Vom PC zum Mac: Der Anfang

(Ganz kurze) Vorgeschichte

Am Freitag war es endlich soweit: Der Paketdienst brachte mir meinen ersten Apple-Rechner, einen 20″ iMac. Im Laufe der Jahre haben sich viele Rechner und diverse unterschiedliche Systeme unter meine Finger verirrt, aber Apple Rechner hatten sonst bestenfalls die Kolleginnen und Chefs auf der Arbeit. Selbst im Bekanntenkreis finden sich nur über Ecken Mac-User.

Nach so vielen Jahren mit allen Windows-Versionen und diversen Versuchen endgültig privat auf Linux umzusteigen, war es nun aber an der Zeit die letzte Hürde zu nehmen, wie schon so viele vor mir. Gerade unter Software- und Web-Entwicklern erfreuen sich Macs großer Beliebtheit, wie viele Screenshots, Screencasts und Rundblicke auf Fachmessen verraten.

Wir packen es aus

Als ich dann auf der Arbeit das Paket auspackte…. Weihnachten ist gar nichts dagegen! iMac aus dem Karton heben, auf den Tisch stellen, Netzkabel hinten rein, Tastaturper USB anschließen, Maus an der Tastatur anschließen – fertig! Fertig? Nein, nicht ganz. Wie schalte ich das gute Stück eigentlich an? Während ich noch teste und grüble grinst sich Arbeitskollege Markus Kaehler einen, denn von seinem Platz aus sieht er, was ich von meinem Platz nicht sehen kann: Den Ein-/Aus-Schalter links unten an der Rückseite.

Apple iMac 20″ mit Apple Keyboard und Mighty Mouse

Einmal kurz gedrückt und schon ertönt ein angenehmer Ton, im Kontrast zum gewöhnlichen und nervigen Piep! eines PC, der Bildschirm wird weiß und dann gehts auch schon los und der Rechner fragt nach den grundlegenden Einstellungen. Er erkennt direkt die drahtlosen Netzwerke. Ich gebe den Schlüssel zu unserem WLAN an und gut iss. Er erfragt meine persönlichen Eckdaten und meinen Apple-Account – soll er haben. Dabei hat er auch gleich über die eingebaute iSight-Kamera ein Foto von mir gemacht. Daten von einem anderen Mac importieren fällt flach, das kann ich überspringen. Ich habe aber die Tage in einem Mac-Forum gelesen, dass man so über Netzwerk oder auch Firewire-Kabel ein komplettes Profil samt Softwareinstallationen von einem Mac auf einen anderen übertragen können soll. Ich habe das mal mit Vista probiert, aber viel verlorener Zeit und Nerven brachte das nichts ein. Dann gings im Grunde auch schon ab ins System. Mag sein, dass ich Reihenfolge durcheinander bringe oder Sachen vergessen habe – es war ja so neu und spannend!

Tastatur und Maus

Sodele, angekommen aufm Desktop gehts für mich auch gleich ab in die Systemeinstellungen. Dort wird erstmal die Rechtsklickfunktion der Mighty Mouse aktiviert. Bei der Gelegenheit stelle ich auch gleich Mausgeschwindigkeit und Anschlagsverzögerung und Wiederholrate der Tastatur ein. Wo wir gerade dabei sind: Mit der Maus komme ich prima klar. Privat nutze ich sonst eine Logitech MX510 und im Büro eine Logitech VX Revolution. Vom subjektiven Eindruck her kann die Mighty Mouse aber mithalten, gerade das Scrollgefühl mit dem in alle Richtungen beweglichen Scrollball (aka Kitzler) ist sehr gut. Etwas umständlich empfinde ich noch die seitlichen Zusatztasten, weil man auf Anhieb meist eher die Haupttaste bedient (die ja die gesamte Mausoberfläche bildet).
Das Apple Keyboard vermittelt ebenfalls ein sehr angenehmes Gefühl. Da ich seit Jahren am Notebook sitze und auch für den Festrechner im Büro mit der Cherry CyMotion eine notebook-ähnliche Tastatur im Einsatz habe. Gewöhnungsbedürftig sind natürlich zunächst die abweichende Belegung sowohl was Funktion als auch Sonderzeichen angeht.

