiger angeklickt als lange. Der Hintergrund mag sein, dass Menschen klare einfache Strukturen bevorzugen und diesen eher vertrauen. Übermäßig lange URLs dagegen wirken optisch eher unaufgeräumt und das schlägt sich unbewusst auf unsere Bewertung des zu erwartenden Inhalts ab.
  3. Der potenzielle SEO-Effekt von URLs liegt abseits des Domain-Namens lediglich in Sekundäreffekten wie autom. Verlinkung der URL in Blogs und Foren, so dass man autom. die URL-Bestandteile als Keywords in den Backlinks hat. Blogs und Foren kürzen lange URLs aber häufig selbständig in der Ausgabe, schneiden Teile aus und ersetzen sie durch „(…)“-Ellipsen. Je nachdem an welcher Stelle das System kürzt gehen unterschiedliche Teile verloren und haben dann keinen Effekt mehr aufs Ranking der Zielseite. Auch Google kürzt URLs optisch in den SERPs, siehe den eingangs stehenden Screenshot.
  4. Je länger die URL ist, desto wahrscheinlicher wird sie nicht per Copy&Paste in einem Blog, Forum oder auf Facebbok und Twitter eingefügt, sondern zuvor durch einen URL-Shortener gejagt. Die durch URL-Shortener erzeugten Kurz-URLs aber enthalten gar keine Keywords mehr und vererben darüber hinaus auch häufig keinen Link-Juice an die Zielseite.
  5. Matt Cutts, Chef von Googles Web-Spam-Team hat in einem Interview 2008 einmal gesagt, dass typische URLs mit drei bis fünf Keywords als völlig normal angesehen werden. Alles darüber wird tendenziell misstrauischer beäugt und Begriffe können dann auch weniger Gewicht erhalten. Mglw. wirkt der Effekt auch erst etwa ab beispielsweise dem sechsten Keyword innerhalb einer URL. In der eingangs angedachten Struktur würden dann gerade die Keywords des Seitentitels, die hinten angehängt wären, schlechter bewertet.
  6. Last but not least: Der beste Ort Keywords unterzubringen ist der Inhalt, nicht die URL. Die URL dient zur eindeutigen Identifizierung einer Seite im Web, sie ist gewissermaßen sein Fingerabdruck. Das ist technisch ihre Aufgabe und nicht die Abbildung einer wie auch immer gerteten Menü-Struktur o.ä. Solche Strukturen haben auch die Angewohnheit sich über die Zeit zu ändern und ein und derselbe Inhalt kann in der Praxis in verschiedenen Strukturen zeitgleich an unterschiedlichen Stellen eingehängt sein.

Wie sieht eine gute URL-Struktur nun aus?

Weniger ist häufig mehr und man sollte sich bei einer URL-Struktur zwar Gedanken machen, aber die Dinge nicht verkomplizieren. Klassisch ist eine Ansatz wie dieser:

domain.told/[Inhaltstyp oder Kategorie]/[Titel der Seite]

 

Der Inhaltstyp ist sowas wie eine Seite, ein Blog-Artikel, eine News, etc. Dabei sollte der in der URL benutzte Begriff ggf. sprachlich naturalisiert und an das gewöhnliche Suchverhalten angepasst werden. Ein Inhaltstyp „Movie“ mag im Backend und als interne Begrifflichkeit im Workflow des Kunden Sinn machen, ist im deutschen Sprachgebrauch aber eher ungewöhnlich, wird entsprechend wenig gesucht und ist ggf. in der URL durch „Video“ zu ersetzen.

Die Kategorie ist die Hauptkategorie in Systemen, die Beiträge etwa über eine Taxonomie einordnen. Wenn die Seite beispielsweise News enthält, die aber fest einer Kategorie zugeordnet sind (z.B. Technik, Politik, Wissenschaft). Für Free-Tagging ist es eher nicht geeignet, da es wieder zu Bandwurm-URLs führen kann wenn beliebig viele und lange Tags verwendet werden.

Der Titel ist der Titel der Seite auf die die URL verweist. Ein guter Titel ist alleinstehend in der Lage einem Leser zu vermitteln worum es geht und enthält ganz natürlich passende Keywords. Als Keywords ungeeignete Wörter gilt es von der Verwendung in der URL auszuschließen. Drupals Pathauto Modul stellt dafür eine Art Blacklist-Option zur Verfügung in der sich auszuschleißende Begriffe eintragen lassen. Hierzu gehören in der Regel alle bestimmten und unbestimmten Artikel, Pronomen und Präpositionen.

