Für Schenni – Ein kleiner Monolog

Der gestrige Tag will erstmal verdaut werden. Noch hängt er mir ein wenig in den Gliedern und Zeit habe ich gerade eigentlich auch keine, weil ich Eltern abholen und zum Vatertagsgrillen zu meinem Bruder fahren muss, aber ich nehme mir sie halt.

Ich weiß nicht, ob ich es hinbekomme das, was ich sagen will, richtig auszudrücken, die richtigen Worte zu finden, aber ich versuche es. Was nun kommt ist für dich, Schenni…

(Zwischenzeitlich: Anruf von Mama, wo ich bleibe…)

Das letzte Jahr war aus mehreren Gründen mein bisher schwerstes und wer mich ein wenig kennt, hat das sicher gemerkt, auch wenn ich es nicht so zeigen wollte. Mit jedem neuen Jahr geht die Hoffnung einher, es möge besser werden, es möge etwas großes und aufregendes passieren, etwas was mein Leben total aufwertet und mich glücklich macht.

So funktioniert es nicht, hat es nie.

Als ich in deinem Alter war, zogen die Tage einfach nur so an mir vorbei und ch ließ sie gehen. Klar war ich auch viel mit Freunden unterwegs, auf Party, hatte Spaß und schon damals war ich ein lustiger Vogel mit einem Hang zum Zynismus. Das war meine Art mit meiner Unsicherheit im Umgang mit Menschen umzugehen und zu versuchen, mir nichts anmerken zu lassen. Im Laufe der nach dem Abi folgenden Jahre mit der Zeit beim Bund, im Studentenwohnheim und mit meiner Arbeit hat sich das etwas gelegt, aber wenn die Zeiten für mich schwieriger wurden, habe ich mich wieder zunehmend von Menschen emotional zurückgezogen.

Dieses Jahr begann mit der Jahreswende mit einem Glücksfall und das muss irgendwie ein Startschuss gewesen sein. MIA. kamen dann genau richtig. „Ich will meine Leben, weil es sonst ein anderer lebt“, das ist keine Leitmaxime für mich geworden, sondern war irgendwo in mir drin, aber als ich diese Zeile h?rte, wurde mir bewusst, was sich da in mir getan hatte. Und so geht es mir mit unheimlich vielen Textstellen und daher auch meine kurze, aber starke Bindung zu MIA.

Ungewöhnlich viele gute Tage wurden mir in diesem Jahr bereits zuteil. Tage an die ich mich gerne zurück erinnere, weil sie die Eckpfeiler und Symbole meines inneren Dauergrinsens sind, das mich nicht mehr loslässt. Es waren keine großen Ereignisse, wie ich sie mir früher erhofft hatte. Es war nicht die Seifenblase mit dem einen einschneidenden Erlebnis, das alles veränderte. Es war in mir, es waren die kleinen Dinge. Ich bin es, der mein Leben lebt und auch wenn es alles andere als sorgenfrei ist, ist es wunderbar, wie es ist. Es waren kleine Augenblicke, es waren wenige Worte die gewechselt wurden, es waren Blicke, die ausgetauscht wurden, es waren Gesichter, es waren neue Menschen und es war Lachen. Und all das ist es noch immer und es scheint nicht enden zu wollen. „Ich tanz drauf!“

Der gestrige Tag hatte wieder so etwas. Zufall reihte sich an Zufall und ergab einen klasse Tag. Klasse Cabrio-Wetter, ein klasse Konzert und eine klasse Begleitung sorgten für noch mehr Vorrat an guter Laune und Zuversicht. Selbst wenn wir noch jetzt im Stau stehen würden, wenn wir das Konzert verpasst hätten, wenn die drei Bonnerinnen nicht getroffen hätten und selbst wenn es in Strömen geregnet hätte – es wäre ein klasse Tag gewesen. Denn da war immernoch ein klasse Mensch, den ich kennen lernen durfte. Mit deiner „Verrückt!“-charmanten Art, einem „Kreisel“ gleich durch mein Hirn und Magen drehend. Da war es wieder, so ein nach außen vielleicht unscheinbares Ereignis. Für mich ist es „Hoffnung“ und kein Trick.

Und auch wenn es nicht dein Plan gewesen sein kann, diese Wirkung zu haben, ist es mir ein großes Anliegen dir irgendwie und vielleicht mit einem seltsamen Text wie diesem, zum Ausdruck zu bringen, dass ich deine Gesellschaft sehr genossen habe und zu schätzen weiß, was du für mich getan hast.

Wie sagte doch der Stabsgefreite Bergmann anno 1998 in seinem unnachahmlichen Akzent zum Hauptgefreiten Polch, als ich die Halle betrat:
„Kuck mal, da isse wieder, de Grinsekatze!“

Und mit meinem inneren Grinsen von Ohr zu Ohr und der Mieze Katz in meinem Herzen, mache ich mich nun schleunigst auf den Weg zum Grillen.

Danke, dass du es bist, Jenni!