Mit Günter Jauch in den Gottesstaat

Unter dieser Überschrift gibt es auf Telepolis (gehört zum Heise Verlag) einen Artikel von Rüdiger Suchsland zum heutigen Volksentscheid in der Bundeshauptstadt Berlin.

Worum geht es?

Kurz gesagt um die Initiative „Pro Reli“, die, angeführt von ein paar Promis wie u.a. Günther Jauch, Arne Friedrich, sowie gestützt von beiden Kirchenflügeln, das Unterrichtsfach Religion wieder zum Wahlpflichtfach an Berlins Schulen machen möchte. Erinnern wir uns: Die Trennung von Religion und Staat ist im Grundgesetz garantiert und darum war die Teilnahme am Religionsunterricht schon immer freiwillig  und auch die Uno-Kinderrechts-Charta garantiert religiöse Selbstbestimmung schon im Kindesalter. Das Unterrichtsfach Ethik jedoch, will ohne irgendwelche Glaubensansprüche Einzelner ehtische und morlaische Grundwerte vermitteln und diskutieren. Schließlich handeln auch Anders- und Nichtgläubige nach ethischen und moralischen Prinzipien.

Und eben gegen dieses Fach Ethik dürfte die Kampagne Pro Reli zielen:

So gibt er Raum für Gastbeiträge wie den der Publizistin Hilal Sezgin, die schrieb: „Keine Angst vor Ethik“. Sezgin erwähnte auch „die an Täuschung grenzende Kampagnenführung von Pro Reli: Keineswegs will die Initiative den Religionsunterricht für Kinder aller Religionen erstreiten, der ist in Berlin nämlich längst erlaubt. Pro Reli ist vielmehr kontra Ethik – die Kinder, die in den Religionsunterricht geschickt werden, sollen nicht auch Ethik besuchen müssen. ‚Zwangsethik‘ nennt Pro Reli das momentane Pflichtfach. Was insofern passt, als es auch Zwangssport, Zwangsdeutsch und Zwangsmathe gibt. Ja, in Deutschland herrscht allgemeine Schulpflicht; unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern sollen die Kinder lernen, was sie später zum Leben brauchen. Wieso begehrt man jetzt dagegen auf?“

Meine Meinung

Die Interessenstrennung von Staat und Religion ist ebenso wichtig und sinnvoll wie die Gewaltenteilung. Beides basiert auf wichtigen Lektionen, die uns die Geschichte gelehrt hat und vermindern das Missbrauchspotenzial deutlich. Ich habe auf Grund- und Realschule am evangelischen Religionsunterricht teilgenommen, mitunter auch aus rein praktischen Erwägungen. Zum einen hätte ich nicht gewusst, was ich in der mittendrin liegenden Freistunde hätte tun sollen, zum anderen war ich in Reli immer ganz gut. Meine Eltern spotteten beim Blick auf meine Zeugnisse schon immer, ich würde bestimmt einmal Pfarrer werden.

Persönlich hätte ich die heutige Regelung begrüßt ein Fach Ethik als Pflichtfach zu haben und Religion als Wahlfach „on top“. Ich persönlich hätte Reli wohl nicht noch zusätzlich genommen und hätte Ethik indes mehr abgewinnen können, weil es einfach greifbarer und lebbarer ist. Ethik ist für jeden Menschen ein Thema und jeder Mensch lebt ethisch, auch wenn die meisten sich nicht so bewusst Gedanken dazu machen. Der Ethik-Unterricht ist hier ein gutes Mittel zur „Bewusstmachung“ und zum Dialog zwischen Schülern und Lehrern. Nach meinem Dafürhalten bringt es für die Allgemeinheit mehr als sich etwa über Jesu Auferstehung zu unterhalten (die eben auch nicht in jedermanns Glauben eine Rolle spielt, so er überhaupt gläubig ist). Damit bietet Ethik die Chance mit einem praktischen Ansatz aus dem Leben gegriffen ein viel breiteres Publikum zu erreichen.

Was Pro Reli angeht, bin ich sehr erstaunt über solche Vorstöße und deren Unterstützung. Ich wüsste gerne inwiefern die Galleonsfiguren sich wirklich eingehend mit dem Thema beschäftigt haben. Dass das Begehren im Grunde geltendes Recht und dessen Umsetzung konterkariert lässt mich umso mehr staunen. Es scheint nicht nur in der Politik fragwürdige Praxis zu werden geltendes Recht mit Nichtbeachtung zu strafen und einfach Regelungen entferwerfen und durchsetzen zu wollen und deren Rechtmäßigkeit später andere entscheiden zu lassen. Siehe BGH-Urteil zur Pendlerpauschale..

Daher bin ich mir persönlich sicher, dass Pro Reli wenn nicht im ersten Anlauf (beim Volkenstscheid) dann doch später scheitern wird. Einen gewissen Beigeschmack bekommt das Ganze nicht zuletzt dadurch, dass der Eindruck entsteht, beide Kirchen würden das Rad der Zeit gerne zurück drehen, während sie nach außen nur vorgeben weltoffen und tolerant gegenüber Anders- und Nichtgläubigen zu sein.

Der einzige Religionsunterricht, den ich mir vorstellen könnte, ist praktisch undurchführbar. Er würde einfach die großen und nicht so großen Religionen der Welt gleichberechtigt (d.h. zu gleichen Teilen) behandeln und zu Wort kommen lassen. Wäre interessant zu sehen welche religiösen Vertreter dagegen am meisten Sturm laufen würden..

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