Erfolgreiche Webshops der Zukunft

Unter dem Titel „Erfolgreiche Webshops der Zukunft“ hatte gestern das Electronic Commerce-Kompetenzzentrum Ruhr zu einer Vortragsreihe in das Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund eingeladen. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wurde ein Programm mit vier Vorträgen geboten, welches ich mir zusammen mit einem Kunden (ein weiterer Kunde war leider kurzfristig verhindert) gerne anschaute:

Den Einstieg machte Ursula Coester mit ihrem Vortrag „Chancen und Perspektiven für den Einsatz von Social Media im Handel“. Die Leiterin des Steinbeis-Transferzentrums für Innovative IT im Verbund sorgte mit einem eher abstrakt-theoretischen Ansatz für die Basis des Abends, indem sie zunächst einmal Begrifflichkeiten des Themenbereichs Social Media auch im Zusammenhang mit Handel erklärte und damit das Fundament für die folgenden Vorträge legte.

Uwe Herten von der getit GmbH in Dortmund machte dem gut gefüllten Saal daraufhin Appetit mit einer Webshop-Vision. In „Tapetenwechsel im E-Commerce: Mit Consumer Centric Design zur interaktiven und emotionalen Präsentation von Informationen und Produkten im Internet“ präsentierte er den hausintern entwickelten Prototyp eines Webshops der Zukunft, der viele nützliche und sinnvolle Features mit ansprechendem Design, durchdachter Usability und eben auch viel Emotion rüberbrachte, ohne dabei überfrachtet oder zu verspielt zu wirken. Die Vision lässt sich dabei ganz einfach auf den Hintergrund reduzieren, den Online-Kauf für Konsumenten zu dem Einkaufserlebnis machen zu wollen, wie wir es auch aus dem Alltag – abseits der Discounter – kennen und schätzen.

Die Nachfrage, was das Ganze den kosten solle, ließ Herr Herten dabei erwartungsgemäß offen. Es komme eben darauf an welche der gezeigten Features für den jeweiligen Shop auch Sinn machten und eingesetzt würden. Ein Blick auf die Referenzliste der getit GmbH und auf die eingesetzten Technologien lässt jedoch erahnen, dass wir keine Shoplösung gesehen haben, die auf absehbare Zeit preislich für kleinere Startups oder als Online-Ergänzung zu einem einfachen Ladengeschäft tragbar wäre.

Kurzweilig ging es auch in Andreas Christianis (nubizz GmbH) Vortrag „Social Marketing: Empfehlungsmarketing in Webshops mit Praxisbeispielen“ zu. Nach den theoretischen Basics und dem Zukunftsausblick edutainte er uns mit diversen aktuellen Beispielen aus dem Web, in dem Social Marketing kreativ um- und erfolgreich eingesetzt wurde um Marken, Produkte und Verkaufsplattformen zu promoten / zu verkaufen. Unter den vielen Beispielen, die einen kleinen Überblick über die Bandbreite an Möglichkeiten des Einsatzes von Social Media im E-Commerce gaben, fanden sich u.a. auch Pepsi und IKEA.

So hatte Pepsi dieses Jahr auf die teuren Werbespots beim NFL Superbowl verzichtet und stattdessen die etatmäßigen 20 Millionen Dollar in eine umfangreiche Social Media Strategie investiert, die eine Vielzahl von (teils eigenen) Plattformen und Kampagnen beinhaltete. IKEA hatte anlässlich der Eröffnung eines neuen Ladens in Malmö eine virale Internetkampagne über Facebook gestartet, die mit vergleichsweise wenig Aufwand ein extrem großes Echo bei Medien und Fans fand. Während der Marktleiter selbst dort neue Fotos von Ausstellungsräumen hochlud gewann der erste, der auf einem solchen Foto ein IKEA Produkt markierte, dieses Produkt.

Den Abschuss der Vortragsreihe bildete Ulrike Moser. Die Gewinnerin eines zweiten Platzes bei einem NRW Website Award betreibt mit purador seit nunmehr zweieinhalb Jahren einen Online-Shop für qualitativ hochwertigen in Deutschland gefertigten Schmuck. Im Kontrast zu ihren technik- und fortschrittsaffinen Vorrednern zeigte sie auf, welche Überlegungen bzgl. ihrer Zielgruppe bei Aufbau und Gestatung des Shops im Vordergrund standen. Die an diesem Abend vielzitierte „Generation Y„, die alltäglich und ganz natürlich mit Social Media umgehenden Menschen mit Baujahr ab 1980, sind derzeit eben aus diversen Gründen bei purador kaum anzutreffen. Darum hat die Website nur wenige Social Media / Web 2.0 Features, die von den Usern auch nur spärlich genutzt werden.

Ihr Vortrag diente den Anwesenden als Erinnerung daran, die Zielgruppe nie aus den Augen zu verlieren und viel Akribie auf die Zielgruppenanalyse zu verwenden. Während Social Media Komponenten vielfach eine sinnvolle Ergänzung oder gar integraler Bestandteil und ein Muss für einen Shop sein können, kann dies andernorts auch kontraproduktiv sein. Nur mit eingehender Beobachtung und Überlegung und dem Aufbau einer passenden Strategie kann Social Media eine wertvolle Bereicherung sein. Keinesfalls sollte man blind in Featuritis verfallen und nach dem Credo „viel hilft viel“ arbeiten.

Für meinen Kunden und mich war es ein interessanter Abend mit eineigen Hintergrundinformationen, der uns vor allem zeigte, dass wir gemeinsam in die richtige Richtung planen und unsere hausaufgaben im Rahmen unserer Zeit- und Geld-Budgets gemacht haben. Wir haben uns schlichtweg für den Aufbau eines kommenden E-Commerce Shops (in Ergänzung zu einem Ladengeschäft) die richtigen Fragen gestellt, Zielgruppe wie auch Konkurrenzsituation analysiert. Gemeinsam freuen wir uns nun auf den bevorstehenden Launch, die ebenso bevorstehenden praktischen Erfahrungen und die bereits geplanten und sich im Betrieb sicher zusätzlich ergebenden Änderungen und Erweiterungen.

Der erfolgreiche Webshop der Zukunft ist mehr als eine kostenlose Software, die schnell mal online gestellt wird und wie von Zauberhand zur Cash Cow mutiert. Er ist vor allem das Ergebnis eingehender Vorüberlegungen, sinnvoller Maßnahmen und laufender Kontrolle und Justierung.

Kommentar (1)

  1. Klasse Bericht! Ich sitze selbst in ewig vielen Vorträgen über Viral-Marketing und Buyer-Convenience und stelle immer wieder fest, dass das Metageschwafel meinen kleinen Kunden nichts bringt! Denen zu erklären man müsse jetzt auf irgend einer social Plattform aktiv werden stellt die Gegenfrage, wer die manpower bezahlen soll! Ist wohl nur für entsprechende Budgets geeignet. Erinnert mich mehr an Soft-Skills bei Lebensläufen. Also back to basic und Marketing Hausaufgaben der guten alten Schule vernünftig abarbeiten. By the way, ich habe schon Mitte der 90 er den Kram argwöhnig verfolgt, als jeder dritte Vortrag über virales Marketing via ICQ et al. lief.

    Was ich aber hervorheben möchte, lese hier immer wieder gerne, Du schreibst in einem hervorragenden Stil!

    LG aus Saarbrücken.

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