Oberfläche und erste Eigenheiten

Während ich mich so durch die Systemeinstellungen klickte und mitgelieferte Programme ganz kurz antestete, bemerkte ich auch schon die ersten Eigenheiten. Dialogboxen erscheinen nicht eigenständig als Fenster, sondern klappen oben aus dem Fenster der jeweiligen Anwendung heraus.

Dialogboxen in Mac OS X springen aus der Titelzeile des Anwendungsfensters

Aber okay, das kannte ich ja bereits von der Windows-Version von Apples Safari-Browser.

Ungewöhnlich, oder sagen wir besser für mich ungewohnt, war auch der Mischmasch im Dock. Neben dort abgelegten Icons zum Start derjeweiligen Anwendung finden sich dort auch die Icons laufender Anwendungen und die Ordner „Dokumente“, „Downloads“ und „Papierkorb“. Laufende Anwendungen werden mit einem kleinen blauen Leuchtunkt unter dem Icon symbolisiert und so kam ich auch erst drauf, dass unter Mac OS X Programme nicht durch Schließen des Programmfensters geschlossen werden. Ein Druck auf Command-Tab zur Anzeige / dem Durchlaufen aktiver Anwendungen bestätigte dies. Stattdessen werden Anwendungen durch Command-Q oder über den entsprechenden Punkt im Hauptmenü geschlossen.

Daran gewöhnt man sich im Grunde recht schnell und so kommt man schnell darauf, dass man das Anwendungsfenster von Apples Mailprogramm einfach schließen kann und dennoch nichts verpasst. Wenn eine Anwendung etwas vom Benutzer möchte und das Fenster verdeckt ist, dann hüpft das Icon sichtbar im Dock und bettelt um Aufmerksamkeit. Kommt im Falle von Mail.app eine Mail bei geschlossenen Fenstern rein, wird das Icon im Dock ebenfalls zur Anzeige der Anzahl neuer Nachrichten genutzt:

Mac OS X Dock mit Mail, welches gerade ungelesene E-Mails signalisiert

Ach, nochwas zu Command-Q (ehem. Apfel-Q): Dort wo die rechte Command-Taste sitzt, nämlich direkt rechts neben der Leertaste, haben PCs die AltGr-Taste. Über AltGr-Q tippt man auf dem PC ein @-Zeichen. Was passiert also ganz gerne mal, wenn man beim Tippen? Klar, man schließt eine Anwendung – zumindest wenn keine ungespeicherten Daten vorhanden sind. In dem Fall fragt das Programm natürlich netterweise mal nach, ob der Benutzer es auch ernst meint.

My Mac is my castle

Es dauerte nur wenige Minuten an meinem iMac, da musste ich natürlich erstmal ein bischen Software installieren. Als erstes kam Adium an die Reihe, ein freier Instant Messenger, der wohl so ziemlich alle derzeit gängigen Protokolle abdeckt, darunter auch ICQ, AIM, MSN und Yahoo.

Adium: Ein Multi-Protokoll-Instant-Messenger für Mac OS X

Adium benutzt dabei automatisch das Benutzerbild von mir, welches ich Freiag beim ersten Start des Mac mit der iSight Kamera habe schießen lassen. Als nächstes musste natürlich Firefox installiert werden, auf den ich alleine schon wegen der Synchronisation dank Google Browser Sync und diverser Plugins wie Firebug, angewiesen bin.

A propos Installation: Das funktioniert beim Mac „natürlich“ anders als bei MS Windows. Programme werden installiert, indem man sie z.B. per Drag&Drop in den „Programme“-Ordner verschiebt. Auch Programme, die dort nur mit einem Icon dargestellt werde, sollen, wie ich las, eigentlich komplette Verzeichnisse sein. Ich nehme an es ist ein bestimmter Mechanismus, der beim Verschieben in diesen Ordner dafür sorgt, dass eine mitgelieferte Installationsroutine aufgerufen wird. Gleichsam werden Programme deinstalliert, indem man sie in den Papierkorb befördert, also so, wie wir es uns auf dem PC mit Windows 95 abgewöhnt haben.

Viele andere spannende Dinge gibt es noch zu berichten, aber die hebe ich mir für die kommenden Artikel auf.

Kommentare (11)

  1. Hi Al,

    wenn Du Bock hast beschreib doch mal die Qualität der IMAP Implementierung von Mail…da finde ich im Web nur widersprüchliches :-/

    Gruß
    cphr

  2. Müsste ich mal austesten, am besten mit dem Postfach, in welches ich serverseitig den Spam verschieben lasse. Soll ich auf etwas Spezielles achten?

