Keine Blockbuster Moves: St. Louis Blues überstürzen nichts

25 Jahre in Folge waren die Blues in den Playoffs. Das Ende dieser Serie markierte den Beginn einer noch andauernden (Mini-)Serie von 3 aufeinanderfolgenden Spielzeiten ohne Playoff-Teilnahme. Doch trotz des Versprechens der neuen Besitzer, die Blues wieder unter die Top-Teams der Liga zu führen, verfällt man nicht in Panik.

Während andernorts in der Liga die Stars auf dem freien Markt gejagt und neue Rekordverträge unterzeichnet werden, geht es in St. Louis recht beschaulich zu. Doch obwohlsich im Team nur sehr wenig geändert hat, kann man sich als Fan auf die neue Saison freuen. Grund hierfür ist das zu erwartende Wachstum von innen heraus. Schauen wir uns das Team einmal in Ruhe an:

Tor:

Mit Chris Mason hat man einen Goalie in den Mix aufgenommen, der Legace entlasten und Toivonen aus der Schusslinie nehmen kann, um seine Entwicklung (sollte man an der noch interessiert sein) nicht zu gefährden.

  • Manny Legace (ca. $2.5 Mio p.a.)
    Seine hervorragenden Leistungen im Tor der Blues wurden für den 35jährigen mit der Teilnahme am All-Star Game belohnt. Dass das Team, welches zu der Zeit noch in den Playoff-Rängen spielte, danach abbauen würde, kann man ihm nicht anlasten. Deutlich war jedoch, dass es im Team keinen passenden Backup-Goalie gab.
  • Chris Mason (ca. $3 Mio. p.a.)
    Der 32jährige kam nach der Saison aus Nashville zu den Blues. Er sollte auf dem Papier und natürlich dem Eis in der Lage sein Manny Legace signifikant zu entlasten. Den Aussagen des Managements nach könnte er, bei entsprechenden Leistungen, ein gleichberechtigter Goalie werden. Da Mason für die Predators meist ausgerechnet für die Spiele gegen die Blues eingesetzt wurde, wissen beide Seiten sehr genau, worauf sie sich einlassen.
  • Hannu Pekka Toivonen
    Die Entwicklung des Erstrundenpicks (#29) der Bruins stagnierte nach zwei Jahren als Backup in Boston. In St. Louis trug er die Last des Backups, konnte die Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Mit einer Fangquote von unter 88% hat man es denkbar schwer in der NHL unterzukommen.

Verteidigung:

Die Defense der Blues kann sich sehen lassen. Was ihr zuletzt aber deutlich fehlte, waren Spielmacherfähigkeiten, um zum einen die Stürmer besser in Szene zu setzen, die Scheibe damit auch schnell aus der Verteidigung heraus zu bekommen und zum anderen, um das Powerplay anzutreiben. Mit Erik Johnson verfügt man lediglich über einen Rookie-Offensivverteidiger. Hinter den vier gesetzten Defendern kämpften Matt Walker (43 Spiele), Jeff Woywitka (27 Spiele),  Steve Wagner (24 Spiele), Roman Polak (6 Spiele) und Ex-Berliner Micky Dupont (2 Spiele) um Eiszeit.

Zur kommenden Saison eröffnen sich interessante Perspektiven. Als Ergänzung für die Denfensive hat man den 30jährigen Mike Weaver verpflichtet. Mit Spannung erwartet man aber das Training Camp von Alex Pietrangelo. Der 2008er Erstrundenpick der Blues (#4) wäre laut Scouts in anderen Jahren problemlos die #1 gewesen. Sie bescheinigen ihm die möglicherweise beste Zukunft aller in diesem Sommer gedrafteten Verteidigern, halten ihn aber für noch nicht ganz so weit entwickelt, wie die vor ihm gezogenen Kollegen. Er selbst gibt sich kämpferisch und will es auf jeden Fall ins Team schaffen. Der 190cm große und 94kg schwere Pietrangelo hat Ex-Blues Captain Chris Pronger zum Vorbild und gilt bereits als weiter, als er im selben Alter. Er könnte der Spieler sein, den Coach Andy Murray benötigt um mit mehr Puckkonrolle und Offensive von hinten heraus agieren zu können.

