Was ihr nie über mich wissen wolltet und ich euch trotzdem erzähle – Part I

Angefangen habe ich mit Trockenübungen. Bevor ich zum ersten Mal an einem leibhaftigen Computer saß oder vielmehr stand (damals, unten im Karstadt neben den Aquarien der Zoo-Abteilung), programmierte ich mit Papier und Bleistift. Ich glaube es war ein Text-Game namens Lunar Lander und es war in COBOL geschrieben. Ich fand es in einem COBOL-Buch in der Stadtbücherei und ich vermute ich war 10 oder 11. Warum COBOL? Na weil es in den anderen Büchern keinen Lunar Lander gab…

BTW, ich habe nie herausgefunden obs funktioniert hat…

Als nächstes habe ich die C128, C64 und C16 meiner Schulfreunde mit BASIC gequält. Später konnte ich dann endlich meinen eigenen 286er Marke Frankenstein (286er, 12 MHz, knapp 1 MB gestecktes RAM (DIL), EGA-Karte, MFM-Controller und 10 MByte MFM-Platte (5.25 Zoll, volle Bauhöhe), … alles schnuckelig verpackt in einem Desktop-Gehäuse das nicht passte und das sich nicht schließen ließ und oben druff ein Hercules-Monitor.

Unter DOS schrieb ich mittels debug.com Assembler-Programme. Das war noch Hardcore, weil man bei einer falschen Eingabe das ganze Programm nochmal eingeben musste. Meine Programme taten meist nicht viel mehr als den Rechner zum Absturz zu bringen – ich würde später behaupten, dass das so gewollt sei. Mein schwindendes Gedächtnis enthält noch Erinnerungen an ein MS Windows 2.0 und ein Geoworks Ensemble, aber wer braucht schon so einen grafischen Firlefanz? Die wichtigste ‚Anwendung‘ auf meinem Rechner war Blockout, eine Art Tetris in 3D.

Ein halbes Jahr später stieg ich um auf einen 386-40 mit VGA-Karte (Trident 9000 Chipsatz, oje!) und 2 MB RAM. Die 80er Platte war nie wirklich voll und der Graustufen Standard-VGA-Monitor machte es mir nicht einfach mit meinem selbstgekauften Borland Turbo C++ 3.0 Fraktale zu programmieren (per Inline-Assembler, ist doch klar). Dennoch brachte ich es fertig ein Intro für ein Disk-Mag zu schreiben (Nein, ich erkläre euch Spätgeburten nicht, was ein Disk-Mag ist!). Der Austausch des Quartz-Oszillators beschleunigte die Karre auf gewaltige 50 MHz, nur leider nicht eben stabil, weil der 2nd Level Cache mit dem Timing nicht nachkam. Bestürzt musste ich feststellen, dass es keine 90 MHz Quartze gab, um es mit 45 MHz zu probieren…

Wehmütig sollte ich in Fachzeitschriften die ganzseitigen Anzeigen von Slackware und DLD. betrachten. Ich stellte mir vor einen mathematischen Co-Prozessor zu haben (natürlich von IIT, weil man dessen Register logisch in einer 4×4 Matrix anordnen konnte – nicht das ich damit etwas hätte anfangen können) und das Geld mir eine dieser Linux-Distributionen kaufen zu können, die auf mehreren Dutzend Disketten ausgeliefert wurden. Ich würde ein toller Programmierer und UNIX-Guru werden, immerhin hatte ich Bücher über XENIX und System V aus der Bücherei gelesen.

Stattdessen wurde ich toll darin Wolfenstein 3D, Spear of Destiny und Eishockey Manager zu zocken.

Dann wurde ich 16. Als Zeichen meiner Männlichkeit durfte ich nun ganz offiziell neben der Schule jobben und mir das Geld für einen neuen Rechner verdienen. Haare am Sack bekam ich auch, es war als wollten sie sagen „Scheiß auf den Rechner, kümmere dich um uns!“. Ich kaufte mir einen Escom Pentium 1 133 mit 16 MB RAM, Windows 95, SVGA Farb-(!)-Monitor, 2 GB Platte, 4x CD-ROM Laufwerk und einer ATI Grafikkarte mit 2 MB.

Das Schicksal meinte es gut mit mir. Ich wurde kein Hacker, kein toller Programmierer. Meine Zukunft bestand darin durch mein 14.400er Modem ganz CompuServe in mich aufzusaugen und in manchen Monaten geschmeidig 400 Märker an Telefon- und CompuServe-Gebühren zu latzen. Rückblickend nehme ich an, dass ich ahnte, dass einmal sowas wie der Euro kommen und allem seinen wahren Wert rauben würde. Daher habe ich das Geld lieber ausgegeben, statt es sinnlos zu horten.. *heul*

In Teil 2 erzähle ich euch dann irgendwann wie es kam, dass ich entdeckte, dass es draußen eine analoge Welt gab…

P.S.:
Ach wie schön, dass jeder weiß, dass ihn keiner liest, diesen Scheiß!

Kommentare (2)

  1. „In Teil 2 erzähle ich euch dann irgendwann wie es kam, dass ich entdeckte, dass es draußen eine analoge Welt gab“

    Tröste Dich, die ist allenfalls sekundär… *g*

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