Deutsche IDR: Suchmaschinenoptimierung des Grauens

Als ich zuletzt über die Deutsche IDR schrieb, ging es noch um deren dubiose Geschäftspraktken völlig überteuerte Domain-Registrierungen zu verkaufen. Seitdem haben sich zahlreiche Angesprochene zu diesem Artikel gemeldet. Heute berichte ich von einer nicht minder dubiosen Praktik der DIDR, nämlich ihrem Suchmaschinenmarketing.

Ab und an überprüfe ich die Zugriffszahlen meines Weblogs und verschaffe so mir einen Überblick, über welche Suchbegriffe die Besucher zu mir finden und wie hoch die Zielseite zu diesen Begriffen bei Google gelistet wird. Die Suchen vollziehe ich dann auch schonmal nach, um zu schauen, was sich in unmittelbarer Näher um meine Seiten in den Ergebnisseiten getan hat. Als ich den oben verlinkten Artikel vor wenigen Monaten verfasste, gab es nur wenige Referenzen zur Deutschen IDR, abgesehen von ihrer eigenen Webpräsenz. Mittlerweile haben auch viele andere Profi- und Hobby-Blogger das Thema aufgegriffen, was ich abseits meines Rankings als aufklärerischen Erfolg werte.

Google Suchergebnisse für “Deutsche IDR”

Zur Suchphrase „deutsche idr“ wird auch weiterhin die Website der Firma mit Sitz in Berlin an Nummer 1 geführt, was wenig verwunderlich ist. An Platz 2 folgt aktuell mein Artikel, direkt gefolgt vom Artikel „DeutscheIDR lockt mit überteuerten Domain-Registrierungen“ vom Gulli-Team, den es seinerzeit auch bereits gab. Dahinter allerdings hat sich zwischenzeitlich einiges getan. Es folgt eine Website mit dem eigenartigen Titel „DeutscheIDR? was steht IDR?“. Noch seltsamer ist die Domain, auf der das Ganze steht, nämlich „www.uberdeutscheidr.de“ (Adresse absichtlich nicht verlinkt). Was als übel ins Deutsche übersetzte Seite eines fiktiven Wörterbuchs daherkommt, beinhaltet ganz unten einen Link auf „www.deutsche-idr.de“.

Fake Wörterbuch Website uberdeutscheidr.de

Weiter unten auf Seite 1 der Suchtreffer findet sich eine Seite mit dem Titel „DeutscheIDR – Dikipedia, der freien Enzyklopädie über Deutsche IDR“ auf der Domain „www.deutscheidrblog.de“ (Adresse absichtlich nicht verlinkt). In den Suchergebnissen mit diesem Titel getarnt als Eintrag in einem nicht existenten Online-Lexikon (Namensähnlichkeit mit einer weltbekannten Online-Enzyklopädie sicher nicht nur zufällig), enthält die Seite lediglich ein Wortkuddelmuddel, in dem immer wieder „deutsche“, „idr“ und „DeutscheIDR“ auftauchen, teils verlinkt mit „www.deutsche-idr.de“, teils mit „deutscheidr.blogspot.com“.

Fake Dikipedia Website deutscheidrblog.de

Deutsche IDR Fake Weblog auf Blogspot

Von dort aus geht es dann wiederum auf „www.deutscheidr.de“, „www.deutscheidrinfo.de“, „www.uberdeutscheidr.de“, „deutscheidr.wordpress.com“, usw., usf.

Fake Weblog auf WordPress für Deutsche IDR

Was soll der Unfug?

Dieses ganze Netzwerk aus gegenseitig verlinkten Domains mit kauderwelsch und wenigen „echten“ Begriffen dient natürlich nur dem einen Zweck, für die Suchphrase „deutsche idr“ ein möglichst hohes Ranking in Suchmaschinen zu erzielen, am Ende möglichst für die Hauptdomain. Dass dies kein Zufall oder Rache eines (Ex-)Kunden ist, zeigt ein Blick in die WHOIS-Daten der Domains, woe INhaber und Registrar öffentlich einsehbar sind. Diese Domains sind nämlich eingetragen für / registriert von der Deutschen IDR GmbH, einem Olof Muller (vermutlich ein ‚Müller‘, während in den Pseudo-Blogs ein gewisser „Olav“ schreibt), in Berlin. Registriert wurden die Domains in den April-Monaten 2007 und 2008.

Inhaltlich haben diese Domains rein gar nichts zu bieten. Sie sind nicht für menschliche Besucher gedacht, sondern allein für Suchmaschinen. Denen sind zur Zeit Grammatik, Rechtschreibung und inhaltliche Semantik noch völlig egal und darum funktioniert solches Gebahren derzeit auch. Die ständige Weiterentwicklung der Suchalgorithmen von Google und Co. wird solche Praktiken, wie bereits diverse andere zuvor, irgendwann erkennen und dann ordentlich Strafpunkte, sog. Abwertungen / Penalties verteilen. Dann erreicht die DIDR genau das Gegenteil von dem, was sie hiermit vorhat.

Ob der Aufwand überhaupt nötig ist, ist eine andere Frage. Ich meine mich zu erinnern, auch mal kurzfristig mit meinem Artikel noch vor der Deutschen IDR auf Google gerankt worden zu sein. Da ist man in Berlin vermutlich hellhörig geworden. Natürlich wünscht man sich keinen investigativen Artikel, der höher gelistet ist, als das eigene Angebot. Wenn dann noch dazu kommt, dass solche zusätzlichen Websites trotz ihrer Gehaltlosigkeit für menschliche Besucher höher gelistet werden als Artikel, die sich kritisch mit dem Geschäftsmodell der Deutsche IDR GmbH beschäftigen, dann hat man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und unliebsame Konkurrenz von den Trefferseiten verdrängt.

Warnung an alle Webmaster

Von dem scheinbaren Erfolg der Suchmaschinenoptimierung sollte sich niemand verführen lassen, es ähnlich zu handhaben. Mit aktuelle rund 564.000 gelisteten Treffern für die Keyword-Kombination „Deutsche IDR“ ist SEO für diese Begriffe recht einfach. Die meisten Betreiber von Websites haben es weitaus schwerer, da sie ihr Dienstleistungen und Pridukte unter markt- und branchenüblichen Bezeichnungen führen und entsprechende Suchen berücksichtigen müssen. Da ist die Konkurrenz im Web viel größer und kann mit so einfachen und plumpen Mitteln kaum ausgestochen werden. Naja, wenn so kann die DIDR doch wenigstens als schlechtes Vorbild herhalten, um zu zeigen, wie man es nicht machen solle. Ein zweifelhafter Ruhm, aber besser als gar keiner.

Was eure Websites und die eurer Kunden angeht solltet ihr nie vergessen: Content is King – und die Leser nicht vergessen!

Kommentar (1)

Kommentare sind geschlossen.