Das war die Dave Matthews Band in Amsterdam

Es ist Dienstag der 07. Juli 2009 und ich bin in Amsterdam, in der Heineken Music Hall (HMH) bei meinem ersten offiziellen Konzert der Dave Matthews Band, die ich seit nunmehr 11 Jahren höre. Obwohl das Konzert ausverkauft ist, fühle ich mich unten in der Menge nicht unwohl beengt. Insgesamt verfügt die Halle über 3.500 Sitzplätze im hinteren Bereich, verteilt auf zwei Etagen und 5.500 Stehplätze vor der Bühne. Das macht 9.000 restlos begeisterte Fans. Aber fangen wir am Anfang an…

Die Reise

Nach einigen Überlegungen habe ich mich entschieden mit dem Zug nach Amsterdam zu reisen. Am Dienstag Morgen ging es um 9:17 Uhr in Iserlohn los in Richtung Dortmund Hbf. Von da ging es weiter zum Hauptbahnhof Oberhausen und ab dort dann mit dem ICE zum Amsterdam Centraal Bahnhof, wo ich etwas verspätet um etwa 13:43 Uhr ankam. Zurück habe ich genau diegleiche Strecke gewählt, mit dem möglichen Minimum an Umstiegen. Das Ticket für Hin- und Rückreise kostete mich 58 Euro zzgl. je 2 Euro für die optionale Platzreservierung in den ICEs und eine Versandkostenpauschale von EUR 3,50. Die reguläre Reisezeit betrug jeweils insgsamt knapp 3:40 Stunden. Die freie Zeit habe ich zum Lesen genutzt, einer der vielen Vorzüge des Reisens mit der Bahn. Insgesamt habe ich etwa 200 Seiten aus Stephen Kings Duma Key in der englischen Originalfassung geschafft.

Allen Unkenrufen zum trotz waren die Züge der Bahn auch allesamt pünktlich, wenn da nicht bei der Hinreise die Sache in Oberhausen gewesen wäre. Der ICE stand schon und alles waretet auf den Beginn der Fahrt, als die Durchsage kam, dass sich die Abfahrt wegen Problemen beim Weichenstellen verzögern würde. „Jaja, die alte Stadnardausrede mit den Weichen.“, dachte ich mir. Nach 25 Minuten Standzeit bekam ich von einem Englisch sprechenden Herren mit, dass gerade drei oder vier Polizisten zugestiegen seien. Er hatte es kaum ausgesprchen, da fuhren wir endlich los. In späteren Durchsagen hieß es dann auch, die Verzögerung sei aufgrund einer polizeilichen Ermittlung. Da kann man der Bahn AG wohl keinen Vorwurf machen. Dennoch wäre es interessant zu wissen, was denn passieren würde, wenn ich aufgrund solch einer Ermittlung einen Anschlusszug verpassen würde…

Die Stadt

Angekommen in Amsterdam wartete Anja am Centraal Bahnhof auf mich. Ihr Zug war etwas früher als meiner angekommen und da sie schonmal in Amsterdam war, bot sie eine kleine Führung an. Passenderweise liegt ja alles direkt vorm Bahnhof. Und so zogen wir durch die Gässchen, durch die würzigen Duftwolken, die aus der Coffee-Shops quollen und linsten gemeinsam in das eine oder andere bewohnte Schaufenster im Rotlichtviertel. Letzten Endes war es dann aber auch mal an der Zeit für ein Päuschen. Dieses verbrachten wir dann in einer Kneipe an einer Gracht, gegenüber von zwei netten leichtbekleideten Damen in einem Schaufenster. Eine Flasche Heineken und ein frisch gezapftes Guinness für 10 Euro – naja, immernoch günstiger als in Stockholm.

Gewöhnungsbedürftig war es für mich mit dem Verkehr klarzukommen. Hier in Iserlohn gibt es ja praktisch null Radwege, von daher habe ich eh immer die Tendenz in Großstädten als Fußgänger versehentlich auch die Radwege zu benutzen. Es dauert dann imer ein Weilchen, bis ich mich dran gewöhnt habe. In Amsterdam aber ist man als Fußgänger echt gearscht und am untersten Ende der Nahrungskette im Verkehr. Beim Taxifahren empfand ich auch Verkehrsführung, Beschilderung, etc. als sehr gewöhnungsbedürftig. Die Taxifahrer waren aber allesamt sehr nett, zu einem Großteil in Hemd mit Krawatte gekleidet und sehr hilfsbereit.