    Solltest du gar auch wechselwillig sein?

    Ich schau mal sobald ich heute Abend ausm Studio zurück bin. Voraussichtlich irgendwann nach 22 Uhr.

  3. Jo!

    Eigentlich kitzelt es mich schon lange in den Fingern…Ertappe mich dauernd auf gravis, apple.de, unimall und Co. renne gezielt beim Einkaufsbummel Hackenschlagend in den Saturn wenn da das 24″ Imac teil steht. Kaufe das ct Mac special..überlege wie cool Timemachine doch wäre.

    Und dann denk ich mir ..eigentlich wolltest Du es doch alles Server based haben…virtualisiert dazu, Netzwerktransparent per nomachine, den Desktop rund um den Globus (und von der Arbeit aus *g) verfügbar..per OTP Generator im Handy und mit NX als Beschleuniger ..mit billigen ThinClients im Büro und direktet Anbindung ans FreeNAS iScsi SAN…
    …Aber das ist optisch sooo uncoool *g
    …und ausserdem werde ich dann weiterhin den Feierabend bastelnd und frickelnd verbringen statt die nächste Metaebene anzustreben ;)

    Aber diese Ungewissheit…wird es für diesen stattlichen Preis (Apple sollte das A im Markennamen meiner Meinung nach mit Paracelsus Stab stilisieren) auch das bringen was man von ihm erwartet…vermisst man irgenwann doch noch das befriedigende gefrickel, mit 0 Startkapital aber 100% möglicher One-Man-Power den bestmöglichen superinteroperablen RZ-in-a-box Moloch geschaffen zu haben?

    Verstehst Du was mich umtreibt ? ;-)

  4. Naja, frickeln knnst du ja nebenher weiter, aber es ist doch schön zu wissen, dass wenn mal wieder alles verfrickelt ist, es da noch eine verlässliche Konstante gibt, die einfach funktioniert… (jaja, starke Worte nach gerade einmal 4 Tagen Apple-User-Dasein)

    Also ich hab mal eben meinen Spam-Account als IMAP-Konto eingerichtet, so wie ich es auf der Arbeit auch mache und weiß jetzt nicht wo speziell Mail.app da Probleme haben soll, aber so auf Anhieb fällt mir nüscht auf.

    Zur Not: Thunderbird 3 steht ja auch noch vor der Tür ;)

  5. Achja was mich an der Mail Implementierung von IMAP besonders interessiert ist ob Spotlight die Inbox indizieren kann und ob Mail allgemein IMAP so benutzt wie es sein sollte (also nicht als POP3 Fetcher nur mit IMAP Protokoll). Da Apple einen Service wie .Mac anbietet der genau das macht was auch mit IMAP geht, habe ich da so meine Befürchtungen. Vendor Lock-in …das können die ;)

    Hätte ich endlich mal die Eier und nen Imac auf dem Tisch wäre dann das http://www.brad-x.com/2007/10/27/howto-leopard-time-machine-over-iscsi/
    als zweites dran
    bzw http://www.studionetworksolutions.com/products/product_detail.php?pi=11
    (ISCSI Target via FreeNAS)

    Harrend
    Dero cphr

    P.S. http://youtube.com/watch?v=it9nfPGTrgI

  6. Ich meine es stand auch im c’t Special, dass Mail.app IMAP Mails runterlädt, eben um sie via Spotlight indizieren zu können. Zumindest ist das die Voreinstellung, um auch offline mit den IMAP Mails arbeiten zu können. Ich kann aber u.a. auch konfigurieren „Keine Kopien von E-mails behalten“. In dem Fall warnt Mail auch kurz, dass mit dieser Einstellung das Durchsuchen ebensowenig wie die integrierte Spam-Mail-Erkennung funktioniert.

    Time Machine habsch mir noch nicht gegeben (auch wenn ich die Präsentationen kenne und geil finde), in Ermangelung einer ausreichend großen und leeren externen Platte. Die, die ich hab ist eh schon beinahe voll ;)

    P.S.:
    Cooler Link, der Bodo kann was! :)

  7. Interessanter Bericht. Aber was ich mich schon immer gefragt habe: Wie siehts denn mit dem Aufrüsten unter Mac aus? Kann man sich da auch einzelne Komponenten kaufen, um die Leitung zu verbessern, oder muss man da gleich wieder einen komplett neuen Mac holen?

