Whisky in the jar: Leckeres aus Schottland

Deutschland, das ist ein Land von Biertrinkern. Ich mache da keine Ausnahme und bin gemeinhin bekannt als Freund des dunklen Weizens, der irischen Biere Guinness, Kilkenny und des englischen Hobgoblin. Doch das vergangene Osterwochenende hat in mir das Interesse an Whisky wiedererweckt.

Es war einmal – Der Whisky und ich

In meiner Zeit während der Bundeswehr und anschließend im Studium fand ich ab und an bereits Gefallen an Whisky. Kein amerikansicher blended Whiskey wie Jack Daniels, Jim Beam und Johnny Walker, sondern Single Malt Scotch. Pur. Ahnung hatte weder ich noch jemand in meinem Umfeld und so blieb als einzige Alternative der Single Malt, den man überall im Laden bekommen konnte, der Glenfiddich. Ich erinnere mich auch an einen Kneipenbesuch im Sauerland, bei dem wir uns einen Knockando gönnten.

Die Entdeckung in Bayern

Das hielt aber nicht lange an und so habe ich schätzungsweise rund 10 Jahre keinen Whisky mehr getrunken. Bis zum vergangenen Osterwochenende in Ingolstadt. Abends im Shamrock, einem Irish Pub, entdeckte ich nicht nur zu meiner Verzückung, dass dort Wychwood Hobgoblin ausgeschenkt wird, das ich noch aus Stockholm kenne, sondern wir fanden auch eine zweiseitige Whisky-Karte vor.

Trotz der Preise zwischen rund 5 und 16 Euro pro Glas war Georgs und mein Interesse sogleich geweckt. Wir hatten wohl gemeinsam die romantische Vorstellung, dass wir hier etwas richtig Leckeres finden könnten. Wir entschieden uns für einen 2002er Bowmore in Cask Strength (59,1%), nachgereift in Chateau Margaux Fässern und limitiert auf 300 Flaschen.

Julia und Petra konnten sich so gar nicht dafür begeistern und auch uns hat der Geruch erstmal erschrocken, doch nach dem Brennen auf den Lippen offenbarte der Bowmore ein tolles Aroma aus einem Sammelsurium an Geschmacksnoten mit sehr torfiger Note und einem dennoch weichen Abgang. Diese 2cl waren so aromatisch, dass wir uns erstaunlich lange an diesem einen Glas aufhielten. Am Ostersonntag probierten wir dann noch zwei weitere Whisky, den „regulären“ Bowmore in Cask Strength (56%) und ich glaube ein Bunnahabhain, die wir im direkten Vergleich aber zu mild fanden und reumütig zum Bowmore, der meinen Recherchen zufolge 2008 von einem Whiskyladen in Ansbach abgefüllt wurde, zurück.

Wieder daheim – Die Suche nach einem leckeren Schluck

Wieder zuhause hat mich das Erlebte dann irgendwie beschäftigt. Nach einigen Recherchen im Internet und umliegenden Getränkeläden kam ich dann zu dem Entschluss ein Wagnis einzugehen und einen mir unbekannten Whisky einzukaufen. Leider gibt es hier meines Wissens nirgends die Möglichkeit groß zu kosten und so herauszufinden, was einem schmecken könnte, daher dieser Ausflug ins Ungewisse.

Meine Wahl fiel auf den Laphroaig (10 Jahre). Dieser Whisky hat immerwieder Preise gewonnen, sein 15jähriger Bruder ist der Lieblingswhisky von Prinz Charles und man wirbt auch damit, dass es sich beim Laphroaig um den geschmacklich reichsten Whisky Schottlands handelt. Im Netz findet man bei der geschmacklichen Beschreibung häufig das Wort „medizinisch“, das u.a. dem recht hohen Phenolgehalt zuzuschreiben ist.

Der Laphroaig und ich lernen uns kennen

Ein Glas Laphroaig steht neben mir auf dem Tisch. Wie schon der Bowmore im Irish Pub zieht auch das Aroma dieses Scotch Whisky schnell durch den Raum und erfüllt ihn mit einem starken Duft nach Torf und Rauch. Die andernorts als „medizinisch mit Anflug von Zahnarzt“ beschriebene Note ist deutlich zu riechen, aber ich die Beschreibung wird ihm nicht gerecht, denn so spitz, durchdringend und penetrant ist der Geruch nicht. Der Whisky ist goldgelb und brennt mit seinen 40% Alkoholgehalt praktisch nicht auf den Lippen.

Der Geschmack erreicht nach einigen Sekunden seinen Höhepunkt und ist sehr intensiv und eindringlich, besonders im hinteren und seitlichen Bereich der Zunge. Interessanterweise verbreitet der Laphroaig, nach einem recht intensiven Abgang, im Magen eine leichte angenehme Wärme, die der Bowmore so nicht hatte. Es handelt sich dabei aber um keine Hitze, es entsteht auch kein Druck oder Kratzen am Kehlkopf.

Das Aroma hält sich sehr lange im Mund. Daher besteht kein Grund schnell oder gar in Mengen zu trinken. Dafür ist der Whisky mit rund 28 Euro pro 0,7l Flasche auch zu teuer – auch wenn andere Whiskys schnell das doppelte und mehr pro Flasche kosten.

So gesehen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis des Laphroaig 10 Jahre auf jeden Fall. Geschmacklich ist er der Typ den man liebt oder hasst und nun bin ich mal gespannt was Georg zu ihm sagen wird.

Wissenswertes

Bowmore, Bunnahabhain, Laphroaig – das sind nur drei der derzeit acht aktiven Whisky-Brennereien auf der schottischen Insel Islay, auf der gerade einmal rund 3.500 Menschen leben. Interessanterweise wurde Bowmore vor einigen Jahren von der japanischen Marke Suntory aufgekauft, von der ich dachte sie sei eine Erfindung aus Sofia Coppolas Film „Lost in Translation„. Stattdessen basiert die Story teils auf japanischen Whisky-Werbespots aus den 70ern.

Kommentare (5)

  1. Du hast doch wohl noch einen Schlück für mich über.
    Damit ich nach hause stölpern kann ;-)

  2. Übrigens, ein sehr netter Blog!
    Ich schwelge in Erinnerungen

  3. Ich schwelge auch in Erinnerung an Braten, Dosen-Willis und Hobgloblins. In diesem Sinne erhebe ich nun mein Glas auf den letzten Schluck Laphroaig – SLÀINTE MHATH!

  4. ca. 5 Gehminuten von dir entfernt, direkt gegenüber der Sparkasse, gibt es den Laden „Vom Fass“. Dort kannst du zwischen vier uns sechs Sorten verkosten und diese auch direkt in Flaschen abfüllen lassen.

    Ebenfalls zu teuer um ihn in Cola zu kippen.
    Die haben da eine große Auswahl – vom leichten Whiskey, der in alten Sherryfässern gelagert wurde, bis zum stark torfigem ist alles dabei.

    In regelmäßigen Abständen machen die auch Whiskeytastings für kleines Geld. Da kann man ebenfalls alles verkosten und lernt noch etwas über Land, Leute und die Kunst des Whiskeybrennens.

    Der Whiskey aus Amiland ist z.B. nur mehrfach gefilterter Korn und ein Dreckszeug.

    Whiskey sollte man außerdem immer pur trinken, da Eis und Wasser die Esterketten aufbrechen. Erfolg: Duftet mehr, schmeckt weniger.

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