Rheinkultur 2004

Nach durchzechter Sch?tzenfestnacht weckt mich um 9 Uhr mein Handy. Erster Gedanke: „Oh mein Gott, ich muss gleich kotzen!“

Dieser Gedanke sollte sich noch zwei Stunden halten. Ich rollte mich noch ein wenig rum, simste mit Schenni und qu?lte mich dann mal flott vor den PC um vielleicht noch welche antexten zu k?nnen, die wir in Bonn treffen wollten. Voil?, ich erwischte Isa und Zwanni, klagte ihnen mein Leid und brachte meine Zuversicht zum Ausdruck, es schon irgendwie nach Bonn zu schaffen. Ich wusste nur noch nicht wie. Allein beim Gedanken ins Bad zu gehen und mich fertig zu machen,?klopfte das ?brig gebliebene Gemisch aus Sch?tzenfestbier und der Krakauer, die ich um 3 Uhr noch gefuttert hatte, heftig von unten gegen den Hals. Aber schei?e, um 1530 sollte Winson auftreten, wir mussten uns also so langsam aufraffen. Flott mit Schenni teleniert, weiteres Vorgehen besprochen. Okay, also um 13 Uhr bei ihr.. oha.. fix noch Yeah Yeah Yeahs geh?rt und daheim vorsichtig vorgerockt und schon wurde es ruhiger im Magen.. Jetzt nur nix wie?ins Bad und die Sekunden nutzen, so lange der Magen abgelenkt ist…

Im Bad musste ich mich dann zwischendurch nochmal hinhocken und tief durchatmen. Nur ruhig, Alter, wir packen das schon -?auch ohne Auswurf! Du darfst nur den Kopf nicht bewegen und m?glichst nicht stehen und dann h?rt auch das Gefriere und Geschwitze auf. Flasche Wasser geschnappt und ab in den Wagen. Flott auf die Uhr geschaut – ach du ahnst es nicht! Schnell volltanken und ab auf die Bahn, Zeit rausholen. Wow, blo? 10 Minuten Versp?tung, passt doch! Schenni geknuddelt, Deniz und Mama G?rtner hallo gesagt, nochmal Website wegen Parken und Anfahrt gecheckt, Weg ausgedruckt, Aspirin geschnorrt und „langsam, so langsam, langsam“ auf den Weg gemacht.

Eigentlich lief alles ganz gut, bis auf unsere Sorgenfalten ob der Wolken und des Regens. Dummerweise gings mir noch immer nicht besonders, aber Jen sorgte sich liebevoll mit Wick Hustenbonbons Himbeere?und Schoki um uns. „Langsam, so langsam, langsam“ – das war auch das Motto am Kreuz Leverkusen. Heilige Schei?e, warum m?ssen die hier alle Samstags rumkreuchen? Mit einem Auge auf den Verkehr und einem auf der Uhr schoben wir unser Gef?hrt ?ber die Bahn. Immerhin schien nun die Sonne und es wurde richtig schicket Wetter. Dann, ganz pl?tzlich – beinahe freie Bahn und Bonn fast in Reichweite!

Janz schick ?ber die Bahn jesneakt und endlich mal angekommen, bekamen wir es diesmal sogar hin auf Anhieb den Hauptbahnhof zu finden – mit Jen als Navigateuse geht eben nix schief, weil immer wenn sie falsch liegt, hab ich gerade zuf?llig doch mal ein Schild gesehen oder so ne mannlich-navigatorische Intuition. Man erg?nzte sich eben so gut es?ging -?und es ging gut! Ab ins Parkhaus, die beiden nochmal schnell pieseln lassen und bei der Gelegenheit quak ich noch nen Typen vorm Klo wegen Weg und so an – da iss das doch ein Bekannter der beiden aus L?denscheid und der hatte auch noch zwei dabei. Also ab in die Bahn und zur Rheinaue ged?st.

Hier erwartete uns erstmal wieder fettes Anstehen, man trennte sich mehr unfreiwillig wieder in die jeweiligen Dreiergruppen und drin angekommen und schnell orientiert hatten wir doch den Winson um 5 Minuten verpasst. Sch?ner Driss! Erstmal Isa angetextet und mit ihrem Besuch aus Berlin getroffen, da mussten meine zwei beiden schon wieder austreten (musste ich ?brigens den ganzen Tag nicht, bis ich wieder daheim war). Also Klos gesucht und per mangelnder Kommunikation Isa & Co. wieder verloren. Wir sollten sie auch nicht wiederfinden und da die beiden n?scht mehr auf den Handykarten hatten war Kommunikation auch Essig – tolle Wurst! Also erstmal rumgelatscht, B?hnen abgeklappert und gemerkt: So schei?e wir viele Acts auch finden isses doch echt lustig. Die Rheinaue iss schick, die Leute superinteressant. Und so verbummelten wir den Tag, betrieben private soziale Studien und schauten uns eigentlich nix so richtig an, au?er…

