Zweites Leben mit Second Life

Urinella Polanski

War da nicht mal was?

Es ist schon eine Weile her da lauteten viele Überschriften in den von mir abonnierten Newsfeeds „Second Life open sourced“. Ich wunderte mich zwar was da so aufhebens gemacht wurde, denn mir sagte das überhaupt nichts, dachte mir aber nichts weiter dabei. Man kann und muss ja nicht alle Software der Welt kennen.

Vor einigen Tagen sah ich dann einen Bericht im Fernsehen von Menschen wie du und ich, die nach getaner Arbeit und neben der ggf. vorhandenen Familie noch ein zweites Leben im Netz führen, ihr Second Life. Das machte mich irgendwie neugierig und wenig später nahm ich mir ein Herz, besuchte die Website und begann ein eigenes zweites Leben.

Was ist Second Life?

Second Life ( SL) ist eine dreidimensionale virtuelle Welt. Jeder Internet-Nutzer kann kostenlos an dieser Welt teilnehmen. Dazu muss er lediglich die Client Software, den Second Life Viewer, herunterladen und sich als neuer Benutzer registrieren. Dabei kann man den Vornamen seines virtuellen Alter-Egos frei gestalten und den Nachnamen aus einer Liste von derzeit rund 90 Namen auswählen. In der Welt von Second Life nimmt man mit seinem Avatar teil. So wie man in einem Web-Forum ein Bild als Avatar benutzt, hat man in Second Life einen dreidimensionalen zunächst humanoiden Körper. Diesen kann man mit über 150 verschiedenen Einstellungen inkl. der Kleidung anpassen, oder aber auch eine andere Gestalt (Tier, Roboter, …) annehmen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Die Einwohner von Second Life nennen sich selbst Linden und in ihrer Welt gibt es auch eine eigene Währung, den Linden Dollar, L$.

Was geht ab in Second Life?

Kurzum: So viel oder so wenig wie man kann und möchte! ;)

Soweit ich das bisher beurteilen kann – und ich habe die letzten drei Tage bestenfalls an der Oberfläche von SL gekratzt – kann man in SL alles und noch mehr tun. Man kann sich einen Partner / eine Partnerin suchen und diesen / diese auch fest eintragen lassen, ähnlich wie bei einer Ehe. Es gab im November ein virtuelles Konzert von U2 und wird im Februar zwei weitere geben. Glücks- und andere Spiele erfreuen sich großer Beliebtheit. Man kann sich in Discos vergnügen und auch in ihnen arbeiten, beispielsweise als DJ und sich so ein paar Linden Dollar (L$, die offizielle Währung in SL) verdienen, die man dann z.B. in Equipment und Kleidung stecken kann.

Wer seinen Account aufwertet und einen der zwei kostenpflichtigen Accounts wählt, kommt auch in den Genuss eigenes Land in SL besitzen zu können. Auf diesem kann er dann machen was er möchte. Ein Haus bauen, einen Vergnügungspark, einen Supermarkt, ein Museum, eine Stierkampfarena – was auch immer. Bauen kann man mit dem Client, ebenso wie Skripte in der eigenen Sprache LSL (Linden Scripting Language) zu entwickeln. Damit kann man Objekten Verhaltensweisen verpassen, um u.a. Interaktion möglich zu machen.

Was kostet Second Life?

Eigentlich nichts. Wirklich! Der Basic Account ist kostenfrei und beschränkt nur dahingehend, dass man kein eigenes Land in SL kaufen kann. Kaufen womit? Na mit Linden Dollars (L$), der offiziellen Währung. Diese kann man sich in SL durch Arbeit verdienen, aber auch mit echtem Geld auf der Website erkaufen. Derzeit ist 1 US$ rund 270 L$ wert und L$ kann man per Kreditkarte oder Paypal erkaufen. Den Kurs bestimmt allein Angebot und Nachfrage und natürlich kann man sein virtuelles Guthaben auch wieder in echtes Geld umwandeln und transferieren lassen. Bereits heute gibt es User, die ein gutes Nebeneinkommen, manche sogar ihren kompletten Lebensunterhalt in SL bestreiten. Man wäre aber schlecht beraten mit diesem Ziel Mitgleid zu werden. Es ergibt sich oder nicht. Auch im zweiten Leben entscheiden Glück, Geschick, Ausdauer und Cleverness.

Wer Land kaufen will, kann auch dieses ersteigern. Zusätzlich zu diesen Kosten kommen dann je nach Größe der Fläche noch monatliche Kosten auf den Benutzer zu. Hat man einen großen Account für 9.95 US$ pro Monat, hat man darin die Grundsteuer für 512qm bereits enthalten und ein wöchentliches Taschengeld von 300 L$ gibts es noch obeendrauf.

Winziges voreiliges Zwischenfazit

SL ist faszinierend. Man kann alles mögliche aus seinem virtuellen Leben machen, Freunde auf der ganzen Welt finden. Schweden plant als erstes Land eine Botschaft in SL zu eröffnen. Adidas ist einer der ersten Global Player die mit einem Geschäft in SL vertreten sind. SL bietet sich für Kreative als Plattform für Spiele und Dienstleistungen aller Art an. Man kann mit SL Filme drehen und sich künstlerisch austoben. Es ist schwer sich der Faszination zu entziehen. Das sieht auch der Verlag Axel-Springer so und gibt seit Ende 2006 ein wöchentliches Online-Magazin, den AvaStar (englisch), heraus. Passend dazu bietet man auch ein Einsteiger-Tutorial (deutsch) an.

Ich finds unheimlich spannend und denke, dass sich in SL und evtl. noch kommenden ähnlichen Plattformen die kommenden Jahre viel tun wird. Die Nutzung von SL als Plattform für internationale Dienstleistungen im Schulungssektor (Sprachschulung, Angebote von Universitäten, ..) ist sicher erst der Anfang.

Achso, ich bin übrigens Urinella Polanski

Kommentare (4)

  1. Zitat: Die Einwohner von Second Life nennen sich selbst Linden und in ihrer Welt gibt es auch eine eigene Währung, den Linden Dollar, L$.

    Das ist Quatsch. Die „Macher“ von Second Life nennen sich „Linden“. Als Einwohner kann jedoch ein beliebiger Vorname gewählt werden, und ein Nachname aus gegebener Liste.

    So far,
    jeko

  2. Tatsächlich bezeichnen sich die Mitarbeiter von Linden Labs als „Linden“. Ich muss gestehen den Button „You might be a Linden!“ nie betätigt oder mit dem Text darunter in Bezug gesetzt zu haben. So nahm ich einfach an, das sei nur einer von vielen Buttons, um auf die Registrierungsseite zu führen ;)

  3. Ich wollte eine Website gestellt bekommen, bei der man jetzt wirklich ein virtuelles Leben, ungefähr so wie die Sims, wenn es geht! Es soll kostenlos sein, aber hier ist eirgendwie nur erklärt, was das alles ist und so…!!!

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