Slumdog Millionär – Neu im Kino

Mit der Empfehlung von  8 Academy Awards (Oscars) und 4 Golden Globes kam vergangenen Donnerstag Slumdog Millionär in die deutschen Kinos. D.h., zumindest in einige deutschen Kinos. Während weder hier in Iserlohn, noch im benachbarten Hagen Filmrollen des Streifens aufgetaucht sind, weil wohl irgendein kluger Mensch im Management von Cinestar meint, der Film würde nicht genügend Publikum ziehen, war die 20:15 Uhr Vorstellung im UCI im Bochumer Ruhrpark am Samstag nahezu ausverkauft. Wir mussten uns mit Randplätzen in der drittvordersten Reihe begnügen..

Jamal und sein älterer Bruder Salim sind sog. Slumdogs. Sie wachsen in den Slums der indischen 19 Millionen Einwohner Metropole Mumbai (eher bekannt unter dem Kolonialnamen Bombay) unter ärmlichsten Bedigungen auf. Der Film erzählt hauptsächlich aus der Perspektive des mittlerweile 18jährigen Jamal, der in der indischen Version der Spielshow Wer wird Millionär? als Kandidat auf dem Stuhl sitzt. Jede Frage die ihm dort gestellt wird, führt zu einem Rückblick in Jamals Vergangenheit, die die Antwort parat hält. So verwebt er Film Schritt für Schritt Vergangenheit und Gegenwart, ehe die Zeitlinien sich am Ende wieder vereinen.

Jamal Malik (Dev Patel) und Prem Kumar (Anil Kapoor) in Wer wird Millionär?

Jamal Malik (Dev Patel) und Prem Kumar (Anil Kapoor) in Wer wird Millionär?

Früh schon verlieren die Brüder ihre Mutter und schlagen sich fortan alleine durchs Leben. Dabei schließt sich ihnen die gleichaltrige Latika an, die ebenfalls keine Eltern mehr hat. Latika wird als Kind zu Jamals bestem Freund, woraus sich bei beiden später eine tiefe Liebe empfiindet. Sie ist der eigentliche Aufhänger des Films und zieht sich als roter Faden durch die diversen richtungweisenden Entscheidungen in Jamals jungem Leben. Mehrfach verlieren sich Jamal und Latika und finden einander durch das Schicksal verbunden doch stets wieder.

Slumdog Millionaire kommt ohne eine Erzählstimme und ohne Dialoge aus, die diese ersetzen könnten. Die benutzten Begriffe, die teils dem Hindi entstammen, erklären sich dem Zuschauer aber auch ohne tiefergehende Kenntnisse. Die Geschichte erzählt vom alltäglichen Überlebenskampf vieler Millionen Inder, von Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems, einer korrupten Polizei, Menschenhandel und anderen Grausamkeiten des Alltags. Dabei kommt der Film ohne Schuldzuweisungen und moralischen Zeigefinger aus, wirkt trotz der zugrundeliegenden Tragik im Grundton stets fröhlich und heiter, mit diverse durchaus lustigen Passagen.

Mit seinen beeindruckenden Bildern und Einblicken in eine uns teils vertraute aber größteteils recht fremde Kultur schafft der britische Regisseur Danny Boyle es 120 Minuten sehr kurzweilig und abwechslungsreich zu gestalten. Ich hatte nicht unbedingt einen romatischen Liebesfilm erwartet. Da aber die Romantik gut dosiert ist und nicht schwülstig und aufgesetzt, sondern wie alles in dem Film ganz real und ungekünstelt daherkommt, kann auch jemand wie ich, der (zumindest im Kino) nicht eben auf Romanzen steht, dem Film einiges abgewinnen.

P.S.:
Für alle, die wie ich nicht eben ein Fan des indischen Tanzfilms sind, kann ich Entwarnung geben. Der obligatorische Massentanz der Darsteller findet erst im Abspann statt..

Hard Facts

  • Erscheinungsjahr: 2008
  • FSK 12
  • Länge: 120 Minuten
  • Regie: Danny Boyle
  • Musik: A.R. Rahman
  • Kamera: Anthony Dod Mantle
  • Dev Patel als Jamal Malik
  • Madhur Mittal als Salim Malik
  • Freida Pinto als Latika
  • Anil Kapoor als Prem Kumar

Kommentare (4)

  1. Sehr zu empfehlen ist auch die Buchvorlage des Films: „Rupien, Rupien“ von Vikas Swarup.
    Ich hatte das schon vor längerer Zeit gelesen und dann eher durch Zufall mitbekommen, dass der Film ja diese Story aufgreift/nacherzählt :-).

    Stefan

  2. 20 Mio Rupien sind aktuell übrigens 290k EURO. Dafür würde sogar ich in Sch… baden :)

  3. Hm.. naja, vermutlich kann man mit 290k€ in Indien auch ne Runde mehr reißen als hierzulande mit 1 Mio. €.

    Frage wäre nur: Wenn ich 290k hätte, würde ich dann nach Indien ziehen? Neee…

  4. Der Film ist einfach nur Hammer und auf jeden Fall an jeden einzelnen weiterzuempfehlen, wirklich! Der lohnt sich einfach zu 100%.

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