Tron Legacy in 3D – Die Fortsetzung des Kults

29 Jahre ist es her seit Walt Disney mit Tron zum ersten Mal in der Filmgeschichte 3D Computeranimationen in einem Film verwendet hat. Das Computersystem MCP (Master Control Program) des fiktiven Konzerns Encom entwickelte hierin Allmachtsphantasien und so den gewieften Hacker Kevin Flynn (Jeff Bridges) in seine Schaltkreise. Dort gab es allerlei Abenteuer zu bestehen und das unabhängige Überwachungsprogramm Tron seines Schöpfers Alan Bradley (Bruce Boxleitner) einzupflanzen um den MCP in die Schranken zu weisen.

Wie bei Walt Disney üblich gewinnt Gut gegen Böse und lange Zeit blieb es ruhig, bis nun endlich der lange erwartete Nachfolger TRON Legacy in die Kinos kam.

Die Story

Zwischenzeitlich hat Flynn als Lohn seiner Arbeit die Leitung des Encom Konzerns übernommen und diesen an die Spitze der Industrie geführt. Doch nach einigen Jahren verschwindet Flynn eines Tages spurlos. Er hinterlässt seinen siebenjährigen Sohn Sam und einen Alan Bradley der der neuen Führung Encoms machtlos entgegensteht.

Mittlerweile 27 Jahre jung ist Sam Flynn (Garrett Hedlund) seinem Vater in gleichem Alter sehr ähnlich. Er führt ein unangepasstes Leben, ist ein exzellenter Hacker und Computerspieler und macht sich einen Spaß daraus jährlich einmal Encom einen Streich zu spielen. Zwar ist er selbst Hauptaktionär, doch mit der Führung der Firma will er nichts zu tun haben. Als Alan eines Tages auf seinem alten Pager eine Nachricht aus Kevin Flynns alter Spielhölle bekommt, betritt Sam diese das erste Mal und findet seines Vaters Büro. Dort wird er ebenso ins System gezogen und muss sich dort auf dem Grid als Spieler beweisen, das Rätsel um das Verschwinden seines Vaters lösen und die vorgefundene digitale Welt retten.

Kritik

Legacy, das ist das englische Wort für Erbe, Hinterlassenschaft, Vermächtnis. Tron Legacy tritt ein schweres Erbe an denn die Fußstapfen des Originals aus dem Jahr 1982 sind zumindest unter den Altfans riesig. Neufans können relativ unbekastet an die Story herangehen und werden – typisch für eine solche Fortsetzung – recht umfassend in alles eingeführt. Für mich Altfan sind die dazu notwendigen langatmigen Erklärungen eher überflüssig und bremsend.

Durch den technischen Fortschritt ist Tron Legacy optisch mit Tron nicht zu vergleichen. Die Mischung aus etwas einfacher Computeranimation (mehr war damals nicht möglich) und Zeichentrick hatte vielleicht gerade wegen ihrer Unzulänglichkeiten einen unglaublichen Charme. Dagegen kommt die Computerwelt von Tron Legacy technisch perfekt animiert daher. Dort ist es richtig düster geworden. Ein Effekt der in der 3D Version noch verstärkt ist (bei der aktuellen Technik sind 3D Filme immer deutlich lichtschwächer). Das hat es für mich gerade in den ersten Spielszenen auf dem Grid teils schwierig gemacht die Szenen und deren Details in der notwendigen Geschwindigkeit richtig zu erkennen.

Gerade zu Beginn geizt Tron Legacy für Kenner des Originals nicht mit einigen netten Erinnerungen an den ersten Teil. So gibt es ein Wiedersehen mit der beeindruckenden Stahltür von Encom, dem Bit im Ja- und Nein-Zustand und selbst mit Dumont – wenn auch nur als Schriftzug – und auch Ex-Encom-Chef Ed Dillinger taucht in Form seines Sohnes (Cillian Murphy) in einer Minirolle im Aufsichtsrat auf. Musikfans dürften vom Soundtrack von Daft Punk irgendwann relativ genervt sein, denn der Floorfiller „Derezzed“ taucht im Film nur für rund eine Minute auf und bleibt der einzige musikalische Lichtblick in der düsteren Computerwelt. Ein nettes Detail ist, dass die beiden Jungs von Daft Punk persönlich als DJs im Film auftauchen.

Ansonsten drängen sich mir im Film direkt Parallelen zu anderen Filmen auf. Castor (Michael Sheen) ist für mich eine ähnlich dekadente und misstrauenswürdige Figur wie dieser seltsame Merowinger aus Matrix Revolutions. Eine Szene wo auf der Flucht ein Fluggefährt bestiegen wird könnte original aus den neuen Star wars Filmen kommen und apropos Star Wars: Garrett Hedlung ist Hayden Christensen in Star Wars so ähnlich, dass man jeden Augenblick damit rechnet, dass er sein Laserschwert zückt.

Optisch aufgewertet und  buchstäblich abgerundet wird der Film durch Quorra (Olivia Wilde), die im Film an der Seite der Flynns kämft und für diese gewisse Prise Sex-Appeal sorgt, den wir Nerds in einem solchen Film sehen wollen.

Versuch eines Fazits

In Tron Legacy endete der Versuch im Digitalen eine perfekte Welt zu erschaffen analog zu unserer realen Welt in einem totalitären System. Einen ebensolchen Perfektionismus haben auch die Macher in der Umsetzung des Films an den Tag gelegt und dabei den Charme des Originals zu Grabe getragen. Die 3D Version beginnt mit dem netten Hinweis, dass auch 2D Szenen enthalten sind und diese ein Stilmittel sind. Erst in der Computerwelt wird es dreidimensional und die Art und Weise in der dieses Stilelement eingesetzt wurde kann nur als gelungen bezeichnet werden.

Wie schon die Matrix-Fortsetzungen krankt die Story an einigen Stellen daran, dass es einfach zu philosophisch wird. Kevin Flynn kommt zunächst als Zen-Buddhist daher den nichts und niemand aus der Ruhe bringen kann. Dadurch gibt es in der Story von Tron Legacy ein paar kleine Längen und durch andere Punkte eine unnötige Komplexizität. Hier hätte man mit weniger mehr erreichen können. Ob sich Steven Lisberger, der schon das Drehbuch von Tron schrieb, hier nicht durchsetzen konnte?

Nichts desto trotz ist Tron Legacy ein sehr gut gemachter Film, der über die ganze Distanz hinweg gut unterhält. Ob er ein würdiger Nachfolger von Tron ist und ob das überhaupt für den Einzelnen ein Kriterium ist (neben mir saßen auch Leute die sich vorher die Story von Tron erzählen ließen), muss jeder für sich selbst entscheiden.

P.S.:

In Vorbereitung auf den Film habe ich mir das Orignal nochmal auf DVD angeschaut. Die steht hier shcon lange ungeschaut im Regal. Tron kannte ich bis dato eigentlich nur aus dem TV und war lange her, dass ich ihn zuletzt sah. Beim Schauen der DVD fielen mir ein paar liebenswürdige Details auf, die ich in dieser Form in Tron Legacy nicht entdecken konnte. Da gibt es in einer Szene in der Computerwelt auf einer großen Karte einen Pacman zu sehen. Im Büro von Alan Bradley hängt ein Ausdruck „Gort. Klaatu. Barada nikto.“, einer Textstelle aus „Der Tag an dem die Erde stillstand“ von 1951, für die es nie eine offizielle Übersetzung gab.

Das sind die Kleingkeiten die Filme kultig machen…