Wenn der Döner krankt macht – Protokoll eines Leidenden

Do, 14:30 Uhr
Unser Stamm-Lieferant bringt Döner. Wir haben eigentlich bessere Alternativen, aber die haben keinen Lieferservice. Wenn keiner fürs Büro fahren will / keine Zeit da ist, lassen wir uns eben was bringen. Ein Döner für Tim, eine große Türkische Pizza mit viel Fleisch für Jens, einen großen Döner für mich. Alles extra scharf.

Do, 14:35 Uhr
Ich mache eine kurze Anmerkung, dass sich in einen Bissen Fleisch wohl eine ordentliche Prise Oregano verlaufen hat. Ansonsten ist alles wie immer.

Do, 17:00 Uhr
Magenschmerzen machen sich breit. Kann ja mal vorkommen, also denke ich mir nichts dabei. Ich spüle sie bei meiner Schwester und meinem Schwager, über deren neues Notebook gebeugt, mit zwei Bier herunter.

Do, 20:00 Uhr
Da ich die Nacht kaum geschlafen hatte, macht sich die Müdigkeit breit. Im ICQ eine komische Nachricht von Jens, er sei schon dreimal kotzen gewesen. Hm.. langsam bekomme ich Hunger.

Do, 20:45 Uhr
Keine Lust auf eine Koch-Arie. Also schnell ein Fischfilet in den Backofen geschmissen. Irgendwie gehts mir jetzt aber auch nicht mehr so prall. Im Minutentakt berichtet Jens von neuerlichen Klogängen mit offenen Schleusen an beiden Enden.

Do, 21:10 Uhr
Beim Geruch des Fischs wird mir speiübel. Mir gehts total dreckig. An Essen ist nicht zu denken. Ich gehe aufs Töpfchen und was mir da begegnet lädt nicht zu Freudenstürmen ein. Ein paar Minuten später gehe ich ins Bett. Vielleicht kann ich es wegschlafen. Linke Seite (Magen) geht gar nicht. Ich drehe mich auf die rechte Seite und die Übermüdung lässt mich trotz  Übelkeit kurz vor der Brechgrenze irgendwann einschlafen.

Irgendwann später I
Wache auf, mir ist speiübel. Mein Bauch fühlt sich prall und aufgebläht an. In mir gurgelt und rumort es bis in die untersten Regionen. Ich gehe aufs Klo. Da bleibe ich lange sitzen. Immer wenn ich denke, „Da kommt nichts mehr.“, schwemmt die nächste peristaltische Welle Dönerreste und Bier in südpolare Regionen. Ich beschließe mir zur Vorsicht einen Putzeimer ans  Bett zu stellen, falls ich doch mal endlich brechen kann. Zurück im Bett quäle ich mich weiter mit meinem Blähbauch. Ich weiß nicht wie ich liegen soll, zudem schmerzen meine Glieder. Irgendwann senkt sich der Schlaf über mein Haupt und erlöst mich – vorerst.

Irgendwann später II
Ich wache auf. Nun gehts gar nicht mehr. Ich packe den Putzeimer am Fußende meines Bettes und explodiere in ihn hinein – endlich kann ich kotzen! Noch während sich jeder Muskel immer und immer wieder verkrampft und einen neuen Schwall in den Eimer ergießen lässt, fühle ich mich besser, erleichtert.
Nach einer Weile kommt nichts mehr. Ich mache Anstalten wie ein Fisch, der auf dem Trockenen versucht zu atmen. Ich gehe mit dem Eimer aufs Klo und bin überrascht wie gut er gefüllt ist. Nachdem ich ihn entleert und ausgewaschen habe, sorge ich am anderen Ende meines Körpers noch eine Weile für Erleichterung. Im Kontrast zum vorigen Befinden geht es mir nun geradezu prächtig. Ich trinken noch ein paar Schlucke Wasser und mache mich wieder auf den Weg ins Bett. Ein Blick aufs iPhone verrät, es ist gerade einmal 01:30 Uhr.

Fr, 08:00 Uhr
Die Weckfunktion des iPhone tut ihre Pflicht. Ich fühle mich wie mit der Dampfwalze überfahren und vom Bagger begraben. Um nicht im Mief operieren zu müssen zögere ich meinen Klogang hinaus, bis ich fertig gewaschen und frisiert bin. Jede Bewegung fällt schwer. Alles tut mir weh, auch mein Rücken, den ich mir vermutlich beim Erbrechen verzogen habe. Wie ein Zombie wanke ich in Zeitlupe die Stufen der Treppe herunter zu meinem Wagen. Wie ein Rentner auf Valium fahre ich ins Büro.

Fr, 09:00 Uhr
Tim lässt sich nichts anmerken, sagt, er habe nur leichten Durchfall. Jens hat die ganze Nacht nach Jörg gerufen und die Po-Ebene unter Wasser gesetzt. In meine Jacke eingemummelt lungere ich im Büro rum. Ich friere. Vor allem Hände und Füße sind eiskalt.