Der Vorschlag ist dabei eher als Faustregel zu sehen, nicht als in Stein gemeißeltes Gesetz. Es gilt von Fall zu Fall (für Inhaltstyp zu Inhaltstyp, so das eingesetzte System das unterstützt) zu entscheiden was langfristig Sinn ergibt und welche Begrifflichkeiten zu verwenden sind. Strukturen wie z.B. Menüs und dergleichen haben  die Eigenschaft sich im Laufe der Zeit zu ändern, auch wenn man sich sowas bei einem neuen Projekt zu Beginn nicht vorstellen kann. Im Idealfall sollten URLs daher unabhängig von solchen Strukturen Sinn machen.

Für eher statische Seiten (Impressum, AGB, Kontakt, …) macht es m.E. keinen Sinn ein anderes URL-Schema als domain.tld/[Seitentitel] zu verwenden. In einem einfach strukturierten Webshop oder Katalog macht die Aufführung der Hauptkategorie Sinn. Aber wenn man eine wissenschaftliche Arbeit online stellt ist es nicht sinnvoll in der URL den kompletten Kapitel-Pfad mitzuführen.

Keywords gehören in den Inhalt

Aus o.g. Gründen und auch rein aus der technischen Beschränkung von URLs auf eine Länge von maximal rund 2000 Zeichen heraus ergibt sich bereits, dass sie nicht der richtige Aufbewahrungsort für alle erdenklichen Keywords aus dem Inhalt der Zielseite ist. Stattdessen gilt es sinnvolle Schlüsselwörter in natürlicher Sprache im Inhalt unterzubringen. Hier bin ich nicht annähernd so eingeschränkt und habe allen PLatz zur Entfaltung. Seitentitel, Punchline, Teasertext, Haupttext, zusätzliche typspezifische Felder, Tags, Bilder mit ihren ALT-Texten, etc. geben mir ein Maximum an Möglichkeiten ganz natürlich Keywords, Kombinationen und Variationen einzubringen.

Da Seiten in der Regel auf nur wenige spezifische Keywords hin optimiert sind (das ergibt sich meist ganz natürlich) ist es auch gar nicht problematisch, dass die URL nicht jeden erdenklichen Begriff enthält, sondern den Fokus eben auf diese Hauptkeywords setzt. Im Gegenteil, das ist in der Regel ganz genau das was wir erreichen wollen.

Kommentare (6)

  1. Ich persönlich tendiere mittlerweile nur noch zum Titel der Seite nach der Domain. Früher habe ich davor immer noch die Kategorie gepackt, finde das aber dann doch oft als zu lang. Das Datum dazu, wie Du es hier hast, ist für ältere Artikel eher nachteilig, das klickt dann kaum einer mehr, weil er denkt, das wäre veraltet, was für die meisten Inhalte von Blogs ja wohl kaum zutrifft.

  2. Meine URL-Struktur hier habe ich in den Jahren seit ich WordPress einsetze auch nicht mehr angefasst. Ich weiß nicht ob es noch immer so ist, aber früher war es glaube ich so, dass eine Ämnderung der Einstellung zur URL in WordPress direkt dafür sorgte, dass alle vorhandenen EInträge ihre URL änderten. Aus naheligenenden Gründen möchte ich genau das verhindern.

    Eine Änderung sollte die Möglichkeit bieten lediglich für zukünftige Seiten und Beiträge die Struktur zu ändern, wie es etwa in Drupal möglich ist.

  3. Hallo und Danke für den langen und ausführlichen Artikel.
    Als ich gelesen habe zu lange Titel hab ich erstmal einen Schreck bekommen, aber im Prinzip benutze ich auch nur Blogname/Artikelname/Artikelnummer.
    Aber ich versuche natürlich im Titel schon den Inhalt des Artikels mitzuteilen. Und ich versuche immer hübsch das ganze WordPress Überschriftenfeld zu füllen, weil ich dachte, daß die Titel nicht zu kurz sein dürfen?
    Außerdem wiederhole ich dann den Titel im Artikel leicht abgewandelt nochmal. Ich glaube, daß ist den Besuchern vielleicht auch ein wenig zu nervig?
    Die Fragezeichen deuten natürlich an, daß mich deine Meinung dazu interessiert.
    Danke schonmal.
    Gruß, Max

  4. Sehr schöner Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. zu viele Keywords in der URL schadet.

  5. mMn ist eine mit Keywords ausgestattete URL besser als eine, die keine enthält. und zu viele Keywords können sich schlecht auswirken.

  6. ich Versuche das Hauptkeyword in der URL unterzubringen. Iche denke aber auch das wenn man das Keyword zu oft versucht unterzubringen man sehr schnell als Spammer abgestraft werden kann.

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