Sinn und Unsinn von Dual-Core CPUs

Nachdem Intel mit der MMX-Befehlserweiterung im alten Pentium und dessen Nachfolger ISSE/ISSE2/ISSE3 schon schnelleres Internet und buntere Farben gebracht hat, sollen nun Dual-Core CPUs der Menschheit neuer Segen werden, in einem aktuellen Dual-AMD-Bord sollen solche Prozessoren dann sogar einfach einsetzbar sein und quasi für 4-fach-Power sorgen.

Eine gewisse Skepsis ist zunächst einmal angebracht. Sowohl AMD als auch Intel haben in der Vergangenheit gerne mal das Marketing die technische Entwicklung bestimmen lassen. Waren die 64 Bit von AMDs Opteron anfangs für Intel noch „Nicht Fisch, nicht Fleisch“, so hat man die lizenzierte 64-Bit-Erweiterung doch stillschweigend nun in die eigenen Pentium 4-Modelle übernommen. Als Intels Marketing auf die Idee kam Kunden mit GHz zu ködern, wurde für den Pentium 4 ein Design erdacht, dass viele GHz mit wenig Arbeitsleistung pro Takt ermöglichte. Diese Entwicklung scheint nun überholt, da erscheint das neue Paradigma
„je mehr Cores, desto besser“ am Horizont. Die Idee ist nicht neu, IBM fertigt mit dem Power 4 schon seit längerem Multi-Core-CPUs für die eigenen High-End-Server, ein Ableger dieser Technologie soll in Bälde Apples Rechner befeuern und mit dem Cell-Prozessor steht eine Entwicklung vor der Tür, die eine Vielzahl von spezialisierten Cores vereint.

Aber was hat der Anwender davon? Der Normalo, der im Internet surft oder sein Office laufen lässt hat rein gar nichts von Multi-Core CPUs. Bei typischen Office-Anwendungen langweilen sich die Prozessoren schon seit Jahren, da sie überwiegend darauf warten nach Eingabe des Nutzers etwas zu tun zu bekommen. Um einen Dual-Core-Chip auszunutzen benötigt man unabhängige und parallel laufende Tasks. Da die meisten Nutzer aber nicht wirklich gleichzeitig mehrere Programme nutzen (man nutzt nur eines, die anderen Anwendungen warten so lange), ist auch hier kein Nutzen zu erwarten. Nicht einmal Computerspiele – derzeit einzige wirkliche Triebfeder für Aufrüstungsgedanken – profitieren davon, da sie auf vorhandene Hardware optimiert ist und nicht multi-threaded arbeitet. Für Number-Crunching bieten sich Multi-Cores an, zumal entsprechende Anwendungen meist auch Unterstützung hierfür bieten. Beispiele sind 3D-Renderer und andere spezielle Anwendungen, die 99% der Verbraucher nie zu Gesicht bekommen.

Nun tauchen erste Previews von Intels Pentium Extreme Edition 840 im Internet auf. Intel versorgte einige Tester vorab mit ihrer ersten Dual-Core-CPU und diese testeten sie auf Herz und Nieren. Die Ergebnisse spiegeln obige Aussagen wider. Nur sehr wenige Anwender mit sehr speziellen Bedürfnissen dürften von Dual-Cores profitieren, zumal der Einstiegspreis für ein solches System zunächst sehr hoch sein dürfte. Bei Intel brauchts auch gleich einen neuen Chipsatz, mithin ein neues Mainboard. AMD dagegen hat angekündigt kompatibel zur bisherigen Plattform zu bleiben – vorerst. Lediglich ein BIOS-Update soll dann vonnöten sein.

Was mich persönlich an diesen Previews stört ist der Benchmark-Mix. Für mein Verständnis dürften nämlich gerade Software-Entwickler durchaus von Dual-Cores profitieren, wenn im Hintergrund mal wieder zig MB an Sourcen kompiliert werden, man in der Zwischenzeit aber weiterarbeiten möchte. Es wäre sicher nicht zuviel verlangt einen Benchmark z.B. auf Linux zu fahren für die Kernel-Kompilierungs-Zeit und unter Verwendung zweier parallel laufender Compiler-Instanzen. Dies ist sicher keine ungewöhnlicherer und seltenere Aufgabe als das Rendern von Grafiken in sündhaft teueren Spezialanwendungen, die es in den Benchmark-Mix geschafft haben. Zumal es viele Unix-Geeks gibt, die sicher auf dererlei Maschinen heiß sind…

Es bleibt abzuwarten. Ohne Anwendungen, die von Dual-Cores profitieren, lohnt sich der teure Einkauf nicht – ohne Verkaufszahlen lohnt aber auch die Anpassung von Games, etc. nicht. Womöglich wird man bei AMD und Intel die neue Technik quersubventionieren müssen, zumal es ja auch um Prestige geht. Für die nächste Zeit reichen mir noch 1.6 echte GHz
meines Pentium M und die 300 MHz meines MIPS R12000….

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