Weihnachtsessen [Upd.]

Am 1. Weihnachtsfeiertag gibt es das traditionelle Familienessen, mit Eltern, Bruder samt Familie (Frau, zweiKinder), Schwester samt Familie (Mann, zwei Kinder) und mir (keine Frau, keine Kinder). Jahrelang hat mir dieser Tag ernsthafte Probleme bereitet, denn ebenso traditionell verdrücke ich mich Heiligabend-Abend in die Schauburg und saufe mir das Hirn aus dem Schädel. Das führte natürlich – ebenso traditionell – zu ernsthaften Problemen, wenn man am folgenden Mittag wieder feste Nahrung zu sich nehmen muss. Oh, was habe ich mir nicht schon für Kämpfe mit meinem Magen und der Kloschüssel geliefert, am Ende saß ich weiß oder grün am Tisch nud stocherte angewiedert im Essen herum. Dabei hätte ich allein für die Leistung in meinem Zustand überhaupt halbwegs pünktlich zum Essen zu erscheinen eigentlich eine Auszeichnung verdient gehabt…

Diese Essen fanden bisher im schönen Wechsel bei meiner Schwester und meinem Bruder statt. An mir blieb zuletzt lediglich hängen mich vielleicht um Getränke zu kümmern, denn aus Vodka, dunklem Weizenbier, Red Bull und Kirschsaft kann man leckeren Stier machen (andernorts entspricht es glaube ich in etwa der Geisenmass). Aber irgendetwas musste sich ändern und so dachte ich mir etwas aus, dass den Druck auf mich erhöhte, mich Heiligabend nicht ganz so sehr gehen zu lassen. Ich entschied mich das Kochen zu übernehmen. Somit war es an mir früh aufzustehen, kaum dass ich ins Bett gekommen war und mich an den Herd zu stellen.

Mein Debüt als Familienkoch feiertze ich vergangenes Jahr. Ich kann nicht behaupten mich Heiligabend zurück genommen zu haben, aber ich habe den vielen Alkohol sehr gut vertragen und kreuzte wie verabredet schon früh vormittags bei meiner Schwester auf. Dort jonglierte ich mit allerlei Zeugs und servierte als Vorspeise eine Käse-Lauch-Suppe, die trotz Bedenken sehr gut ankam (ok, ein guter Schluck des Weißweins landete nicht in der Suppe, sondern im Magen des Kochs). Als Hauptgang gab es zum einen gefüllte Kalbsbrust mit gratinierten Ofenkartoffeln und zusätzlich Teriyaki-Steaks. Nun, Kalb ist nicht jedermanns Geschmack und die Ciabatta-Artischocken-Füllung las sich besser, als sie mir schmeckte. Aber die Teriyaki-Steaks waren klasse, zumal ich mir die Teryaki-Sauce selbst zusammengemixt hatte und ein bischen zuviel Peperoni verwendete, was aber seitens der Familie meines Bruders auf Begeisterung stieß, während Schwester und Schwager nicht gerne so scharf essen – jeder Jeck ist eben anders.

Nächste Woche bin ich wieder dran. Ich wollte eigentlich eine Soljanka vornweg machen, aber allgemein wurde gewünscht, dass ich wieder meine Käse-Lauch-Suppe kredenze und so beuge ich mich der Mehrheit. Als Hauptgang gibt es jeweils 2 kg Hirsch und Wildschwein, dazu gibts Klöße, Kartoffeln, Rotkohl und vermutlich Bohnen im Speckmantel, aber wie ich mich kenne, werde ich mir kurzfristig noch etwas zusätzliches einfallen lassen. Auf jeden Fall gibt es zum Spülen wieder leckeren Stier – man soll ja am Morgen weitermachen, womit man den Abend aufgehört hat. Ich überlegs mir mal in Ruhe, vielleicht ereilt mich noch ein Geistesblitz.

Nachtrag:

Das Essen verlief ohne Probleme. Bei der Käse-Lauch-Suppe dachte ich zunächst, ich habe sie versalzen, aber eine weitere beginnende Erkältung hat mir wohl den Geschmack verwirrt. Beim nächsten Mal werde ich etwas weniger Weißwein nehmen (aber nen guten Weißwein zu nehmen war definitiv die richtige Entscheidung) und vielleicht mehr Käse/Schmand/Hackfleisch. Dennoch war sie für meinen Geschmack noch eine Ecke besser als im Vorjahr.

Meine das Fleisch betreffenden Befürchtungen trafen ebenfalls nicht ein. Nach ordentlichem etwa 20-25 minütigem Anbraten verschwanden beide Stücke im vorgewärmten Backofen auf dem Rost bei 80 Grad unter Benutzung eines Backofenthermometers. Kurz drauf löste ih den Bratensatz durch Aufkochen mit einem Schuss trockenen Rotwein (ein Cabernet Souvignon) und gab ihn mit dem grob gewürfelten und währenddessen angebratenen Gemüse (2 Bund Suppengrün) zusammen mit der gehackten Petersilie und den vor dem Anbraten des Fleischs abgestriffenen Gewürzen und etwas Tomatenmark in den das Fleisch die Nacht mit Olivenöl ruhte, in eine große hohe Pfanne (Nelken, Zimt und Lorbeer hatte ich dabei rausgesucht und weggelassen). Auf kleinster Stufe ließ ich das  Gemüse in einer Mischung aus Wildfond von Lacroix und dem Rotwein ziehen.

Als eine Stunde vor dem Startschuss die Fleischtemperatur laut des Fleischthermometers, das ich mir ebenfalls besorgt hatte, „nur“ 55 Grad betrug, setzte ich die Ofentemperatur auf 120 Grad herauf. Während die Beilagen zubereitet wurden, wurde das Gemüse gesiebt und die Flüssigkeit  reduziert, mit süßer und saurer Sahne verfeinert und abgeschmeckt.

Ziemlich pünktlich um 14 Uhr, als wir mit der Suppe begannen, zeigte das Fleischthermometer 75 Grad an, worauf ich den Backofen abschaltete. Es folgte dann der große Augenblick, als die Beilagen servierfertig waren und ich meine zweite Flasche Wein (einen Merlot) bis auf das letzte Glas selbst verkostet hatte und ich holte das Fleisch aus dem Ofen. Zunächst konnte ich es kaum erwarten und gönnte mir selbst erstmal ein kleines Stück vom Rande des Hirschs – köstlich! Beim Anschneiden beider Stücke glitt das Messer problemlos durch das Fleisch, das wie geplant auf den Punkt durchgegart, zart und verflucht lecker war.

Fürs nächste Mal muss ich mir merken, mehr auf den Eigengeschmack des Hirsches zu stehen, als auf den deutlich gewöhnlicheren Geschmack vom Wildschwein.

Kommentare (3)

  1. Ich wußte gar nicht, dass du eine Schwester hast…. man lernt nie aus.

    Aber du machst wirklich Stier zum Essen? Das passt ja mal überhaupt nicht :-/
    Vorher: Ja! Nachher: Auch!
    Aber zum Essen? Da überleg dir besser was anderes!

  2. Den Stier gibts nach dem Essen. Zum Essen dürfte es wahlweise Bier oder Wein geben. Mein Schwager meinte ich solle Rotwein besorgen. Zu dumm nur, dass ich auf trocken und er auf süß steht…

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