  • Eric Brewer (ca. $4.5 Mi. p.a.)
    Der Kapitän ist auch weiterhin eher für defensive Aufgaben zuständig. 22 Punkte (1 Tor, 21 Vorlagen), das liegt bei ihm im Rahmen, ist aber ausbaufähig und wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Blues vergangene Saison arge Probleme hatten Tore zu schießen, gerade im Powerplay. Bei durchschnittlich 25 Minuten Eiszeit (Platz 1) ist klar, dass Brewer zu den verlässlichsten Defendern im Team gehört. Wertvoller dürften ohnehin seine 123 geblockten Schüssen sein – Platz 3 im Team.
  • Barret Jackman (ca. 3.6 Mio. p.a.)
    Der Erstrundenpick der Blues (#19 in 1999) wurde mit einem brandneuen 4-Jahres-Vertrag ausgestattet. Der 27jährige ist ebenfalls eher ein defensiver Verteidiger (2 Tore, 14 Vorlagen) und gehört zu den unangenehmsten Gegenspielern in der Liga. Dies unterstreicht er mit 135 Hits (Platz 2), 124 geblockten Schüssen (Platz 2) und rund 23 Minuten Eiszeit pro Spiel (Platz 2).
  • Erik Johnson ($850.000 p.a.)
    Die erste Profi-Saison des #1 Picks der Blues aus 2006 verlief äußerst erfolgreich. Wegen eines gebrochenen Fußes kam er lediglich auf 69 Spiele. Nichtsdestotrotz war er punktbester Verteidiger der Blues mit 33 Punkten (5 Tore, 28 Vorlagen). In seiner zweiten Saison wird man ihm sicher mehr als 18:11 Minuten Eiszeit pro Spiel geben. Damit wird er mehr Möglichkeit haben sich im Spielaufbau zu beteiligen. Dass er dazu fähig ist, unterstreichen seine 4 Tore und 14 Beihilfen im Powerplay, wo er den Verteidiger mit der meisten Eiszeit stellte.
  • Jay McKee (ca. $4 Mio. p.a.)
    Jay ist ein Defensivspezialist ohne Offensivfähigkeiten (2 Tore, 7 Vorlagen in 66 Spielen). Seine knapp 18 Minuten Eiszeit pro Spiel (Platz 7) lässt er sich fürstlich belohnen. Seine Spezialität sind geblockte Schüsse (164, Platz 1) und damit die direkte Verhinderung von Torchancen. Mit seiner eindimensionealne Ausrichtung mag der 30jährige in der heutigen NHL überbezahlt wirken, dochda es den Blues nicht an Geld fehlt, fällt dies nicht so stark ins Gewicht. Allerdings macht es das Team-Management schwieriger, da man ihm einen Verteidiger an die Seite stellen muss, der einen guten ersten Pass spielen kann.

Sturm:

Wenn es in der Offensive nicht klappt, tut man sich leicht damit den Stürmern die Schuld in die Schuhe zu schieben. So einfach machen es sich die Verantwortlichen der Blues nicht und setzen auf Kontinuität und die Fähigkeiten ihrer Spieler. Durch das generelle Problem beim Toreschießen haben einige Spieler punktemäßig deutlich schlechter als zuletzt abgeschnitten. Das heißt jedoch nicht, dass die Jungs das Toreschießen verlernt haben.

Interessant dürfte auch das Training Camp werden, denn allem Anschein nach geht man davon aus, dass T.J. Oshie, Erstrundenpick der Blues 2005 (#24) es ins Team schaffen kann und soll. Scouts sprechen ihm das Potenzial zu, es zu einem Erste-Reihe-Spieler zu bringen.

Platz dürfte es im Team geben, denn an dem implodierten Martin Rucinsky bestand schon früh kein Interesse mehr und aus persönlichen Gründen zog es den dienstältesten Spieler der Blues, Jamal Mayers, zurück nach Toronto. Seinen Part beim Forechecking könnte Perron einnehmen, doch seine Position in Unterzahl bleibt  erstmal noch vakant.

