Im Kino: Zimmer 1408

Vor nicht ganz 20 Jahren hatte ich eine Phase, in der ich wochenlang jede Nacht dengleichen Traum hatte, jedes Mal wenn ich eingeschlafen bin. Das beängstigende an dem Traum war nicht der Inhalt, der war eher banal. Das beängstigende war die Tatsache, dass immer wenn ich merkte, dass ich träumte, ich in demselben Traum erwachte, wieder und wieder und wieder. Ein Traum im Traum im Traum…

Zimmer 1408 erinnert mich in gewisser Weise an diese Phase. Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „1408“ von Stephen King, die ich ehrlich gesagt nicht kenne, obwohl ich recht viel King lese. An der einen oder anderen Stelle kamen mir dennoch Assoziationen zu anderen Wenns und Wos der King-Welt, beispielsweise in Form von Zahlenspielen (die Quersumme von 1408 ist 13; das Hotel selbst gehört Asiaten und hat darum keinen 13. Stock), Mauervorsprüngen (diesmal aber ohne Tauben) und freistehenden Türen (ohne brabbelnde Riesenkrebse).

Nach einem Schicksalsschlag wurde aus dem talentierten Schriftsteller Mike Enslin, großartig gespielt von John Cusack, ein Zyniker, der seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Spuk-Reiseführern verdient. Dass ausgerechnet in einem großen New Yorker Hotel das Zimmer 1408 mehr zu bieten haben soll, als all die Pseudo-Geister-Butzen, welche er bisher in Augenschein nahm, kommt ihm nicht in den Sinn. Endlich eingecheckt muss er jedoch feststellen, dass 1408 ein Eigenleben hat und nicht gewillt ist, ihn gehen zu lassen…

Wer Filme von M. Night Shyamalan kennt, wie The Village, Signs, The Sixth Sense und Unbreakable, der ist ungewöhnliche Wendungen gewöhnt und entwickelt gar ein Gespür für sie. Regisseur Jan Mikael Håfström – oder doch die Vorlage von Stephen King? – macht die plötzliche Wendung zur Kunstform und verknotet sie so stark und komplex ineinander, dass man sich ihr nur noch hingiebt und sehnsüchtig mit Spannung auf die allerletzte Auflösung wartet. Dazu gibt es gezielt sehr einfache aber gekonnte und gut platzierte Schockeffekte, bei denen es auch mir von Beginn an die Schuhe ausgezogen hat.

Freunde des Adrenalins, der Spannung, der guten Story und hervorragender schauspielerischer Leistung kommen bei diesem Film bis zur letzten Sekunde voll auf ihre Kosten.