Gedanken zur Schwerkraft

Die Schwerkraft wurde im 17. Jahrhundert von dem Engländer Isaac Newton erfunden. War die Leichtigkeit des Seins bis dahin buchstäblich, so änderte seine Erfindung dies schlagartig. Fortan schwangen wir uns nicht mehr behende von Ast zu Ast. Stattdessen fielen Äpfel ebenso zu Boden wie alte Leute. Ließ man die gefallenen liegen, bekamen sie Druckstellen und in schlimmen Fällen verwandelte ein Fall aus größerer Höhe sie zu Muß. Aber auch Bäuche und Gesichter hingen von nun an unter dem Einfluss der Schwerkraft nach unten und die Fertilitätsrate sank deutlich, denn immer mehr Menschen bekamen einen Hänger.

Dies besserte sich erst mit Albert Einstein. Der Deutsche Physiker war es, der 1916 die in die Jahre gekommene Schwerkraft Newtons zu einer geometrischen Eigenschaft der vierdimensionalen Raumzeit werden ließ. Es sollte lange dauern, bis diese Verbesserung als solche allgemein wahrgenommen wurde und diese Zeit nutzte man, um wieder beschwingter durchs Leben zu gehen, da die einen nicht verstanden, was der Einstein da erfunden hatte und es den anderen völlig egal war. Nun hatte der doch eher schwerfällige Walzer als Gesellschaftstanz ausgedient und machte Platz für behendere Tänze, wie den Foxtrott, den Charleston, den Swing und später gar den Rock & Roll.

Erst die Novellierung vieler Schulbücher, die nun auch Einsteins Raumzeit und seine verbesserte Schwerkraft – viel lieber als ‚Gravitation‘ bezeichnet – behandelten, rückte diese wieder derart in das Bewusstsein der Allgemeinheit, dass sich erneut die Schwermut breitmachen konnte. Als direkte Folge entstanden Plattenbauten in der DDR, das Wembley-Tor, Wirtschaftskrisen und Ottfried Fischer.

Für mich ganz persönlich ist Schwerkraft auch ein Wohlfühlfaktor. Morgens zieht mich die Schwerkraft regelmäßig wieder zurück ins Bett und nach einem langen Tag wirken die Augenlider tonnenschwer. Nicht zuletzt ist es die eigene Trägheit beim Heraufsteigen von Treppen und das verdächtige Wackeln von Körperteilen beim Hinabsteigen, das den Schluss nahelegt, dass Newton und Einstein einem fundamentalen Wohlfühlprinzip auf der Spur waren: Je Schwerkraft, desto schlimmer.

Komplexe, Depressionen, Bulimie und Pickel – alles Folgeerscheinungen eben jener unheilvollen Erfindung.

Doch ich will mich nicht kampflos geschlagen geben und ziehe nun gegen die Schwerkraft zu Felde. Im Medivital in Hemer hilft man mir dabei den Stahl zu härten und die Messer zu wetzen. Newton und Einstein sind tot – kein Vorbild, dem man nacheifern sollte.

Widerstand ist NICHT zwecklos!