Von einem der auszog auf Linux umzusteigen – Teil 1

Warum überhaupt umsteigen?

In mir steckt hier und da auch ein kleiner Idealist. Die letzten Monate hat sich der Ärger mit MS Windows (bei mir waren 2000 und XP imEinsatz) immer mehr zugenommen. Immerweider gab es mehr und weniger gravierende Sicherheitslücken, Hotfixes, Servicepacks, Hotfixes für Servicepacks und Hotfixes für Hotfixes. W?rmer vermehrten sich in rasender Geschwindigkeit und nutzen immer neue Sicherheitslücken aus.

Für jede, die Microsoft schloss, machte man eine neue auf oder benutzte einfach eine andere. Klar habe ich einen Virenscanner im Einsatz, der sich täglich updatet, den ich teils manuell update (Norton Antivirus 2004) und klar habe ich in Windows XP die Firewall eingeschaltet und auch die in meinem DSL-Router – und ich behaupte zu wissen, was ich da tue. Und klar nutze ich nicht den Internet Explorer, sondern Opera zum Surfen. Dennoch nisten sich listige Gesellen ein, die erstmal den Virenscanner unschädlich machen, dennoch kommen Unmengen an Spyware-Tools auf meine Kiste und die Anti-Spyware-Tools kann man allesamt noch nicht wirklich gut gebrauchen.

Irgendwann ist mal Schluss, dann ist die kritische Masse erreicht und man macht sich seine Gedanken. Nachdem auch Bill Gates Privatrechner nun Spyware beherbergt hat Bill zwar angekündigt, MS würde sich dem Problem annehmen, aber das sagen sie ja auch über die sonstigen Bugs in deren Software – und kommen mit dem Fixing kaum nach.

Warum ist Linux nicht so gefährdet wie Windows?

Nun kann man natürlich argumentieren das jede Software Fehler enthält und je komplizierter diese Software ist, desto schwieriger sind diese oft zu finden und zu fixen. Das ist richtig und gilt? für jede Software und jede Plattform. Aber betriebssystemtechnisch herrscht auf dem Markt im Grunde eine Microsoft-Monokultur. Es gibt auf den Desktops sonst nur noch Apples Betriebssystem und ein paar vereinzelte Linux- und andere Büchsen. D.h. die Angriffsfläche ist bei MS viel größer und das steigert die Motivation bei den Hackern. Diesen gebe ich nichtmal eine Schuld, denn sie decken nur Fehler auf, was an sich ja nichts schlimmes ist, so lange sie siese nicht nutzen um Schindluder zu treiben. Viele Lücken bei MS werden ja von einschlägig bekannten Leuten gefunden, deren Hobby es ist Fehler zu finden und diese publik zu machen. Im Grunde sollten sie von MS ne Belohnung erhalten, weil sie deren Job machen.

Bei Linux (und anderen freien Systemen) liegen die Quellcodes offen. Fehler sind damit leichter zu finden. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, ist keiner. Im Gegenteil: Die Transparenz ermöglicht der Community wie ein riesiger Ameisenstaat schnell Fehler aufzudecken und diese auch schnell zu beheben. Viren und Spyware sind ein Phänomen, das es in der bei MS bekannten Form unter Linux einfach nicht gibt. Monokulturen haben eben den Nachteil, das Infektionen sich schnell epidemieartig ausweiten. Davor will ich erstmal Ruhe haben! Und die durch die Sourcecodes bei Linux gegebene Transparenz ermöglicht eine gezielte Suche nach Schwachstellen und deren Ausmerzung. Anders als bei MS, wo man von außen nur schwer sicherheitsrelevante Fehler finden kann, so das kaum eine Aussage zu treffen ist, ob das was wir an Fehlern kennen vielleicht nur die winzige Spitze eines riesigenEisberges ist.

„Welches Schweinderl hättens denn gern?“

Die Wahl für ein bestimmtes Linux fiel mir nicht schwer. Seit 2 Jahren gibt es bei mir nur noch Gentoo-Systeme. Die Abhängigkeit von Distributoren, die irgendwann den Support für eine Distribution einstellen und wo man dann die neue Version kaufen muss und die Updates nicht ordentlich laufen und einem lauter Entscheidungen abnehmen, die ich aber selbst treffen will – das will ich mir nicht mehr antun. Diesmal setzten ich erstmals aber einen Stage-3-Tarball ein – die enthaltenen Pakete sind demnach noch nicht auf meinen Athlon Thunderbird optimiert, sondern haben Pentium-Code. Das ändert sich aber im laufe der zeit, wenn die Pakete geupdatet werden. Gentoos Portage-System erzeugt zu installierende Software nämlich direkt aus den Quellcodes und nutzt dafür systemweite Parameter, so das man u.a. den Comiler anweisen kann speziell auf seine Maschine optimierten Code zu erzeugen. In diesem Fall wollte ich nicht erst nächtelang kompilieren bis ich erstmals booten konnte, daher habe ich gleich mit Stage-3 angefangen. Puristen m?gen es mir nachsehen. Aktuell habe ich einen 2.6.8er Kernel, ReiserFS-Partitionen, XFree 6.8, GNOME 2.6.2, …

Von der Installation von noch nicht in Gentoo als stabil freigegbenen Ebuilds (z.B. GNOME 2.8) habe ich erstmal abgesehen. So sehr eilt es nicht und cih will ja ein stabiles System und keines zum Beta-Testen. ;) In den nächsten Teilen dieser Mini-Serie gibts ein paar Artikel über die von mir genutze Software unter Linux für Office, EMail, Web, Musik, CD-Brennen, Bildbearbeitung, Software-Entwicklung, … Eine ganze Reihe dieser Software-Projekte gibt es auch für Windows und stellen damit auch hier eine Alternative für Althergebrachtes dar – vor allem für lau!

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