Im Kino: Cloverfield

Manhatten, New York – Robert Hawkins hat das große Los gezogen und wurde zum stellvertretenden Chef eines namenlosen Irgendwas ernannt. Das nehmen seine Freunde zum Anlass eine Überraschungsparty zu feiern. Während die Party in vollem Gange ist filmt Robs bester Kumpel Hudson die Wünsche der Gäste (allesamt in ihren Zwanzigern) für Rob. Als die Erde bebt und das Licht ausfällt bricht Panik aus, sind doch die Erinnerungen an den 11. September noch immer recht frisch. Minuten später wird klar, dass ein ungeladener Gast in New York City ist und es nicht nur auf Robs Party abgesehen hat.

Fünf Freunde stehen im Mittelpunkt des Film, der nichts anderes ist als das Videoband aus Robs eigenem Camcorder. Hud, der die meiste Zeit über die Kamera bedient, würde sicher keinen Academy Award gewinnen, ganz abgesehen davon, dass er sich als ziemlicher Honk erweist. So erinnert der Film durch diese unorthodoxe Sicht an „Blair Witch Project“.  Wer bei diesem Film, oder in den ersten 20 Minuten von „Der Soldat James Ryan“ Probleme mit dem Magen bekommen hat, sollte auf diesen Film verzichten. Mich persönlich hat das Gewackel nicht weiter gestört. Es verleiht dem  Film die notwendige Authentizität und Spannung durch Unschärfe. Mitunter möchte man Hud zurufen, er soll gefälligst mal in die andere Richtung und still halten, oder man verspürt den Drang die Kamera zu nehmen und nochmal kurz zurück zu spulen um sich etwas nochmals in Zeitlupe und mit Standbild anzuschauen.

Cloverfield Filmposter

Man könnte den Film als eine Mischung aus „Blair Witch Project“ und Spielbergs Neuverfilmung von „Krieg der Welten“ charakterisieren. Neben der Kameraführung hat man aus Blair Witch auch das Konzept von vielen neuen frischen Gesichtern übernommen. Spielberg hätte aus dem Film sicher eine klinisch perfekte epische Story gemacht, in der seine exorbitant teuren Hauptdarsteller (vorzugsweise Tom Cruise, der sein ganzes Leben wie eine Rolle spielt) in einer exorbitant teuren und perfekten CGI-Kulisse ein Liebesdrama in Zeiten des Chaos auf die Leinwand bringen würden.

Zum Glück ist der Film nicht von Spielberg und  so geht man dosierter mit Special Effects um, die dafür aber eher klotzen anstatt zu kleckern  und auch die Liebesgeschichte wirkt nicht so klischeehaft und schnulzig wie bei Steven S. Nicht verstecken müssen sich die Gestalten des Films vor ihren Vorbildern. Auch Aliens und Godzilla könnten hier noch etwas lernen.

Ich beglückwünsche die Macher von „Cloverfield“ zu ihrem Mut das Thema nicht in Form einer perfekten Inszenierung zu verfilmen, sondern es gewissermaßen unscharf und grungig umzusetzen und zu erzählen. Der Film selbst stellt keine Fragen und er gibt auch keine Antworten. Der Film ist einfach nur was er ist – das private Videotape von Augenzeugen.

P.S.:
Ich weiß, es tut nichts zu Sache, aber die Mädels sind echt hübsch und vermutlich sagen Mädels das gleiche über die Jungs.. ;-)

Kommentare (2)

  1. Ich muss dir beipflichten, Alexander: klasse Film. Die ungewöhliche Machart und das mutige Ende bleiben deutlich länger haften als jeder Hochglanz-Trash. Umso interessanter, dass J.J. Abrams ja eigentlich kein Independentproduzent ist.

    Die Wucht des Monsters ist wirklich beängstigend, und man weiss selbst am Ende noch nicht genau, wie es eigentlich aussieht – eine reife Leistung. Einzige Logiklöcher sind darsteller, die eigentlich schon tödlich oder sehr schwer verletzt schienen und dann doch noch recht schnell laufen können – der Rest überzeugt.

    Insgesamt vielleicht was für Filmfreaks, die die ganzen Hochglanzfilme schon gesehen haben. Ein weiterer All-Time Favourite von mir ist aber trotzdem King Kong von Peter Jackson – leider war der ja gemessen am Aufwand ein Flop.

  2. Ein Arbeitskollege, der mit Freunden in dem Film war, erzählte mir die Tage, dass ein Mädel aus seiner Gruppe durch das Gewackel schlecht geworden ist :D

    Ich sehe übrigens gerade den Trailer zu „Diary of the Dead“, einem neuen Zombie-Streifen von George A. Romero, der ebenfalls aus der Perspektive eines Hobbyfilmers gedreht ist.

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