Irreversibel

Als der Film endet herrscht zunächst Stille. Sprachlosigkeit. Was ich die letzten rund 100 Minuten gesehen habe kann ich noch nicht einordnen. Das muss ich erstmal verdauen. Irreversible kam mir letztens beim Stöbern unter die Finger und ich erinnerte mich dunkel daran, dass ein alter Schulfreund mir vor einigen Jahren einmal davon erzählte.

Nach der Stille kommt die Erleichterung. Tief durchatmen. Es ist vorbei. Irreversibel ist gewaltinduziertes Adrenalin. Man hält unwillkürlich den Atem an. Lange. Der Zuschauer als Testkaninchen. Wer schafft es den ganzen Film über nicht einmal den Blick abzuwenden?

Chronologisch absteigend beginnt Irreversibel mit dem Ende. Der Beginn des Films ist das Ende einer Jagd. Einer Vendetta. Das überaus gewaltsame Ende eines Lebens, ausgehaucht in den schäbigen dunklen Katakomben eines Sado-Maso-Homo-Schuppens namens Rectum irgendwo in Paris. Erzählt in scheinbar einer einzigen langen Kamerafahrt mit verstörenden Sirenen, sich drehenden und windenden Bildern. Nichts für schwache Mägen.

Gegenüber dieses anfänglichen Endes steht der Ausgangspunkt. Eine 9minütige ohne Schnitt gedrehte Vergewaltigung. Kein Schwenk raus aus dem Geschehen. Keine Andeutung. Ungefiltert.

Dazwischen die Suche nach dem Täter. Mehr die Jagd. Einem wilden Tier gleich wittert der Rächer die Fährte. Rasend vor Wut und unfähig zur Kontrolle.

Der Film inszeniert sich selbst. Die Figuren sind ebenso Mittel zum Zweck wie die Geschichte und der Stil. Man muss sich schon anstrengen durch Blut, Schweiß und Eingeweide hindurch eine Message in den Film konstruieren zu können. Gewalt erzeugt immer nur noch mehr Gewalt. Vielleicht. Am Ende, das zu Anfang steht, ist alles so falsch wie die transexuelle Prostitierte. Der Rächer. Sein Opfer.

Irreversibel spricht nicht den Kopf an, denn dort findet er nicht statt. Jede Szene ist so explizit, dass Interpretationen überflüssig sind. Irreversibel zielt auf den Bauch und aus diesem ist er wohl geboren.

Erschreckend. Verstörend.

Irreversibel, das ist auch die Wirkung des Films auf den Zuschauer.

Hard Facts

  • Titel: Irreversibel
  • Erscheinungsjahr: 2002
  • Länge: ca. 100 Min.
  • FSK 18
  • Regie und Drehbuch: Gaspar Noé
  • Monica Bellucci als Alex
  • Vincent Cassel als Marcus
  • Albert Dupontel als Pierre

Kommentar (1)

  1. Wie es aussieht hat Gaspar Noé nach 7 Jahren gerade eben mal wieder etwas rausgelassen, was nicht wirklich eingängig zu sein scheint. „Enter the Void“ heißt das gute Stück und Rüdiger Suchsland hat ihn sich für Telepolis angeschaut.

Kommentare sind geschlossen.