Vom Massensterben der Web 2.0 Startups

Angesichts der aktuellen weltweiten Finanzkrise stimmen die Experten nun auch beim Web 2.0 in die kollektive Weltuntergangsstimmung ein und sagen harte Zeiten für Internet Startups voraus. Wie die WirtschaftsWoche in einer Umfrage unter 151 Startups herausfand, bangen derzeit mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen um ihre Zukunft. Marc Andreessen, Mitgründer von Netscape, sieht auf die Branche gar einen „nuklearen Winter“ heraufziehen.

Klar ist, dass die Krise Wagniskapitalgeber vorsichtiger und weniger gönnerhaft werden lässt. Die Zeiten, wo man im Silicon Valley allein mit einer mehr oder weniger guten Idee Millionen als Startkapital bekam, dürften in dieser Form der Vergangenheit angehören. Internet Gründer müssen fortan die Gürtel enger schnallen.

Ist eine Startup Krise wirklich so schlimm?

Mglw. kommt die Krise auch zur rechten Zeit. Speziell das Internet hatte 2000 bereits einen großen Crash, in dem sich der Markt konsolidierte. Die Auswirkungen der Finanzkrise werden einen ähnlichen Effekt haben. Das Netz benötigt nicht noch weitere Nachahmer mit dem 1001. Social Network, der 111. Jobbörse und dem 666. Videoportal.

Weniger Venture Capital, geringere Werbebudgets, etc. werden dazu führen, dass sich nun die Spreu vom Weizen trennen wird. Nicht wirtschaftliche arbeitende Startups werden den Kampf ums Überleben mglw. verlieren. Dafür wird es eine neue Generation von Startups geben, die eher mittelfristig und solide planen und ohne große Finanzspritzen auskommen.

Eine Eiszeit hat auch ihre guten Seiten!

Insgesamt betrachte ich die Entwicklung derzeit von einem darwinistischen Standpunkt aus. Wem Andreessens nuklearer Winter zu martialisch ist, kann als Analogie noch immer eine Kälteperiode, mglw. gar eine Eiszeit, herbeizitieren. Unangepasste Arten sterben teils aus (Höhlenbär, Säbelzahntiger, Mammut, ..), während andere Arten sich womöglich auf kleine Refugien zurückziehen können. Es schlägt die Zeit derjenigen, die flexibler agieren und entweder sich, oder aber ihre unmittelbare Umwelt, anpassen können. Davon profitierte nicht zuletzt auch der moderne Mensch.

Die Zeichen der Zeit erkannt hat aktuell z.B. der Internet Bezahldienstleister ClickandBuy. Deren Erfolg ist eng an die Konjunktur des B2C Marktes im Internet gekoppelt. Entsprechend bietet man gelisteten Startups ab sofort die Sonderkondition an, völlig ohne Anmelde- und Grundgebühr den Service nutzen zu können und lediglich die tatsächlich für Transaktionen fälligen Gebühren zahlen zu müssen, die ja vollends über die erzeilten Umsätze gedeckt sind. Somit fallen die Fixkosten weg.

Webdesigner und Buchautor Andy Rutledge hatte bereits Anfang November darauf hingewiesen, dass er die Krise als Chance für Freelancer begreift, deren Dienste flexibler und kostensparender einzukaufen sind, als jene großer namhafter Agenturen.

Jeder Webworker und Gründer wird sich derzeit so seine eigenen Gedanken machen. Ich bin ja nun auch selbst betroffen und habe meine Selbständigkeit in etwa zeitgleich mit Beginn der Finanzkrise gestartet. Wir sollten die Zeit aber nicht mit Jammern vertrödeln, denn zu tun gibt es eher mehr denn weniger. Nun gilt es noch mehr Qualität zu liefern, um Kunden gewinnen zu können. Wie heißt es doch:

When the going gets tough, the tough gets going!

Update 03.12.2008:

Deutsche-Startups.de hat den Aufhänger nun ebenfalls genutzt und deutsche Investoren (smava, aviando, toksta, iliketotallyloveit, DaWanda, Limango, Qype) nach ihren eigenen Einschätzungen zur Situation und ihrer Entwicklung befragt. Den Artikel gibt es hier zu lesen.

Kommentare (2)

  1. Ein sehr guter Beitrag und ich denke auch, dass sich eher die Spreu vom Weizen trennen wird, als dass es wirklich zu einem GAU kommt. Und das braucht die Branche auch, wenn ich mir anschaue wie unendlich viele der gleichen Angebote sich im Web tummeln und dass diese sich kaum noch voneinander unterscheiden. Die guten Anbieter werden sich aufgrund von Qualität und einem soliden Planungsvermögen durchsetzen können, diejenigen, die nur auf Venture Capital setzen und keinen wirklichen Plan dahinter stehen haben, werden eben aussortiert. Letztendlich sorgt das aber für mehr Qualität auf dem gesamten Markt, möchte ich meinen.

  2. Ich stimme Dirk. Guter Text. Und für den Spreu vom Weizen trennen würde dem Internet gut tuen…

Kommentare sind geschlossen.