Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Comic-Verfilmungen sind irgendwie „in“ in Hollywood. Batman, Spiderman, Fantastic Four, X-Men, Jonah Hex, 30 Days of Night, Iron Man, Sin City, Watchmen und Hellboy dürften jedem mittlerweile ein Begriff sein. Auf erfolgreichen Comics aufzubauen ist nicht unbedingt sehr kreativ, aber letzten Endes ist das Filmgeschäft eben genau das – ein Geschäft. Und da ich keine Comics, pardon, Graphic Novels lese, kann ich unbedarft an die Filme ran und mich an ihnen erfreuen.

Aber kommen wir nun zur Comicserie Scott Pilgrim von Zeichner Bryan Lee O’Malley, die sich nun die Liste der verfilmten Graphic Novels einreiht, und zwar als Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt. Scott Pilgrim (Michael Cera) ist ein 22jähriger Bengel, gerade ohne Job, in einem Bett mit seinem schwulen Freund Wallace (Kieran Culkin) schlafend und Bassist in einer Band namens Sex Bob-omb. Seit ein paar Tagen trifft er sich mit der erst 17jährigen Knives Chau, die sich unsterblich in ihn verliebt, als er sie zu einer Probesession zu seiner Band mitnimmt.

Doch dann läuft Scott der Neuen in der Stadt (Toronto) über den Weg, Ramona Victoria Flowers (Mary Elizabeth Winstead) und Scott verliebt sich als über Kopf. Aus den beiden könnte auch etwas werden, gäbe es da nicht ein Problem: Ramonas sieben teuflische Ex-Lover. Mit ihnen muss sich Scott duellieren und sie alle besiegen um mit Ramona zusammen sein zu können.

Hört sich das durchgeknallt an? Ist es auch. Sogar noch schlimmer.

Denn trotz dessen es sich um eine Verfilmung handelt, bleibt der schräge Comic-Charakter erhalten. Bereits im Vorspann erscheint ein pixeliges Logo der Universal Studios, dazu der Jingle im Sound alter 8-Bit-Konsolen. Wer die Spiele aus dieser Zeit noch kennt, viel Zeit an Spielautomaten verbracht hat, für den finden sich eine Menge Anleihen im Film. Die Kämpfe sind im Stile eines Death-Matchs inszeniert. Es gibt Punkte, Extra-Leben, spezielle Items, etc.

Anders als in den uralten Batman-Verfilmungen sind die Text-Geräusch-Einblendung hier nicht fürchtbar lächerlich, sondern ein passendes Stilelement, der sich wunderbar in den gesamten visuellen Stil des Films einfügt. Nach Juno spielt Michael Cera nun auch hier einen kleinen Nerd, mit dem sich viele unserer Generation identifizieren können.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt ist ein wunderbar bunter, lauter und schräger Film, aus dem man trotz allem noch ein paar Lebensweisheiten herausziehen kann. Regisseur Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) beweist hiermit wieder einmal sein Talent für schräg-komische Filme und ein gutes Händchen bei der Auswahl der Darsteller, u.a. für Anna Kendrick (Twilight, Up in the Air) als Scott Pilgrims Schwester, Kieran Culkin, Alison Pill als Drummerin Kim, etc.

An den Kinokassen war der Film leider nur mäßig erfolgreich. Da der Film selbst wirkt wie ein Klassiker aus der Zeit der 8- oder 16-Bit-Konsolen-Zeit, gleichzeitg aber eher ein junges Publikum anspricht, das diese Zeit kaum mitbekommen haben dürfte mag eine Erklärung sein, warum die Zielgruppe innerhalb der Zunft der Kinogänger nicht überragend riesig war.

Überragend riesig ist aber der Spaß derer, die sich auf den Film einlassen, die mit den Gags, dem Stil und den vielen Anleihen an Konsolenspiele etwas anfangen können.

Indirekt spricht für den Film auch die Riege derer die daran mitgearbeit haben. So schrieb Beck ein paar Songs die im Film von den Bands performt werden und der Soundtrack enthäkt u.a. auch Tracks von Metric, Frank Black und Broken Social Scene. Der Modestil von Metric-Sängerin Emily Haines diente sogar als Vorlage für das Styling der Frontfrau der Film-Band Clash at Demonhead.

Von mir gibt es daher eine ganz klare Kaufempfehlung für die DVD / Blu-Ray.