Fr, 10:30 Uhr
Ich telefoniere mich durch, bis ich beim zuständigen Veterinäramt bin. Mehrfach erzähle ich unsere Geschichte, zuletzt auch dem hiesigen Kontrolleur. Nein, wir haben keine Nahrunsmittelreste mehr über. Ja, ich weiß, dass gerade auch „normale“ Erreger Saison haben. Nein, ich denke nicht, dass wir uns zur dritt gleichzeitig anderweitig angesteckt haben. Er wird eine Hygienekontrolle beim Dönermann durchführen. Ich nehme nicht an wieder von ihm zu hören.

Fr, 14:15 Uhr
Nach noch mehr Rumgelungere, einigen Telefonaten hier und Rechnungstellen dort, lasse ich den lieben Gott einen guten Mann sein. Es geht mir wieder schlechter. Noch schlechter. An Essen ist nicht zu denken. Nur Wasser kann ich trinken. Ab und an habe ich den Drang das Klo zu besuchen, aber in mir ist kaum mehr etwas, was sich den Weg in die Freiheit suchen könnte. Tim hat mittlerweile bekannt gegeben, dass es ihm zusehends schlechter geht. Jens geht noch kurz mit dem Hund und macht das Büro dann dicht. An Dienst bis 17 Uhr ist nicht zu denken.

Fr, 14:45 Uhr
Ich gönne mir ein heißes Bad um auf Temperatur zu kommen.

Fr, 16:00 Uhr
Eine SMS weckt mich in der Wanne liegend auf. Das Wasser ist noch warm. Ich brauche eine Weile mich aus ihr herauszukämpfen. Ich bin total kraftlos und unendlich müde, aber wenigstens ist mir nun nicht mehr kalt.

Fr, 18:00 Uhr
Ich esse 5 Röstis ausm Backofen, verpasse ihnen noch ne Portion Salz. Schätze, das kann ich brauchen.

Fr, 20:51 Uhr
Hatte meinem Bruder versprochen ihm Drittelergebnisse des Spiels der Roosters in Nürnberg zu schicken. Jetzt nach dem  zweiten Drittel tu ich noch meine Pflicht, gehe dann aber direkt ins Bett. Ist schon lange sinnlos geworden mich wach zu halten.

Sa, 09:00 Uhr
Der Wecker klingelt. Ich bin halbwegs okay, wenn auch schlapp. Die Ganzkörperschmerzen sind weg. Ganz zurück im Diesseits bin ich aber noch nicht.

Sa, 10:00 Uhr
Es sind 10 Grad. Die Jacke trage ich offen, darunter nur ein T-Shirt. Ich schwitze dennoch wie ein Tier, als ich bei meinem Frisör ankomme.

Sa, 11:15 Uhr
Vom Markt habe ich mir zwei überbackene Käsebrötchen mitgebracht, so wie es sie früher gab, mit ordentlich viel Käserand. Ich bin müde, bekomme aber langsam wieder Form.

Nachwort
Lebensmittelvergiftung durch Döner ist uncool. Nach allem was ich dazu im Netz gelesen habe, haben wir wohl Glück gehabt, nicht im Krankenhaus gelandet zu sein. Ich las so böse Worte wie „Einlauf“.. brr… Aber Jens und ich haben im Gespräch festgestellt, dass wir zur Hochzeit beide ernsthaft daran dachten uns einliefern zu lassen. Wenn ich an Schläuche im Po denke, bin ich froh, dass wenigstens dieser Kelch an mir vorüber gegangen ist.

Ausblick
Morgen ist Heimspiel. Mal schauen, wenn wir gewinnen, ist danach traditonell ein „Siegdöner“ fällig – beim Dönermann meines ungebrochenen Vertrauens und nicht beim Gammel-Döner-Mann. Schöner Dönerteller mit Reis und so…

Kommentare (5)

  1. Pingback: Crunchips Döner mit alles! Aber wo ist der Geschmack? - Mein Leben und ich - Alexander Langer

  2. Hi!

    Bin heute aus dem Krankenhaus entlassen worden. Hatte auch eine Lebensmittelvergiftung hinter mir sowie mein Arbeitskollege auch. Wir waren am Donnerstag beim selben Döner-Mann.

    Ein Einlauf ist mir aber Gott-sei-Dank erspart geblieben :)

  3. Gigantisch,welche Lücken selbst ein so gründliches Vorsorge und Kontrollsystem haben kann, wie das unsere. Mein Beileid für die Unannehmlichkeiten.

    Grüße
    Peter

  4. Warum verklagt ihr diesen Dönermann nicht ??? Ich habe gehröt, dass sich Moslems mit der Hand denn Arsch abwischen, kein Wunder, das wir von dem Essen dann krank werden. Für mich ist klar: nur noch bayerische Küche!

  5. Oh Gott, zum Glück hab ich noch nie nen Döner bringen lassen……..

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