Im Kino: Sunshine

Das Fazit vorweg: Sunshine hält was versprochen wird und ist damit uneingeschränkt sehenswert! Ich betone dies gleich am Anfang, weil es ungewöhnlich genug ist. Ob nun ungewöhnlich wegen meines Geschmacks oder wegen der allgemeinen Qualität von Kinofilmen in den letzten Jahren, vermag ich aber nicht zu sagen.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: In einer nicht allzu fernen Zukunft befindet sich die Erde in einer globalen Eiszeit, da die Sonne ihre Leuchtkraft deutlich reduziert hat. Eine Crew von 8 internationalen Wissenschaftlern und Astronauten macht sich an Bord einer gigantischen Atombombe auf den Weg zur Sonne. Ihr Ziel ist es durch die Explosion vielleicht die Sonne wieder neu entzünden zu können. Eine baugleiche Mission war 7 Jahre zuvor spurlos verschwunden.

Der Film ist klar Science Fiction, die Bilder sind teils atemberaubend und die Effekte durchweg überzeugend und wirken gar nicht künstlig oder gar billig, sondern passen sich prima in den Film ein. Dabei wird auch gar nicht versucht mit tollen Effekten über Schwächen hinweg zu täuschen, denn der Film hat im Grunde keine Schwächen. Die Schauspieler (allen voran Regisseur Danny Boyles „Zöglinge“ Cillian Murphy und Rose Byrne) sind gut ausgewählt und gehen in ihren Rollen auf. Gerade die Interaktionder Personen in ihrer außergewöhnlichen Mission während all der Geschehnisse fesselt den Zuschauer.

Die Science Fiction Geschichte selbst ist nur der Aufhänger für eine gelungene Mischung aus Action und Thriller, gespickt mit durchaus überraschenden Wendungen. Die Macher haben viel Liebe zum Detail bewiesen und diese Liebe genutzt eine stimmige Story mit überzeugenden Schauspielern umzusetzen. Von daher kann ich die unterstützen, die bereits Vorschusslorbeeren verteilten und dabei den Film in einem Atemzug mit Genre-Klassikern wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ nannten.

Kommentare (5)

  1. Naja, so recht überzeugen konnte mich Sunshine nicht. OK, die Bilder sind in der Tat atemberaubend. Insbesondere die Kraft der Sonne kommt sowas von genial rüber, da kann man Danny Boyle nur ein dickes Kompliment aussprechen. Aber was ist denn bitte in der zweiten Hälfte des Films passiert? Die Wendung und der Plot passen für meinen Geschmack nicht sonderlich zusammen. Dennoch werden Science-Fiction Fans, die auch auf derbere Thriller abfahren, sicherlich ihren Spaß haben.

  2. Ehrlich gasagt, stand ich kurz davor aus dem Kino zu gehen, als in einer „überraschenden Wendung“ ein neuer Akteur das Raumschiff betritt, womit ja der Showdown eingeleitet wird. Für mich hat Boyle einfach nur bei den großen Genrevorbildern geklaut und ziemlich uninspiriert einen neuen Film draus gemacht. Meine ganze Kritik gibt’s hier http://www.lutzsindermann.de/blog/?p=243.

  3. „Garland und Boyle haben es geschafft, einen optisch und inhaltlich beeindruckenden Science Fiction Streifen zu erschaffen. Seit Jahren gab es keinen so atmosphärischen Sci-Fi Film! Vom audio-visuellen Aspekt wurde für Sunshine eine Meisterleistung vollbracht. Die Bilder der Sonne, des Merkur und der Ikarus wirken sehr überzeugend und überaus faszinierend. Diese Faszination teilen die Crewmitglieder mit dem Zuschauer, weshalb hier der Anfang für die Identifizierung zwischen beiden aufgestellt wird.

    Aber es sind gar nicht mal so die überragenden realistisch wirkenden Effekte, oder das Innenleben der Ikarus die mich verblüfft haben, sondern die Art und Weise wie Boyle und sein Kameramann die Bilder eingefangen haben, bis hin zum innovativen Schnitt und den überzeugenden kitschfreien Dialogen. Denn Sunshine ist der Beweis, dass man bei einem Film eine Seite nicht vernachlässigen muss um die andere Seite des Films aufzumotzen. Der Kompromiss zwischen Inhalt und dem audiovisuellen Konzept ist überaus Lobenswert (anders als bei einigen anderen Filmen die zur Zeit im Kino laufen, wo es heißt „Drebuch minus Optik“ – siehe 300).

    Trotz das sich das Team Garland und Boyle Zeit für ihre Figuren lassen, kommt zur keiner Zeit Langeweile auf. Denn der Zuschauer ist mit Gedanken beschäftigt, mit den berauschenden Bildern, die zur keiner Zeit überladen wirken und dem existenziellen und moralischen Dilemma der Crew, welches die Darsteller (allen voran Cillian Murphy) dem Zuschauer wunderbar kammerspielartig nahe bringen.

    Boyle lässt den Abgang seiner Figuren nicht pathetisch oder kitschig in Szene setzen. Der Tod einiger Figuren lässt er eher faszinierend und schön aussehen, bis hin zum abrupten Ende einiger Charaktere, deren Tod mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, ihnen aber leider situationsbedingt verwehrt wurde, was einen deprimierenden Effekt auslöst (bei mir hat es gewirkt) und das leben der jeweiligen bedeutungslos wirken lässt.

    So bewegt sich Sunshine fernab des übrigen Hollywood-Kitsch. Hier sehen wir kein Liebesdrama, keine pathetischen Abgänge und keine fetten Actionszenen oder eine traurige bzw. dunkle Vergangenheit irgendwelcher Figuren. Wir fühlen die dichte und beklemmende Atmosphäre, die Faszination unseres Schöpfers – der Sonne – und des Alls, und wir spüren die existentiellen und moralischen Probleme der Crew, darauf konzentriert sich der Film kompromisslos.“

  4. Pingback: Auf DVD: 28 Weeks Later - Kino, Film & TV - Alexander Langer

Kommentare sind geschlossen.