…die ganzen Spackos in der Break-Zone. Da waren schon Bewegungsk?nstler am Werk, das war echt herrlich. Beeindruckend auch vollk?rpert?towierte Rocker, die steil da steil gingen.. Deniz zun?chst mal gar nicht so genialem Einfall folgend, fassten wir uns dann ein Herz, sprinteten zur Frint und schwitzten uns dann zu Breakbeats heftig einen ab, um uns was locker zu machen. Dann gings mal so langsam wieder auf Tour. Jens hatte mir aus seiner gemeinsamen Zeit mit Beth die Stereophonics ans Herz gelegt, da die uns dem Namen nach auch bekannt waren, sind wir mal hin und k?mpften uns vor. Ja, die ersten 10 Mintuen waren ja recht rockig, aber dann fing die Stimme des S?ngers doch an echt zu nerven. Wenigstens hatte mich Zwanni dann irgendwann gefunden und nach ner Weile simmer dann abged?st. Zwanni und ich erstmal zum Pit?-Stand an der Break-Zone gelatscht und auf Jen und Deniz gewartet, dann Zwanni zu ihrer besten Freundin gebracht – die blieben dann an einem Devotionalienstand h?ngen. Der muss interessanter gewesen sein als wir. Nunja.. wir weiter zu The Darkness, waren sp?t dran. Wieder nach vorne gek?mpft, wobei sich erneut der Vorteil zeigt, wenn man n kleines schnuckeliges M?del als Wellenbrecher dabei hat. Isch hab mir die bekloppten Briten dann bis Ultimo gegeben, w?hrend J&D zwischendurch r?ber zu Kool Savas sind (den sie wohl dann doch recht traurig fanden).

Danach war aus und es begann unsere Odyssee zur?ck zum Hauptbahnhof. Das lange Latschen, Anstehen und im Zug stehen, die Enge, .. das ging Jen doch merklich an die Substanz. Ich bin bei sowas ja von Haus aus recht ruhig und leidensf?hig. Wer stundenlang wie ne Sardine im ?l bei M?rderhitze in der Berliner U-Bahn Schwei? atmen kann, dem kann auch bei angenehm k?hlen Temperaturen ein Zug in Bonn nix ausmachen. Rinn innen Wagen und ab nach Hause. Zwischendurch kam unsere Navigateuse noch auf die glorreiche Idee ?ber Remscheid und Landstra?e nach L?denscheid zu fahren – ich h?tte nichts lieber getan als weiter ?ber die Bahn zu fahren, aber ich war mental nun wirklich nicht mehr in der Stimmung gro? rumzuargumentieren. Wie zu erwarten war gingen mir auf der Strecke, die ich kaum kenne,?die ganzen Ampeln, 50-Schilder und engen Kurven m?chtig auf den Sack. Nachdem ich die zwei beiden dann bei Jen abgeliefert hatte, nur nichts wie auf die Bahn und in einer m?chtig erstaunlichen Zeit von 20 Minuten war ich von Jen auf die Bahn und von L?denscheid-S?d heimgefahren und sa? im Wohnzimmer und schrieb SMS. Geile Zeit!

Aber nun musste ich doch mal so langsam in die Falle. Noch immer war ich von zwei Streifen Schoki, zwei oder drei Wick und dem Rest der Krakauer vom Sch?tzenfest ausreichend ern?hrt. Insgesamt ?ber 40 Stunden sollte ich ohne Essen aushalten, ehe ich mir anl?sslich des bevorstehenden EM-Finales was beim Griechen holte. Nicht weil ich Hunger hatte, sondern weil ich dachte es sei ne gute Idee trotzdem was zu essen.

Wird Zeit, das wieder Wochenende ist, ich k?nnte etwas Zeit zum Ausspannen gebrauchen, obwohl ich mich eigentlich seit Bonn ganz gut f?hle, nur eben dauernd so leicht aus der Phase verschoben. Und wo ich dies schreibe habe ich ein gewaltiges dej? vu! Als wenn ich dies schonmal geschrieben h?tte, schonmal in Bonn auf Rheinkultur war, die Wiesen, die B?hnen, die Menschen.. seltsam…

N?chstes Jahr, 2. Juli, auf ein neues und dann vielleicht was fr?her…

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