Angenehm war mit jedem Englisch sprechen zu können und dass wir Glück mit dem Wetter hatten. Der letzte Schauer endete kurz bevor wir den Bahnhof am Dienstag verließen und als ich mich am Mittwoch auf die Rückreise machte hatte es sich ausgeregnet, ehe ich das Hotel verließ. Die ganze Zeit über, die wir zusammen oder einzeln unterwegs waren, blieb es dagegen trocken, warm und sonnig. Das war auch besser so, denn einen Regenschirm hatte ich nicht dabei und den hätte ich bei dem böigen Wind und mit dem Gepäck nicht auch noch halten wollen.

Das Hotel

Ich denke da habe ich viel zuviel Zeit in die Recherche investiert. Via Hotels.com habe ich nach Preis, Entfernung zum Bahnhof und Kundenbewertungen geforscht. Am Ende fiel meine Wahl auf das Best Western Apollo Museumhotel Amsterdam City Centre. Zu Fuß kann man es in etwa einer halben Stunde von Bahnhof aus erreichen. Im Grunde muss man lediglich immer geradeaus gehen und kommt am Ende genau darauf zu. Von dort aus kann man direkt zu Fuß, per Boot, S-Bahn, etc. in die  Altstadt aufbrechen, eine Tour machen, oder eines der anliegenden Museen (Rijksmuseum, Museum Van Gogh, …) erkunden.

Das Hotel wird aktuell renoviert, ist daher ab Etage 3 eingerüstet. Mein Zimmer lag in Etage 2 und von dem Baulärm habe ich so gut wie nichts mitbekommen, zumal man wohl dafür sorgt, dass es nicht vor 9 losgeht. Nichts desto trotz hatte ich nach hinten hinaus den Ausblick durch ein Gerüst auf Bauschutt. Okay, ich war aber auch nicht gekommen um vom Hotel-Zimmer aus die Aussicht zu genießen.

Für 50 Euro gab es ein Doppelbettzimmer mit Flatscreen Fernseher, Klimaanlage, Bad (mit Sanitäranlagen von Geberit und Armaturen von Villeroy & Boch), eigenem Safe, etc. Die Einrichtung gefällt, das Bad ist klein aber sehr hübsch, nur die Matratzen waren mir zu weich. Ich mag es eher hart. Bei der Abreise wurden zusätzlich noch knapp 2 Euro City-Tax fällig. Kostenlos lag im Zimmer ein 2009er Amsterdamer Visitors Guide aus und ein Magazin namens Amsterdam Exclusive – A fashionable guide to Amsterdam. Eine Minibar konnte ich keine entdecken. Das Zimmer war sauber und alle Einrichtung in sehr gutem Zustand. Beim Auschecken erhielt ich noch einen Gutschein für meine nächste Apollo Hotel Buchung im Wert von €12,50.

Auf das Frühstück für €17,50 habe ich verzichtet. Zum einen brauchte ich den Schlaf, zum anderen bin ich ein Frühstücksmuffel – zumal bei dem Kurs.

Impressionen aus dem Apollo Museumhotel in Amsterdam

Das Konzert

Die Heineken Music Hall (HMH) liegt ein ganzes Stück außerhalb von Amsterdam Zentrum in einem Gewerbegbiet. Nebenan befinden sich u.a. ein großer Kaufhauskomplex und ein Kino. Alles zusammen liegt an einer Metro Station. Da Anja und ich aber noch ein wenig in der Stadt unterwegs waren, auch um uns vorab noch mit einem Burger zu stärken und schon etwas spät dran waren, sind wir mit dem Taxi gefahren, was uns ich glaube 26 Euro oder so gekostet hat.

Angekommen und reingekommen erstmal Freude über das Wiedersehen mit Matthias, doch dann direkt der Schock: In den Niederlanden zahlt man auf Konzerten und Festivals mit „Munten“, also Wertmarken in Münzform. Für 10 Euro gibt es 8 Silberlinge. Na super, muss man also wie ein Hamster mit den Taschen voll Klimpergeld durch die Gegend ziehen. Sowas idiotisches! Egal, wer Bier will braucht Munten und so wurde erstmal gewechselt. Mit einem 0.5er Heineken ging es dann zur Visite in den Konzertsaal.