  • Paul Kariya (ca. $6 Mio. p.a.)
    Der namhafteste Zugang der letzten Jahre konnte in seiner ersten Saison für die Blues die Erwartungen in ihn nicht ganz erfüllen. 65 Punkte (16 Tore, 49 Vorlagen) erzielte der 33jährige in 82 Spielen. Seine für ihn leicht enttäuschende Punktausbeute dürfte aber eher ein weiteres Indiz für fehlendes spielerisches Element im Team sein. Zu stark waren die Stürmer auf in den gegnerischen Dritteln auf sich allein gestellt.
  • Keith Tkachuk (ca. $4.5 Mio. p.a.)
    In seiner 7. Saison bei den Blues war er noch immer einer der Aktivposten im Sturm. Mit 36 Jahren braucht er sich seiner 27 Tore (Platz 2) und 31 Vorlagen (Platz 3) nicht zu schämen.
  • Brad Boyes (ca.$2.5 Mio p.a.)
    Die Überraschung der Saison kam aus Boston. Der 26jährige Rechtsaußen, der die vorige Saison für Dennis Wideman nach Missouri kam, traf und traf und traf. Am Ende führte er das Team mit 43 Treffern an, was ihn ligaweit auf Platz 7 brachte. Damit setzte erdie meisten Highlights in einer Offensive, die kein gutes Jahr hatte.
  • Andy MacDonald (ca. $3.3 Mio. p.a.)
    Unter der Saison im Tausch für Doug Weight gekommen, hat der Ex-Ingolstädter persönlich eine durchwachsene Saison gehabt. In der Vergangenheit war der 30jährige Center deutlich produktiver, als es seine 54 Punkte (18 Tore, 36 Vorlagen) vermuten lassen. Kann er an seine alten Leistungen wieder anknüpfen, wird man sich in Anaheim noch in den Arsch beißen, ihn haben gehen zu lassen.
  • David Backes (ca.$2.5 Mio. p.a.)
    Anfang Juli zunächst der Schock: Restricted Free Agent (RFA) Backes erhält einigt sich mit den Vancouver Canucks auf ein Offer Sheet über $2.5 Mio. in den kommenden drei Spielzeiten. Ein ziemlich heftiges Preisschild für einen 24jährigen, der gerade erst seine erste komplette NHL-Saison absolviert hatte. Die Blues hatten daraufhin 7 Tage Zeit ihn ziehen zu lassen, oder aber ihn zu denselben Konditionen zu behalten. Es dauerte kaum eine Stunde und es war klar, Backes würde in St. Louis bleiben. Nun, 13 Tore und 18 Vorlagen in 72 Spielen lesen sich nicht wie die Statistiken eines $2.5 Mio. Stürmers, doch schaut man mal dahinter, entdeckt man, dass er mit 240 Hits beinahe doppelt so viele Checks gefahren hatte wie jeder andere Blues Spieler. An ihm wird man die kommenden Jahre noch viel Freude haben.
  • Lee Stempniak (ca. $2.5 Mio. p.a.)
    13 Tore und 25 Vorlagen dürften als kleine Enttäuschung für den 25jährigen gelten, der in der Vorsaison noch 27 Treffer erzielt hatte. Ihm dürfte die Konkurrenz zu Brad Ich-treffe-alles Boyes nciht gut getan haben und so wir er lernen müssen um die Rolle des ersten Rechtsaußen zu kämpfen.
  • Dan Hinote (ca $1 Mio. p.a.)
    114 Hits in 58 Spielen bei gerade einmal 10 Punkten weisen ihn Journey-Man für Reihe 4 aus. Über diese Rolle dürfte der Mann, der mit 31 nie mehr als 15 Punkte in einer Saison erzielt hat, auch nicht heraus kommen, doch er füllt sie hervorragend aus.
  • David Perron ($875.000 p.a.)
    Der Erstrundenbick (#26) der Blues in 2007 schaffte es überraschend sich als fünftjüngster Spieler der Blues-Geschichte im Training Camp für einen Vertrag zu empfehlen. Der 20jährige Ex-Top-Rookie der QMJHL dankte das Vertrauen mit 13 Toren und 14 Vorlagen in 62 Spielen. Dabei rangiert er mit +15 auf Platz 2 aller NHL Rookies. Perron dürfte in der kommenden Saison mehr Eiszeit bekommen, zumal man sich vom völlig enttäuscheschenden Martin Rucinsky getrennt hat. Bemerkenswert ist vor allem, dass er lediglich 5 seiner Punkte in Überzahl erzielte, wo er regelmäßig Eiszeit erhielt.

Ausblick

Wie ein Team abschneidet hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie seine Gegner spielen und in den Divisions, mit denen es die Blues mit Vorliebe zu tun bekommen, gab es bereits eine ganze Reihe hochkarätiger Verpflichtungen. Die Blues verfügen über eine Reihe von großen Talenten im Alter von Mitte 20 und darunter. Das ist einer der Vorteile von schlechten Platzierungen: Hohe Draftpicks. Zwar gibt es keine Garantien, aber der Mix sollte für ordentlich Energie sorgen und die wiederum sollte sich irgendwie im Spiel umsetzen lassen.

Trotz recht bescheidener Saisonergebnisse hatten die Blues zuletzt 20 ausverkaufte Spiele (21.000). Die Zuschauer nehmen das Produkt also an; dieselben Zuschauer, von denen sich vor wenigen Jahren im Schnitt nur 12.000 blicken ließen. Das Management hat Erfolg versprochen, doch scheint diesen vernünftigerweise nicht mit der Brechstange erzielen zu wollen.

Ich freue mich auf die neue Saison, auch wenn ich mich wohl wieder darauf einrichten kann auf NASN nicht allzu viele Spiele der Blues zu sehen zu bekommen.

Mein Tipp: Pietrangelo und Oshie schaffen es ins Team und die Blues wieder in die Playoffs.