Debian Update from Hell

Morgens

Es war ein ganz normaler Morgen. Während mein Rechner im Büro hochfuhr, lärmte die Kaffeemaschine vor sich hin. Wie üblich schmiss ich kurz Putty an und loggte mich auf unseren Servern per SSH ein. Ich schaute mir flüchtig via top die Last an, startete nebenher meinen E-Mail Client und überflog die Mail-Statistiken des Vortags. Aha, wieder über 100.000 abgewiesene Mails (93%) …

Zurück in der Shell tippte ich mein übliches „apt-get update“. Soso, irgendwas neues liegt in der Luft. „apt-get upgrade“ eingetippt und in Gedanken schon einen Schritt weiter nahm ich noch wahr, dass es etwas mit Perl war und etwas +ber 7 MB gezogen wurden. Ich denke mir nichts dabei und spiele die Updates wie immer auf den Servern ein.

Danach erledige ich so dieses und jenes und kriege die Fiesematenten. Ich war die letzten Tage u.a. damit beschäftigt die Procmail Rezepte umzubauen, so dass wir die Möglichkeit haben vom Spamassassin als Spam eingestufte Mails nicht in die eigentlichen Zielostfächer zuzustellen, sondern stattdessen in kundenspezifische Sammel-Postfächer. Da unsere Anti-Spam-Mechanismen sich die letzten Monate als doch ziemlich gut herausgestellt haben, mehren sich seitens Kunden die Anfragen doch die Spam-Strategie auf Löschen zu stellen. Damit habe ich wiederum so meine Probleme, wenn auch nur rein philosophischer Natur. Also bastelte ich ander Alternative eines speziellen Spam-Accounts, wo man bei Bedarf mal einen Blick reinwerfen kann, falls doch mal der Verdacht eines False Positives aufkommen sollte.

Doch auf einmal funktionierte gar nichts mehr. Ich konnte machen was ich wollte, doch es war vergebens und zum Heulen. Die Mails der testeshalber umgestellten Postfächer wurden allesamt nun gar nicht mehr durch den Spamfilter geschickt und ich konnte in meinem Procmail Rezept ums Verrecken keinen Fehler finden. Erst als ich Procmail anwies ein Log zu führen, schwante mir böses…

Mittags

Spamassassin schmierte beim Aufruf ab. Das Problem bestand nicht nur für die Test-Postfächer, sondern global für alle Kunden auf der Maschine. Zum Glück wird der meiste Schmu u.a. über policyd-weighteh abgewiesen, so dass sich niemand über dasungewohnte Auftreten von nicht markiertem Spam beschwerte. Ich schmiss dagegen mal flugs die CPAN Shell an und hoffte, über ein „upgrade“ etwas bewirken zu können. Dieses konnte aber nicht durchgeführt werden, da gleich zu Beginn das LWP Modul monierte auf x86_64-linux-gnu-thread-multi-2.6.22-3-amd64 laufen zu müssen, ich dagegen hatte noch 2.6.18er Kernel laufen. Das hätte eigentlich auch funzen sollen, denn ich nutze nur den Stable-Zweig von Debian Etch und demnach sollte es eine solche Abhängigkeit zu einem Kernel des Unstable-Zeigs gar nicht geben.

Alles Aufregen nutzt aber nichts und so musste ich in den sauren Apfel beißen, mal kurz Unstable mit hinzu nehmen, den Kernel nachinstallieren und nun sitze ich hier und warte darauf, dass die meisten Kunden Feierabend haben und ich die Maschinen neu starten kann. Ich hoffe inständig, dass es danach keine weiteren unliebsamen Überraschungen geben wird. Aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen….

Abends (beinahe)

Nach dem Neustart des Problemservers (Grüße an den Stoi-Bär!) hat er nun zwar nen tollen aktuellen Kernel, aber irgendwie scheint Perl das noch nicht mitbekommen zu haben und präsentiert dengleichen Fehler. Nach einiger Zeit des Suchens und Nicht-Findens (auch das gibt es im Google-Zeitalter noch) konnte ich mir schließlich selbst helfen, indem ich in der Errno.pm in Zeile 11 die Systemkennung manuell aktualisiert habe, da ich auf die Schnelle nicht herausfand, wie man die automatische Generierung der Datei händisch anstoßen kann.

Schwupps, schon konnte ich in der CPAN Shell problemlos upgraden und auch Kollege Spamassassin lief wieder wie geschmiert. Warum, wieso und wesahalb nun das Ganze? Ich habe keine Ahnung und zu diesem Zeitpunkt ist es mir ehrlich gesagt auch völlig egal. Es ist 17:30 Uhr, ich habe den ganzen Tag keinen Bissen gegessen und der süße Kaffee lässt Blutzucker und -druck ind en Keller gehen. Ich will bloß noch schnell was einkaufen und dann heim…

Dann kann ich ja doch nochmal schauen, ob ich mir mit meinem Procmail Rezept eine leckere Spam-Suppe kochen kann….

Kommentare (2)

  1. HA! Hat sich das ganze doch gelohnt. Ich hab mir nämlich für 15 € mal eben 1 mio. Spam Mails gekauft und hab sie dir geschickt.
    Wenn das System dann in die Knie geht, um so besser :)

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