Knut Extreme

Also die Heimfahrt von Lüdenscheid über Wiblingwerde und durch Nachrodt nach Iserlohn war lustig. Den ersten Vorgeschmack bekam ich kaum dass ich die Firma verlassen hatte. Eine heftige Bö wollte mir mein Notebook klauen, aber ich hab den Dieb auf frischer tat ertappt und den Gurt der Tasche festgehalten. Die Tür vom Wagen ging – Wind sei Dank – verflucht schnell auf. Ich möchte nicht wissen wieviele heute Macken in den Wagen des Parknachbarn gerammt haben, weil sie darauf nicht vorbereitet waren.

Die Straßen waren frei – jedenfalls waren die Schnarchnasen von heute Morgen nicht unterwegs, die mir mit ihrer Lahmarschigkeit den Nerv geraubt hatten. Was wird das erst, wenn es nächste Woche schneit? Ich fuhr auch etwas angepasster, also auch mal 70 wenn 70 auf dem Schild stand. Irgendein Fraggle kam mir entgegen und röntgte mich mit seinem Fernlicht – fand ich nicht besonders nett, denn durch den Regen und die Böen hatte man im Dunkeln eh nicht die beste Sicht und man möchte ja nicht unvermittelt in einen fetten Ast rauschen.

Während ich noch so darüber nachdachte, ob mir der Entgegenkommer etwas bestimmtes mitteilen wollte, wurde es in den Kegeln der Scheinwerfer plötzlich grün. Unter dem Wipfel der ersten Tanne kam ich noch gut durch. Ich nahm etwas Fahrt raus und ließ es mit 50 beim zweiten Baum rappeln. Der hing noch etwas tiefer über der Fahrbahn und dürfte nun keine Tannenzapfen mehr haben. Auf den folgenden paar Kilometern hab ich in etwa ein Dutzend Bäume gezählt, die allesamt im 90 Grad Winkel zur Straße lagen und allesamt diese komplett überspannten. Ich war froh nicht in Gegenrichtung unterwegs gewesen zu sein, denn dann hätts vielleicht eher mal gescheppert.

Schlimmer als die beiden Honks, die sich heute Morgen in Wiblingwerde auf der Kreuzung mit Karacho geknutscht haben, wäre das aber wohl auch nicht ausgegangen.

Der Rest der Strecke war recht lächerlich. Äste hier, Dreck da, tiefe breite Pfützen (einfach Lenkrad gerade halten und ganz locker surfen) und 200 Meter von Buddy entfernt ne gesperrte Altenaer Straße – also Kehrtwende, Schleichweg und ab zum Einkaufen. Im real.- war es dann denkbar friedlich, der Parkplatz ebenso leer wie der Laden selbst. Mein Bruder simste noch ich solle vorsichtig sein. Ich simste zurück „Hier im real ists windstill“.

Einen letzten Gruß erhielt ich vom Wetterfrosch noch vorm Haus. Bepackt mit Tüten und Notebook ging ich ganz gemächlich den Wind genießend zum Eingang und kam auf einmal ins Straucheln, weil irgendwas mir den Weg versperrte. Im EIngangsbereich hatte es eine ganze Reihe Dachpfannen geregnet. Nur gut, dass mein Parkplatz einige Meter weiter und von den Häusern und Bäumen entfernt steht. Wer weiß was da heute noch runter kommt. Ich möchte jedenfalls nicht gerade darunter stehen, wenn die Dachpfannen von einem Mehrfamilienhaus runter kommen!

Wenn ich nicht wüsste, dass es dafür vier Tage zu spät ist, würde ich sagen heute ist „Knut Extreme“ – immerhin sind ein paar außerordentlich große Weihnachtsbäume auf die Straße gelegt worden…

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