Watchmen – Die Wächter : Neu im Kino

In den 80ern waren Superhelden noch wichtig und Geschichten über Superhelden erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Welt schien noch aus zwei großen lagern zu bestehen, Ostblock (Sowjetunuion) und der Westen (USA), Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Während die Welt sich noch im Kalten Krieg der Großmächte befand und diese ihren Status über ihre Atomwaffen zu Land zu Wasser und in der Luft definierten, hatten es Superhelden in Comics, Büchern und im Kino noch einfach. Jeder vermochte Freund und Feind leicht zu unterscheiden und so konnte eine Figur mit schier übermenschlichen Kräften ordentlich für jedermann nachvollziehbar aufräumen.

Mitte der 80er war auch die Zeit in der Alan Moore und Dave Gibbons den vielfach preisgekrönten Watchmen Comic schufen und herausbrachten. Er spielt in einer alternativen Version der 80er Jahre, in der Ost und West sich ebenfalls bedrohen und es zumindest in den USA seit Jahrzehnten einige Superhelden gibt, die den Verlauf der Geschichte, vor allem der Kriege nach dem 2. Weltkrieg, mitbestimmt haben. Größtenteils in der Anonymität verschwunden sind sie nur mehr eine Erinnerung, bis auf zwei Superhelden, den hochintelligenten Unternehmer Adrian Veidt (Heldenname Ozymandias) und den schier allmächtigen Dr. Manhatten, ehemals Dr. Jon Osterman, der beinahe im Alleingang den Vietnamkrieg für die USA gewann.

Watchmen, Die Wächter; mit Malin Akerman, von Zack Snyder

Watchmen - Die Wächter; mit Malin Akerman, von "300" Regisseur Zack Snyder

Watchmen – Die Wächter ist lang und anders. Der Film beginnt bereits mit einem Intro, zu dem in kompletter Länge The Times Are A-Changin‘ von Bob Dylan erklingt. Es folgen im Film noch The Sound Of Silence (Simon & Garfunkel), 99 Luftballons (Nena) und All Along The Watchtower (Jimi Hendrix) – Kompliment allein schon ob dieser Auswahl an Liedgut, das für sich genommen bereits geschichtsträchtig ist und noch dazu völlig passend den Filmhandlungen zugeordnet ist.

Gerechnet hatte ich mit einem mehr oder minder typischen Superhelden-Comic-Film, der mit schnellen Shcnitten und viel Special Effects actionreich den Kampf von Gut gegen Böse zeigt. Stattdessen wird die Geschichte einer komplexen Welt, mit komplexen Charakteren erzählt, die die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen und etwa so klasssiche Fragen aufwirft wie, ob Gutes gut ist, wenn es durch Böses hervorgerufen wurde. Welchen Preis ist man bereit für den Frieden zu zahlen und wiegt Moral wirklich schwerer?

The Watchmen verlangt dem Zuschauer einiges ab, denn durch die immer wieder eingeschobenen Rückblicke in die Geschichte der einzelnen Figuren springt die Handlung in der Zeit immer wieder von 1985 zurück in die 70er, 60er und 50er Jahre. Man darf nicht müde werden mitzudenken um die Geschichte in Gänze zu erfassen. In der Anlage und der Umsetzung grenzt der Film an Perfektion. In den Rollen glänzen Schauspieler, die zumindest ich allesamt bislang nicht kannte oder mir zumindest bisher nirgendwo anders aufgefallen sind. Zu den Rollen der großteils im Leben eines Normalsterblichen angekommenen und teils überalterten Ex-Helden passt dies jedoch. In ihrer Zerrissenheit sind sie teils mehr Anti als Helden. Alles wirkt stimmig. Die Dialoge geizen nicht mit Tiefe, ohne überladen und aufgesetzt zu wirken. Jeder bleibt sich irgendwo treu und Humor wird nur sehr spärlich und in spröder Verpackung eingesetzt, während der Detailgrad der Szenen schon fast beängstigend hoch ist.

Wer sich nur berieseln lassen und abschalten möchte, ist in The Watchmen völlig falsch aufgehoben. Wer aber offen ist auch für schwierigere Plots, der ist hier genau richtig. Nicht schaden kann es auch sich ein wenig in Geschichte und Literatur auszukennen, dann mag man vorweg vielleicht schon eine Ahnung haben, wenn man den Namen Osymandias hört, der – was wiederum nur konsequent beispielhaft für die Charaktere ist – in seinen beiden Bedeutungen zu vereint wird.

„Mein Name ist Ozymandias, König der Könige!
Erblickt meine Werke, Ihr Mächtigen, und verzweifelt!“

Hard Facts

  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Länge: 163 Minuten
  • FSK 16
  • Regie: Zack Snyder
  • Jackie Earle Haley als Walter Kovacs (Rorschach)
  • Patrick Wilson als Dan Dreiberg (Nite Owl II)
  • Malin Akerman als Laurie Jupiter (Silk Spectre II)
  • Billy Crudup als Dr. Jon Osterman (Dr. Manhattan)
  • Matthew Goode als Adrian Veidt (Ozymandias)
  • Jeffrey Dean Morgan als Edward Morgan Blake (The Comedian)

Kommentare (7)

  1. Pingback: Kabloged

  2. Die ganzen Bücher/DVD/Kinofilm Beschreibungen sind das die 100€, die du monatlich bekommst?

  3. Nee, wirklich nicht :)

    Ich zahle meine Bücher ebenso selbst wie meine Kinobesuche. Parkgebühren, Kinoticket (zzgl. VVK, denn ich kaufe die immer online mit Kreditkarte und drucke die aus), Bier oder Cola (light), Nachos (mit Salsa und extra viel Peperonis) .. da kommt schon was zusammen..

    Aber wenn mich wer sponsoren möchte, bin ich dazu gern bereit! :)

  4. P.S.:
    Ich habe sogar ein paar Rezensionen ausgelassen. Hatte mir eines Nachts spontan Shrooms angeschaut. Musste dazu extra 25 km nach Dortmund fahren. War net so prall der Film.

    Der seltsame Fall des Benjamin Button hab ich auch gesehen, am selben Abend wie Freitag der 13. War aber viel zu fertig um da noch drüber zu bloggen (war schon arg spät) und danach war ide Muße net da und irgendwann wusste ich auch nicht mehr, was ich schreiben sollte. Ist schon ein eigenartiger Film..

  5. Und wo sind die 100€, kann die nicht finden :D (Direktvermarktung: EUR 100,00 (100,00))

    Dieses Widget nervt, da es nicht gleich laden will oder es ist mein FF3. (kannste eigentlich auch wech machen, da es im DrC/Dro ja platzierter/ausreichender/sinnvoller ist)

  6. Na, auf auf meinem Geschäftskonto, ordentlich versteuert und so. :)

    Och, das Chipin-Widget hat nun schon so lange hier ausgehalten, nun bleibts auch bis zum bitteren Ende am 15.3. :)

    Mal eben nen Eintrag in Things machen, dass ich nicht vergesse es zeitig runterzunehmen..

  7. Ohman, ich warte lieber bis es den auf DVD gibt. Irgendwie spalten sich die Geister zur Qualität des Filmes. Meinen Brüdern gefällt er nicht… hmmm

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