Warum spenden wir zu Weihnachten?

Es ist jedes Jahr dasgleiche: Wenn die Weihnachtszeit naht, stehen in den Innenstädten, auf den Weihnachtsmärkten, die Spendensammler in Reih und Glied. Der Briefkasten quillt über vor Wurfpost geminnütziger Organisationen und wer ein paar Tage Urlaub hat merkt schnell, dass alle Nase lang jemand an der Tür schellt, dem man im Supermarkt noch aus dem Weg gehen wollte.

Ich bin ganz ehrlich, mir ist das immer etwas unangenehm mich um diese Stände herumzuwuseln und zu versuchen nicht angesprochen zu werden. Das hat nichts damit zu tun, dass ich so ein unsozialer Genosse bin, sondern eher mit einem unguten Gefühl, weil man eben nicht überall helfen kann. Dazu kommt noch der Gewinnspielfaktor.

Wenn im Eingangsbereich des lokalen real-Marktes mal wieder das Deutsche Rote Kreuz die Lostrommel aufgebaut hat und einem Lose andrehen will, deren Einnahmen ja einem guten Zweck zugute kommen – dann will ich erst Recht nicht! Ich drück denen mal Geld in die Hand und gehe weiter, denn ich will kein Los und erst Recht keinen Gewinn. Ich würd mich schäbig fühlen bei dem Gedanken, aufgrund der Hilfsbedürftigkeit anderer einen Vorteil zu erwirken.

Neben den Sachen, die irgendwann einmal im Jahr bei mir abgebucht werden (div. Organisationen), kamen dann dieses Jahr noch zwei Sachen zu Weihnachten hinzu. Eines Tages im November machte ich früher Schluss im Büro und wollte im Home-Office noch einiges erledigen. Dazu kam es aber nicht, weil eine alleinerziehende Krankenschwester im Auftrag der Johanniter bei mit schellte. Wir hatten ein längeres aufrischtiges Gespräch. Sie wusste warum sie da war, ich wusste warum sie da war, also konnte ich sie auch zu Beginn gleich unterbrechen und fragen, wo ich unterschreiben soll.

Im Dezember kam dann noch eine Spende an den Drupal Fields in Core Code Sprint hinzu. Das war jetzt nicht für den Regenwald, irgendwelches Getier oder hungernde Kinder, aber eben auch eine Spende.

Aber warum sind wir gerade zu Weihnachten so empfänglich für Spendenbitten? Okay, Weihnachten, Geschenke, Jesus, Opfer bringen, Nächstenliebe, … dessen bin ich mir schon bewusst. Aber ich würde mich nicht als praktizierenden Christen bezeichnen (weil es kein sehr differenzierter Begriff ist) und der Weihnachts-Kommerz-Bohei geht mir persönlich schon mit der ersten Palette Spekulatius im Supermarkt im Spätherbst auf den Keks.

Von daher wundere ich mich selbst, warum auch ich tendenziell zu Weihnachten spendabler bin. Vielleicht kann auch ich mich der ganzen Gefühlsduselei nicht entziehen. Sie mag in den Geschäften, Magazinen und vor allem Filmen ohne Ende kommerziell ausgeschlachtet und damit strapaziert werden, aber irgendwie erreicht einen die Message wohl doch..