Dort legte dann alsbald die Vorband los. Kurzfristig hatte man umgestellt und die Zwei-Leute Band Little Fish aus Oxford engagiert. Nez spielt hier die Drums und macht Background Vocals, während die kleine zierliche aber drahtige Juju ihre Gitarren malträtiert und ordentlich Volumen aus ihren Lungen holt, dass wir uns vielfach das Grinsen nicht verkneifen konnten.

Mit etwas Verspätung legten dann die 7 Jungs der Dave Matthews Band los. Ich gaube alles in allem rund 2:30 Stunden lang (ich habenicht auf die Uhr geschaut), in ein, zwei Liedern mit Kürzungen, damit das Konzertende vor der Abfahrt der letzten Metro stattfinden konnte. Wundervoll wie die Fans mitsangen und mitgingen und unglaublich beeindruckend (es war ja mein erstes DMB Konzert) wie die Jungs auf der Bühne zusammen arbeiteten. Das Spiel von Drummer Carter Beauford und Saxophonist Jeff Coffin hat mich persönlich am meisten beeindruckt. Jeff hatte teils so lange Solo-Einlagen, dass Apnoe-Tauchern ob seiner Luft blass vor Neid werden müssen.

Zwischendurch kam man mit netten Holländern ins Gespräch (nein, nicht mit der Gruppe von 2,50 Meter Hünen direkt vor uns) und am Bierstand lernte ich eine nette Gruppe aus Celle kennen. Gemeinsam trauerten wir ein wenig, dass es keine aktive deutsche DMB Fanszene zu geben scheint. Die Aussicht auf ein Deutschlandkonzert im Frühling 2010 – zumindest haben Warner Music und auch Dave mir das persönlich am Dienstag in Hamburg in Aussicht gestellt – hob die eh schon tolle Laune weiter an.

Ich könnte mich an dieser Stelle stundenlang in Superlativen äußern, möchte davon aber absehen. Auch Anja schrieb mir tags drauf, dass sie noch stundenlang hätte zuhören und genießen können. Da war sie sicher nicht alleine, den anderen 8998 Konzertgästen dürfte es ähnlich gegangen sein. Auch ich kann nur sagen, dass dies ein ganz großes Highlight war und ich mich schon auf meine nächste Gelegenheit freue eine der besten Live-Bands der Welt zu sehen.

Hier nun noch die Setlists und einige Mitschnitte:

  1. Funny the Way It Is
  2. You Might Die Trying
  3. Spaceman
  4. Corn Bread
  5. Lying in the Hands of God
  6. Shake Me Like a Monkey
  7. Jimi Thing
  8. Everyday
  9. Alligator Pie
  10. Why I Am
  11. #41
  12. Crash Into Me
  13. Grey Street
  14. Where Are You Going
  15. You & Me
  16. Anyone Seen the Bridge
  17. Too Much
  18. Ants Marching
  19. Time Bomb (Bonus)
  20. Two Step (Bonus)

Kommentare (5)

  1. Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Finde es auch schade, dass wir in Deutschland keine „aktive“ Fanszene haben, wobei aktiv ist man ja schon irgendwie…ich laufe permanent Werbung und spreche eigentlich immer in höchsten Tönen von der Band. Werden wahrscheinlich viele Andere auch tun. Häufigere Konzerte wären wirklich schön.

    Übrigens…das Konzert aus Amsterdam kann man jetzt über das Torrent-Netzwerk bei dreamingtree.org runterladen. Völlig legal, sollte man noch hinzufügen.

  2. War auch in Amsterdam und hab das Konzert sehr genossen. Hab mich inzwischen auch bei dreamingtree.org registriert – aber keine Ahnung, wie ich als Laie an das nötige Rüstzeug komme, um mir das Konzert herunterzuladen. Wer kann mir weiterhelfen???

  3. Ich helf dann mal. Sollte die Anleitung hier in den Kommentaren nicht gerne gesehen sein, dann bitte löschen.

    Du brauchst eine Torrent-Client. Empfehlenswert ist µTorrent. Installieren. Dann suchste auf dreamingtree.org das passende Konzert aus. http://www.dreamingtree.org/details.php?id=7101 ist das Konzert aus Amsterdam. Dann steht neben

  4. „Download“ dmb2009-07-07.akg460mod.flac16.torrent. Das runterladen und in µTorrent öffnen. Sollte dann eigentlich mit dem Download anfangen.

  5. Vielen Dank! st alles etwas umständlich und gewöhnungsbedürftig, aber letztlich hat’s geklappt. Ein schönes Andenken an das Konzert!!

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