Gelesen: Duma Key (Wahn) von Stephen King

Edgar Freemantle lebt ein gutes Leben in Minnesota. Er ist verheiratet, beide Töchter sind aus dem Haus und sein Baugeschäft läuft besser denn je. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, als ein Unfall ihm seinen rechten Arm und beinahe sein Leben kostet. Gewissermaße als Kollateralschaden geht seine Ehe zu Bruch, nachdem seine Frau seine Persönlichkeitsänderung mit unkontrollierten Wutausbrüchen – eine Folge seiner schweren Kopfverletzungen – nicht mehr erträgt. Nur mühsam kämpft sich Edgar durch Therapien und Reha wieder ins Leben zurück und beschließt eine Auszeit zu nehmen, weit weg von seinem alten Leben. Seine Intuition führt in auf die Insel Duma Key, eine Insel der Florida Keys.

Buchcover: Duma Key (Wahn) von Stephen KingHier belebt er ein altes Hobby zu neuem Leben und beginnt zu malen. Von den eigenen Fortschritten überwältigt merkt er erst später, dass seine Bilder ein Eigenleben führen, das bis in die Realität hineinreicht. Langsam dämmert ihm, dass seine neue Fähigkeit etwas auf der Insel in Bewegung gebracht hat. Etwas will ihn, braucht ihn, manipuliert und benutzt ihn. Als ihm die Gefahr klar wird, in der er sich und andere bringt, ist es schon beinahe zu spät..

Wahn (Duma Key) habe ich vor einer ganzen Weile im englischen Original gekauft und immer mal wieder bei einem gemütlichen Bad gelesen. Stephen King verarbeitet auch hier wieder teilweise seine eigene Lebenserfahrung mit seinem beinahe tödlichen Autounfall 1999. Beinahe romantisch ist die Erzählung des Edgar Freemantle über weite Strecken, ohne langatmig oder gar langweilig zu werden. Wie auch die erzählende Hauptfigur des Romans versucht der Leser die Puzzlestücke aneinanderzureihen, von denen sich die letzten erst auf den letzten Seiten in das Gesamtbild einfügen.

Die erzählerische Meisterleistung Kings brachte diesem Buch einen ersten Platz in der Bestsellerliste der New York Times ein – zurecht und wie schon bei 29 anderen von Kings Büchern zuvor. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es wohl am ehesten noch das Ende, das erzählerisch nicht an die Qualität des übrigen Buches heranreicht. Das mag durchaus dem schlichten Umstand gechuldet sein, dass durch die Erzählperspektive auch die zuletzt in der Geschichte gebotene Eile und ein damit einhergehender Pragmatismus in die Erzählung selbst einhergehen.

Anleihen und Querverweise an und zu anderen Büchern von Stephen King finden sich in Duma Key nur wenige (wobei ich selbst bislang auch nicht alles von King gelesen habe). Erwähnt wird u.a. der „Long Boy“ aus „Lisey’s Story“, der hier aber nur am Rande als Schemen auftaucht. Gemein haben beide Bücher, dass der Heyne-Verlag ihnen für die Übersetzung völlig unpassende Titel verpasst hat. Aus „Duma Key“ wird „Wahn“, wobei sich im Buch keine Spur von Wahn finden lässt und aus „Lisey’s Story“ wurde ganz platt und banal „Love“.

Für „Duma Key“ kann ich ganz klar eine Leseempfehlung aussprechen, gehört es doch zu den stilistisch und erzählerisch stärksten Büchern von Stephen King und das nicht nur für Gruselfans.

Kommentare (8)

  1. Duma Key ist in der Tat eines meiner Lieblingsbücher vom King. Allerdings finde ich, es gibt ein paar Schwächen in der Handlung am Ende, die jedoch nicht das Lesevergnügen mindern, das durch Stephen Kings Umgang mit Worten schon auf den ersten Seiten entsteht. Sprachlich gesehen gibt es an Buch bis zum Schluss nichts auszusetzen. Viele Grüße

  2. Danke für den Tip. Habe schon so lange nichts mehr von Stephen King gelesen. Ich denke morgen werde ich mal wieder die Bücherei stürmen müssen.

  3. Ich habe es selbst noch nicht gelesen aber du sprichst ja auch von Verweisen zu anderen Werken Kings. Der Nachname des Protagonisten ist sicherlich nicht nur zufällig „Freemantle“ oder? ^^

  4. An Zufälle glaube ich bei Stephen mit zunehmendem Alter nicht mehr. Er verwebt seine Bücher in zunehmendem Maße miteinander. Wobei es auch Ausnahmen gibt, wie etwa Pulse. Aber vermutlich gabs da auch Hinweise auf andere Bücher und ich habe sie nur nicht erkannt ;-)

  5. Ja, das wollte ich auch implizieren ^^
    Mother Abigail (Freemantle) ist, falls du es nicht gelesen hast, eine wichtige Person in „The Stand“ und wird ebenfalls in „Wizard & Glass“ erwähnt (in Topeka, Kansas).

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