    Und noch was: Als ich vor ca. 5 Jahren mal für ne Woche am Mac arbeitete, musste ich feststellen, dass am Mac die rechte Maustaste nicht funktioniert. Um ins Kontext-Menü zu kommen, musste man die Apfel-Taste und die Maus klicken. Funktioniert jetzt unter Mac endlich die normale rechte Maustaste, wie das bei Windows der fall ist?

  8. Je nachdem von welchem Mac-Modell wir sprechen ist das Aufrüsten recht eingeschränkt. Bei Mac Mini und iMac kann man Festplatte und Hauptspeicher aufrüsten, mit Glück auch mal die CPU. Darin unterscheiden sie sich nicht von ähnlichen All-in-One-Produkten aus den Häusern Dell oder Sony. Beim Mac Pro kann man dagegen u.a. durch Standard-Einsteck-Karten einiges zusätzlich einbauen.

    Früher haben mich solche Gedanken auch beschäftigt und abgeschreckt. Aber nun arbeite habe ich privat und beruflich jahrelang ausschließlich an einem Notebook gearbeitet, dass mich noch immer treu begleitet, und viel mehr als Hauptspeicher (von 512 MB auf 2 GB), Festplatte (von 80 GB auf 160 GB) und CPU (minimal von 1.6 GHz auf 1.8GHz) kann man da auch nicht aufrüsten und stören tuts mich persönlich nicht.

    Auch bei nem PC von der Stange ist es in der Praxis so, dass dort nicht auf ewig erweitert werden kann, weil es dann eben neue CPUs gibt, die das Board nicht unterstützt (neue Spannungen, anderer Sockel), es neue RAM-Speicher gibt (DIP -> DIL -> SIP -> SIM (FP und EDO) -> SD-RAM -> DDR-RAM -> DDR2 -> DDR3), es neue Erweiterungssteckplätze gibt (ISA 8/16 Bit, VLB, PCI 32/64 Bit mit 33/66MHz, PCI-Express, …), es neue Board-Formate gibt, es neue Netzteilstecker gibt, es neue Massenspeicher-Interfaces gibt, usw. usf.

    Was man damit erreicht ist in der Praxis in der Regel nur das Hinausschieben des Unausweichlichen, nämlich der Neuanschaffung eines aktuellen Systems mit aufeinander abgestimmten Komponenten, anstatt sich weiterhin mit einer Karre rumzuplagen, die hardware- und treibertechnisch wie Frankensteins Monster daherkommt.

    Von daher sehe ich das mittlerweile sehr relaxed.Vom reinen Speed her hat mir nun fast dreieinhalb Jahre mein 1.6 GHz Single-Core Notebook mit Windows XP völlig ausgereich und das tut es auch noch.

    Was die Maus angeht schrub ich ja bereits „Dort wird erstmal die Rechtsklickfunktion der Mighty Mouse aktiviert.“. Auch wenn man keine zweite Taste sieht, kann die Maus zwischen Links- und Rechtsklick unterscheiden. Per Klick auf den Scrollball hat man noch eine dritte und mit den beiden Tasten an der Seite noch eine 4. und 5. Taste, wobei ich die seitlichen Tasten mit meinen Händen und meiner Fingerfertigkeit kaum fehlerfrei bedienen kann, ohne noch versehtnlich was anderes zu drücken. Aber das Problem habe ich mit den Zusatztasten auch meiner beiden Logitech-Mäuse und die waren beide nicht billig.

  9. Erstmal Sehr gute Entscheidung.
    Ich benutze auch nur noch Apple Computer zur zeit ein Macbook Pro 15,4″ und bin sehr zufrieden damit.
    Ich hab mir auch schon überlegt mir eine iMac zu besorgen. Aber ich schwanke noch zwischen 20″ und 24″.
    Wenn du Lust hast kannst du ja mal noch ein Fazit nach den ersten 2 wochen oder so schreiben

  10. Ich wollte schon längst wieder diesbezüglich gebloggt haben, kam nur bisher nicht dazu. Ich werds diese Woche noch nachholen :)

  11. Pingback: Vom PC zum Mac: 3 Wochen später - Alexander Langer

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