co.de: Der Trick mit der Subdomain

Dieser Tage flatterte und flattert in Deutschland viel Infopost in die Haushalte und Gewerbe. Darunter auch ein Schreiben der Websuche Search Technology GmbH & Co KG aus Osnabrück, kurz betitelt mit co.de / Websuche und mit einem .co.de Textlogo versehen. In dem Schreiben wird zunächst erklärt, dass es bald wieder eine neue tolle Länderdomain geben soll. Dem Beispiel von .co.uk folgend wird es demnach auch möglich sein .co.de Domains zu sichern.

Hier wird der Eine oder Andere bereits stutzig. Im Vereinigten Königreich fährt man nicht nur auf der falschen Straßenseite und isst seltsame Sachen, sondern auch die Domainvergabe läuft dort aus historischen Gründen etwas anders. Die Top-Level-Domain .uk wird nicht direkt benutzt, sondern es gibt nach festen Regularien Subdomains für die man seine Domains registrieren kann. Technisch entspricht das dann einer Third Level Domain. Die hier sicher bekannteste der UK-Second-Level-Domains ist .co.uk, wobei das co für common, also allgemein steht. Siehe auch den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Das Schreiben fährt fort, dass ich „mit www.alexander-langer.de eine der wichtigstens Seiten im deutschen Markt“ betreibe. Ich fühle ich geschmeichelt, melde aber Zweifel an! ;-) Ich bin nun berechtigt alexander-langer.co.de zu bestellen und könnte meine Präsenz im Netz damit ausbauen. Letzteres ist Schmu, fragen Sie Ihren Web-Entwickler oder den SEO Ihres Vertrauens..

Per Fax und Post kann ich nun registrieren, für schlappe 99 Euro inkl. MwSt pro Jahr. Im Vergleich zu den Domain-Registrierungsgebühren der Deutschen IDR, DIDZ, … geradezu ein Schnäppchen!

Was in dem Schreiben aber über die Domainvergabe steht ist schlichtweg falsch. co.de ist nichts weiter als eine ganz normale DE-Domain, nur eben mit zwei Buchstaben. Hintergrund ist, dass erst dieses Jahr zweistellige DE-Domains überhaupt angeboten wurden. Bislang musste man bei der Registrierung einer DE-Domain wenigstens eine drei Buchstaben/Ziffern langen Domainnamen wählen. Kaum waren zeistellige verfügbar, waren diese auch direkt alle vergeben. Findige Domaingrabber und Großkunden hatten sich im Vorfeld für ihre Zwecke schon alles gesichert und versuchen nun ein Geschäft daraus zu machen. So ein Beispiel ist co.de . Macht man ein WHOIS auf diese Domain der Websuche Search Technology GmbH & Co. KG gehört – das wundert mich nicht.

Nun suggeriert man in dem Schreiben zum Einen, man sei eine offizielle Vergabestelle / ein Registrar für eine neue Top/Second Level Domain (auch wenn das Schreiben den Begriff tunlichst vermeidet) und weiter, dass man irgendeinen ominösen Vorteil davon hätte noch eine weitere Domain zu besitzen. Mal ehrlich, haben Sie für Ihre Hauptdomain, sagen wir meineFirma.de noch die meineFirma.net, meineFirma.com, meineFirma.org in Ihrem Portfolio? Wenn ja, wieviele Besucher kommen über diese zusätzlichen Domain? Keine, stimmt’s?

Das Geschäftsmodell der co.de / Websuche könnte ich auch mal eben kopieren. Für 99 Euro inkl. MwSt pro Jahr darf dann jeder SEINEDOMAIN.alexander-langer.de registrieren. Ich richte diese als Weiterleitung auf eine bestehende Hauptdomain an und Sie profitieren dann sofort von lauter vielen neuen Besuchern! ;-)

Neben der reinen Domain bestellt man auch gleich ein komplettes Hosting-Paket. Schaut man sich auf der Website www.co.de um, dann zahlt man die 99 Euro für die Domain, 10 GB Speicher, unbegrenzten Traffic, PHP, FTP, MySQL, … Rein preistechnisch ist da nicht einmal etwas gegen einzuwenden. Die Vertriebsmasche allerdings ist äußerst windig und der angebliche Benefit ist nicht belegbar. Bei mir landet der Schrieb jedenfalls im Altpapier. Schade um die Bäume, die dafür sterben und den Sprit, der für die Auslieferung des Briefs verfahren werden musste.

Mittlerweile – weil ich so langsam mit dem Bloggen war – gibt es auch schon einen netten Bericht samt Statement der Geschäftsführung auf heise.de . Auch Kollege Bastian Ebert hat das Thema auf Blogs-Optimieren.de behandelt.

Kommentare (3)

  1. Jup … das Thema schlug grosse Wellen – auch bei Basicthinking und Co ..

    Derbste Aktion!

  2. Ich hatte damals von dem Unternehmen Post bekommen und muss sagen das ich anfangs neugierig war. Es ist schön wenn man persönlich angeschrieben wird und wegen der Webseite gelobt wird. Allerdings hatte ich schnell gemerkt (als ich den preis las) das dies ein Betrugsversuch ist.

  3. Solche Post/Emails erhält man ja alle Nase lang. Das war vielleicht ein etwas gelungenerer Versuch, aber im Grunde auch nicht viel besser bzw. schwer zu erkennen für ein einigermaßen geübtes Auge.

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