Spore: No Sex, no Fun?
Es dauert noch rund zwei Monate bis zum deutschen Verkaufsstart von Spore am 5. September 2008. Nach Spielen wie Sim City und Die Sims wird Mastermind Will Wright mit Spore einen weiteren Blockbuster abliefern, in dem der Spieler die Entwicklung und Geschickte von Einzellern bis hin zur Weltraum-Zivilisation steuern können wird. Dass der vorab veröffentlichte Kreaturen-Editor weltweit Fans animierte etwas anzüglich wirkende Wesen zu erschaffen, wird seitens EA Games aber nicht so gerne gesehen…
Über Spore
Ich kenne Die Sims nur von meinen Nichten und Neffen aber Sim City und sonstige Aufbausimulationen begleiten mich schon seit einer gefühlten Ewigkeit, damals sogar noch auf dem Commodore Amiga. Von daher habe ich mich von den ersten Gerüchten an riesig auf Spore gefreut. Die Idee, die komplette Evolution von der Entstehung des Lebens bis hin zur Erforschung des Weltraums zu simulieren, fasziniert auf der Stelle. Dass das Ganze aus der Feder von Will Wright stammt, bürgt für Qualität. Das dürfte auch der Grund dafür sein, warum ausnahmslos alle von einem großen Erfolg des Spiels ausgehen werden, das für PC und Mac, aber auch in teils abgewandelten Versionen für Nintendo DS und Wii, sowei voraussichtlich für das Apple iPhone und weitere Konsolen-Plattformen erscheinen wird.
Das Spiel selbst teilt sich in mehrere Phasen auf, die nacheinander erreicht werden. Es beginnt mit der Ursuppe Phase und geht dann über die in die Phasen Kreatur, Stamm, Zivilisation und Weltraum. Damit ist es gewissermaßen fünf Spiele in einem und bietet auch die Möglichkeit einzelne Phase auch einzelne Phasen einzeln zu vermarkten. So las ich vor einer Weile davon, die zweidimensionale Ursuppe-Phase als Handy-Game herauszubringen.
Zum Aufwärmen: Monster basteln
Um die Wartezeit bis zum Verkaufsstart zu überbrücken hat EA Games am 17. Juni das Spore Labor veröffentlicht. Im Labor (für PC und Mac) kann jeder sich schonmal eine eigene Kreatur basteln. Dazu kann man vorgefertigte Körperteile zusammensetzen und einfärben. Im Grunde handelt es sich bei dem Programm um einen 3D-Editor. Alle Körperteile lassen sich interaktiv mit der Maus verformen und je nachdem wo am Körper man welches Teil ansetzt, ist der Editor clever genug zu erkennen, ob an der Stelle nur ein Teil Platz findet, oder auf beiden Körperseiten dasgleiche Teil platziert werden soll. Das Spore Labor gibt es in einer Kaufversion, in der man für nicht ganz 10 € das volle Arsenal vn Körperteilen zur Verfügung hat. Mit 25% dieses Arsenals muss sich zufrieden geben, wer die kostenlose Version benutzt. Ansonsten sind beide Versionen funktionell gleich.

Viel anfangen kann man mit seiner Kreatur zunächst nicht. Man kann sie in einer Art kleiner Freiluftarena testen, diverse Gesten, Tänze und Reaktionen vollführen lassen, die später auch im Spiel benötigt werden. Aus dem Editor heraus kann man hiervon Fotos und Videos erstellen. Zudem kann man man einen Spore Account bei EA Games anlegen und kann seine eigenen Kreaturen dann hochladen, so dass sie später für alle Spieler zur Verfügung stehen. Aktuelle haben rund 400.000 User mehr als 800.000 Kreaturen erzeugt und hochgeladen. Mit einem eigenen Spore-Account kann man sich diese alle auch online anschauen.
Für EA ist dies natürlich eine gute Möglichkeit früh für Kundenbindung, Interesse und PR zu sorgen und auch die eigene Server-Infrastruktur ersten Tests zu unterziehen.
Von Penen und Brüsten
Schauen wir uns mal auf unserem Planeten um stellen wir fest, dass sich die meisten höheren Lebewesen auf der guten alten Mutter Erde zweigeschlechtlich vermehren. Alle Tiere, die etwas auf sich geben, treiben es. Nicht ganz überraschend, aber dennoch seltsam, dass man diesen Aspekt der biologischen Evolution aus Spore herausgehalten hat. Es gibt schlichtweg keine Männlein und Weiblein. Zwar legen die Spore-Wesen Eier, aber dafür machts schienbar jeder mit sich selbst. Das konnten kreative Sporianer nicht aufsich sitzen lassen und so dachte man sich, “Wenn wir keine Geschlechtsteile gestellt bekommen, dann bauen wir uns selber welche.”. Und so verwundert es auch nicht, dass sich zu den Begriffen “spore penis” auf Youtube (wohin man aus dem Labor heraus direkt Videos hochladen kann) bereits über 800 Videos finden.
Solche Skandälchen kommen der schreibenden Zunft natürlich Recht, weswegen sich entsprechende Artikel aktuell häufen. EA denkt wohl darüber nach Accounts zu sperren und sieht die Nutzungsvereinbarungen durch die kreativen User verletzt. Auf der anderen Seite ist dies kostenlose PR, der “Schaden” dürfte sich also in Grenzen halten, egal ob es um Penen oder Brüste geht.Es fällt mir auch schwer mir vorzustellen, dass niemand bei Maxis / EA eine solche Entwicklung erwartet oder zumindest für möglich gehalten hat.Auch infantile Kreativität ist Kreativität und kann mitunter recht skurrie Formen annehmen.
Oder, um den Bogen zurück zur Evolution zu spannen: Die Natur findet eben immer einen Weg…
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