My Bloody Valentine 3D – mein erster 3D Film

Mit dreidimensionalem Kino wollen Filmindustrie und Kinobetreiber zukünftig die Abwanderung der Kundschaft aus den einträglichen Lichtspielhäusern verhindern. Aktuell sind über 40 Kinos in Deutschland ausgestattet die neuen Filme, von denen es in diesem Jahr insegsamt 10 geben wird, vorzuführen. Auch wir in Iserlohn haben in unserem Cinestar seit kurzem diese Technik. Mit der dritten Dimension erhält das Bild räumliche Tiefe. Bereits der Vorspann wird genutzt um etwa die Schrift scheinbar vor der Leinwand, über den ersten Sitzreihen, zu positionieren. Objekte scheinen auf den Zuschauer zuzufliegen und überlebensgroß dreidimensional in greifbarer Nähe vor ihm im Raum zu schweben.

Der 3D-Effekt

Anlässlich der Vorpremiere des Horror-Remakes von My Bloody Valentine aus dem Jahr 1981 habe ich mich gestern Abend aufgemacht mit My bloody Valentine 3D meinen ersten 3D-Film zu schauen. Wie immer hatte ich mir einen für Bild und Ton möglichst idealen zentralen Platz gesucht. Am Eingang wurde mir die spezielle Shutter-Brille gereicht, die man aufsetzen muss, um den 3D Effekt wahrnehmen zu können. Zu dumm, dass bei meiner Nase solche Brillen nach einer Stunde recht deutlich spürbar sind und ihre Druckspuren auf meinem Nasenrücken hinterlassen. Anderen Näschen mag es da besser ergehen.

Von der Wirkung her ist es wirklich erstaunlich, wie sie manche Leute ticken lässt. Mädels schreien auf, weil sie meinen die Spitzhacke, die gerade in Richtung Zuschauer geschleudert wird, würde sie treffen. Die Filmemacher nutzen die Möglichkeiten natürlich weidlich aus, um mit sonst eher unüblichen Einstellungen und Perspektiven zu arbeiten. Dadurch riecht der Film deutlich nach Effekthascherei.

Auch scheinen Regisseure selbst noch nicht ganz mit der Wirkung vertraut zu sein. Wenn die Kamera etwa bei einem Dialog auf die Personen im Vordergrund fokussiert, diese also scharf abgebildet werden und den Fokus des Zuschauers auf sich lenken, der Hintergrund dadurch unscharf wird, ist das im gewöhnlichen Film gar kein Problem. Durch die 3D Wirkung ist der Effekt beim Zuschauer aber der, als wenn zwei sich unterhaltende räumliche Personen vor einer unscharfen flachen Kinoleinwand stehen. Ich muss dabei an die alten Filmschinken denken, in denen bei Autofahrten die Kamera die hinten sitzenden Personen zeigte und hinter dem Wagen deutlich sichtbar eine Fahrszene auf einer Leinwand ablief. Solche Szene wirken in 3D unwirklich und künstlich.

In Räumen, komplett scharfen Szenen und natürlich speziellen 3D Szenen spielt das Ganze jedoch seine Wirkung voll aus. Da wird die Leinwand zur Tür, aus der eingeschlagene Spitzhacke ragt, geöffnete Brustkörber zerfetzter Leichen wirken plastisch/realer, bei der virtuellen Kamerafahrt scheint die Pistolenkugel riesenhaft zum Greifen nah vor einem im Raum zu schweben und zu rotieren, …

Interessant wird es sein die Entwicklung zu beobachten. Mit rein für das 3D Kino gedrehten Filmen hat man derzeit einen recht eingeschränkten Markt bei sicher höheren Produktionskosten. Das und die Tatsache, dass Regisseure nun gehalten sich zu sehr auf die möglichen 3D Spielereien zu stürzen als filmisch adäquat zu arbeiten, mag im Anfangsstadium auch so seine Auswirkungen auf die Qualität haben:

Der Film

Harry Warden überlebt einen Bergwerksunfall, verursacht von seinem jungen Kollegen Tom Hanniger, Sohn des Minenbesitzers. Nach einem Jahr im Koma erwacht er am Valentinstag als Geistesgestörter und ermordet auf bestialische Weise 22 Menschen. Nach 10 Jahren scheint alles nur noch eine böse Erinnerung, als Tom in das kleine Städtchen Harmony zurückkehrt. Doch mit ihm kommt auch der Schrecken zurück. Allem Anschein nach ist  Harry Warden zurückgekehrt und setzt seine Mordserie mit der Spitzhacke fort..

Kinoplakat: My Bloody Valentine 3D

My Bloody Valentine ist ein klassischer Slasher, konzipiert als durchaus auch lustige Unterhaltung, wie Regisseur Peter Lussier in seinem Interview mit BlairWitch einräumt. An Blut, Eingeweiden und expliziten Mordszene wird zu keiner Zeit gespart.

Der Film zielt eher auf ein Publikum, das an Neuem, an Events interessiert ist und kurzweilig gut unterhalten werden will. Das schafft der Film durch die für uns in Deutschland noch neue und ungewohnte Technik allemal. In einer 2D Fassung wäre der Film aber schlichtweg nur schlecht. Die Dialoge und Story sind schlecht gemacht, unstimmig und übel umgesetzt, auch wenn ich nach dem Film irgendeine im Saal sagen hörte, „Der Film hatte wenigstens mal eine Geschichte, nicht so wie die anderen“. Das Mädel scheint noch nicht viel gesehen zu haben.

Als Slasher punktet der Film bei den reichlich vorhandenen Gewaltszenen, eine dichte Atmosphäre kann er aber auch in den Stollen des Bergwerks zu keiner Zeit rüberbringen. Nichts für Fans des gepflegten Grusels. Rein als Film betrachtet hat My Bloody Valentine 3D diegleichen Schwächen wie viele Vertreter des Genres. Frauen die dauernd über die eigenen Füße stolpern. Menschen die eigentlich um ihr Leben rennen sollten schleichen gemächlich in geduckter Haltung durch die Gegend. Richtig üble Dialoge und Schauspieler. Solche Sachen eben…

Als Event für 3D-Neulinge funktioniert der Film aber allemal. Die DVD dürfte aber auch mit der mitgelieferten Rot-Grün-Brille eher ein Ladenhüter werden.

Deutlicher und vernichtender ist es übrigens in der Kritik auf Moviemaze nachzulesen.

Hard Facts

  • Regie: Patrick Lussier
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • FSK 18
  • Spieldauer: 101 Min.
  • Jensen Ackles als Tom Hanniger
  • Jaime King als Sarah Palmer
  • Kerr Smith als Sheriff Axel Palmer

Kommentar (1)

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